Margerite
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Zitat von Arev87:Emotionale Tiefe und trotzdem ne gewisse Stabilität. Mein Ex hatte diese Stabilität leider nicht. Aber sowas merkt man eben auch nur nach ner gewissen Zeit. I
Erinnert mich an mich selbst. Ich nahm, als ich ihn kennenlernte, auch eine emotionale Tiefe wahr. Er war ja so freundlich, sprach so verständnisvoll und einühlsam, sprach sogar beim ersten Treffen über Schwierigkeiten, die er hatte, z.B. vor Menschen zu sprechen oder einen Vortrag zu halten.
Und ich dachte mir: Ist ja unglaublich, der ist ja wie ich. Er macht sich viele Gedanken, das spricht doch für eine gewisse Tiefe.
Wir stellten so viele Gemeinsamkeiten fest und nach diesem ersten Abend saß ich schon in der Falle.
Später, Monate später, merkte ich, dass da doch gar kein Tiefgang war. Ich hatte es mir schlichtweg eingebildet und ihm Eigenschaften zugewiesen, die ich gerne gehabt hätte, die aber nicht da waren. Stabiblität? Nach außen betrachtet ja, im Privatleben war er wie ein Segel im Wind.
Gerade Bindungsvermeider und nicht sehr empathische Menschen beherrschen etwas sehr gut: sie senden Signale, die andere wahrnehmen, weil sie erfahren haben, was ankommt. So wirken sie anfangs empathisch, interessiert und einfühlsam. Und sie wirken so, weil sie es sich abgeschaut haben. Dass nicht viel dahinter ist, merkt man erst später, wenn man hinter die Fassade schaut.
Zitat von Arev87:Natürlich, nur haben wir eigentlich andauernd über seine Probleme gesprochen
Ich lache gerade vor mich hin, denn genau das kann ich auch bestätigen. Er hatte natürlich Probleme und er hatte Stimmungen. Einen Tag war er gut drauf und alles gelang, den nächsten wieder kleinmütig und von Selbstzweifeln geplagt. Ich bekam das alles ab und in mir erwachte eine soziale Ader. Ach Gott, der arme, ich muss ihm beistehen, ihn bestätigen, ihn aufrichten, ich muss ihm HELFEN. Und ich glaubte obendrein, das würde sich irgendwann für mich auszahlen und er würde meinen besonderen Wert erkennen.
Heute für mich unglaublich, was ich mir damals alles einbildete. Ich hatte mir ein Bild von ihm gemalt und an dem hielt ich fest. Und wenn er diesem Bild nicht entsprach, fand ich Entschuldigungen. Er hat es halt schwer, er ruht nicht so in sich, er ist ein Opfer seiner Kindheit, seiner Erziehung. Den Armen plagen Selbstzweifel, dabei war er doch so gut und so toll.
Ich wollte mich hier wohl als eine Art Ersatztherapeutin etablieren, die den Buben schon auf den rechten Pfad führt. Er würde das honorieren,ganz sicher. Nein, ich ging ihm eher auf die Nerven mit meiner Ursachenforschung, was ihm wohl fehlte.
Und als ich es diagnostiziert hatte, dank einiger Ratgeber erkannte ich seine Eigenschaften und beschämenderweise auch unsere Art von Beziehung wieder, würde ich ihn heilen. Und er würde dann mein richtiger Partner werden. Margerite, die tolle Therapeutin! Es war erbärmlich, weil eine Partnerin keine Therapeutin sein kann. Das führt zu Rollenvermischungen, zu Unter- und Überordnung, weil die schlaue Therapeutin ja mehr weiß als der Krisenpatient.
Das hätte mir gefallen, weil ich ja in der untergeordneten Rolle war, weil ich mehr wollte als er geben konnte und wollte.
Das Leben bringt einem schon Manches bei, auch über die eigenen Fallstricke. Daher ist es nie verkehrt, mal bei sich selbst zu schauen anstatt andere diagnostizieren zu wollen.
Zitat von merretich:Und es gibt die, die ihre Vergangenheit zum manipulieren vornehmlich empathischer Menschen benutzen.
Nimm Dich davor in acht!
Und dies als Manipulation zu erkennen, ist schwierig. Gerade als eher empathischer Mensch empfindet man ja sogleich Mitleid, Fürsorge, was vor allem Frauen durch ihre Sozialisation oftmals schon "gelernt" haben und dann lässt man sich einlullen, weil der arme Mann ja so beschädigt wurde, wofür er ja nichts kann. Solche Menschen sprechen geschickt die Gefühlsebene bei Menschen an und schon sitzt man in der Falle, wenn man alles glaubt, was einem so erzählt wird.
Menschen, die obendrein im sozialen Bereich beschäftigt sind, sind schon von berufswegen gefährdet, Manipulationen auf den Leim zu gehen. Sie glauben zu sehr an das Gute im Menschen.
Bindungsvermeider - nein danke. Ich bin selbst einer, aber eher einer der passiven Sorte, kann aber auch problemlos die aktive Rolle einnehmen, je nach Gegenüber. Aber ich hoffe, dass ich meine Ängste jetzt einigermaßen im Griff habe und damit umgehen kann anstatt sie zwanghaft ausleben zu müssen.
Jeder Mensch sucht sich als Partner etwas, was er kennt. Das erfolgt ganz unbewusst und so gerät auch der scheinbar bindungsfähige und bindungswillige Mensch oftmals an solche, die dasselbe Dilemma haben, es nur anders ausleben.
Ein normal bindungsfähiger Mensch würde sich ja niemals mit so was einlassen, weil vorher schon die Alarmglocken läuten würden.
Zitat von Arev87:Ich hab rational gesehen komplett abgeschlossen
nur leider jammern immer wieder die Gefühle dazwischen. Diese Diskrepanz aus rationaler Erkenntnis und emotionaler Steuerung ist sehr Kräfte zehrend und sie tut weh.
Zitat von Arev87:Manchmal bin ich noch ein bisschen wehmütig weil sehr vieles bei uns wirklich perfekt gepasst hat.
Das wird eines Tages auch vergehen. Die Wehmut, der Verzicht auf ihn, seine Stimme, seinen Anblick, die Gespräche mit ihm verfolgten mich lange. Bis ich es ganz geschafft hatte, dauerte es sicher länger als ein Jahr. Aber da der Prozess schleichend ist, gibt es ja nicht den Tag X, ab dem es ganz vorbei ist.
Im Gegenteil, ich sah ihn wieder von Angesicht zu Angesicht zwei Jahre später und war berührt. Ich hatte in dem Moment nicht damit gerechnet und spürte innere Panik mit allen körperlichen Stressreaktionen wie Magendrücken von jetzt auf gleich, Blutdruckanstieg in ungeahnte Höhen, Schwitzhändchen. ich war momentan komplett überfordert und musste mich erst sammeln und mich stabilisieren. Es war ein blöder Zufall, als ich ihn auf einem Kongress wieder sah. Nach außen wirkte ich ruhig, innerlich tobten Stürme.
Aber auch das verging.
Und dann kam eines Tages doch noch so was wie der Tag X. Ich saß beim Frühstück, war normal drauf und auf einmal fiel er mir ein. Wie das, ich hatte doch schon seit Wochen, ja Monaten nicht mehr an ihn gedacht?. Mein Leben war neu aufgestellt, ich war zufrieden, also warum mogelt er sich jetzt in meine Gedanken?
Ich überprüfte mich. War da vielleicht doch noch eine Faser meines Herzens, die Kontakt gewollt hätte? Nein, das spürte ich nicht. Hatte ich ihn vielleicht doch noch nicht ganz los gelassen? Doch, er spielte keine Rolle mehr. Was also war da los?
Dann sah ich mich wie in einem Rückspiegel. Meine Bemühungen, meine Schlussfolgerungen, seine Dominanz, mit der er meine Gefühlsagen dirigierte. Es war ein trauriges Zweipersonenstück von zwei Menschen, die erst glaubten, das große Los gezogen zu haben und dann grandios scheiterten, gesteuert von ihren inneren Mustern und Defiziten.
Und auf einmal erkannte ich, wofür ich ihn gebraucht hatte und benutzen wollte. Ich war innerlich traurig, unzufrieden und uneins mit mir und er sollte das heilen. Hier hast du mein trauriges Herz, heile es und gib es mir heil wieder zurück, dass ich endlich an mich und meinen Wert glauben kann.
Ich hatte ihn auch benützt, unbewusst, aber eben doch. Das war dann durchaus beschämend und korrigierte mein Bild von der unschuldigen Frau.
Wer war nun Schuld? Keiner und jeder und ab da war die Schuld ziemlich gleich verteilt. Ich glaube, es war eine Botschaft meines Unterbewusstseins, das es mir schickte.
Es ist heute noch eine Erleichterung spürbar, dass ich ihm "entkommen" bin und mich nicht mehr für ihn interessiere. Ich frage nicht mal mehr bei anderen nach, was er so macht, wel es für mich keine Rolle mehr spielt. Dass ich jemals so weit kommen würde, hatte ich damals nicht gedacht.
Das wird auch bei dir so sein. Er wird iwann im Nebel der Geschichte verschwinden und unwichtig werden. Wenn du was für dich daraus gelernt hast, hast du sogar davon profitiert.