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Partner mit Bindungsangst

Heffalump
Zitat von Liv225:
Nachtragend ohne Ende

Den kenne ich auch

x 1 #196


PapaEmeritus
@Liv225

Als hätten diese Menschen alle voneinander gelernt, oder? Ist aber bestimmte alles nur Zufall….
Naja, Kritik ist eben ein direkter Angriff auf Macht und Kontrolle, und da gibt es eben nur wenige Möglichkeiten, den Aufstand niederzuschlagen. „Angriff auf meine Überlegenheit -> Einleitung der Vernichtungs- und Bestrafungs-Software“.
Abwertung, um dich klein zu machen, Schuldumkehr wehrt Verantwortung ab und macht dich zum Problem, und die Opferrolle ist dann der absolute Freifahrtsschein zur Grausamkeit. Als Opfer sind dann Silent Treatment und Kälte keine Grausamkeit mehr, sondern „Notwehr“ gegen deinen unberechtigten Angriff. Du wirst von der „Anklägerin“ zur „Täterin“ gemacht. Das zieht die Aufmerksamkeit absolut von seinem Fehlverhalten ab, und zwingt dich in die Rolle, in der du dich rechtfertigst, anstatt deine Grenzen zu verteidigen. Läuft immer wieder erschreckend deckungsgleich ab, dass es dafür einen Ausdruck gibt: DARVO (deny, attack, reverse victim and offender). Und wenn du dich dann versuchst zu entziehen, kommt das Hoovering. Wenn du da nicht aufpasst, bist du ganz schnell wieder in dem Kreislauf drin. Aber das kennen wir alle.

x 4 #197


A


Partner mit Bindungsangst

x 3


hotte
Liebe @Arev87

ich habe hier im Thread mal quergelesen und möchte dir ein paar Dinge mitgeben da ich ähnliche Erfahrungen habe.

Zu allererst, laut einschlägiger Literatur kann man Bindungsangst gut behandeln und auch deutlich abmildern WENN die betroffene Person das selbst als Problem erkennt und wirklich will. Ich hatte selber ein "irgendwas" mit einer Frau die mich zwar als das beste was ihr passieren konnte bezeichnet, sich aber dennoch nicht auf eine Beziehung comitten wollte. Dummerweise war diese Zurückhaltung für mich nur ein Anreiz noch mehr energie zu investieren und quasi in einen Suchtähnlichen Zustand zu verfallen. Zum Glück habe ich das irgendwann erkannt und mich entfernt... ich würde lügen wenn ich sagen würde das ich drüber hinweg bin (die intimität war so unglaublich intensiv das es kaum zu beschreiben ist) aber es wird besser.

Du hattest etwas geschrieben das mich sofort an mich selbst und meine Herausforderung erinnert hat. Der Unglaube deines Ex das Menschen ihr "Mitleid" ehrlich meinen.

Ich habe ein sehr ausgeprägtes Schattenkind aus meiner Kindheit herrührt und mir den inneren Glaubenssatz gibt das ich nur "geliebt" oder "Anerkannt" werde wenn ich ausserordentliche Leistung zeige. Das mag für den Beruf total hilfreich sein um "Karriere" zu machen, ist im persönlichen sozialen Umfeld aber die totale Qual. Dazu kommt dass das nur die Spitze des Eisbergs ist und "eigentlich" nur Ausdruck einer tiefsitzenden emotionalen Unsicherheit ist.

Letztenendes ist es egal, du hast das richtige gemacht und für dich die Reißleine gezogen, ich wollte dir das lediglich noch als Feedback mitgeben.

x 4 #198


M
Zitat von Liv225:
Ich denke auch, nochmal würde das, wenn man es aufgearbeitet hat, nicht passieren.


Das hoffe ich, für dich und für mich und die anderen, die mit diesem Thema konfrontiert sind. Natürlich hat jeder seine Baustellen, Unaufgearbeitetes und auch seine Sehnsüchte, aber wenn sich eine Beziehung "komisch" anfühlt, obwohl man das Komische daran gar nicht mal beschreiben könnte, sollte man zumindest wachsam sein, damit man nicht wieder sehenden Auges in die Kreissäge rennt.

Empfindungen, auch unbewusste Wahrnehmungen, die gar nicht auf die bewusste Ebene kommen sind da und man sollte sie nicht verleugnen, nur weil das Gegenüber gerade mal wieder so freundlich und verständnisvoll redet. Das ist das rätselhafte Bauchgefühl, das uns in manchen Situationen warnt.

Die Warnungen, die ich nach den ersten Wochen bemerkte, schob ich beiseite und schimpfte mich selbst wegen meiner Bedenken und Schwarzmalerei. Er tat ein Übriges dazu, sie wegzuwischen, wenn er mir mal wieder seine Ration an Feingefühl zuteilte. Und dennoch, die anderen Momente überwogen irgendwann, in denen ich Angst hatte, er könnte mir wieder bedenkenlos weh tun, indem er mich ins Abseits stellte und ich hatte auch Angst davor, er könnte sich einer anderen zuwenden, die weniger kleinmütig als ich war, sondern ihren Weg ging - selbstbewusst und selbstbestimmt.
Meine Ängste waren ja nicht ganz unbegründet, wie sich später herausstellte. Und selbst als ich ihn darauf ansprach, hörte ich, er habe kein Interesse, aber er lerne nun mal gerne neue Menschen kennen ....

Er war auf Dienstreise, einige Hundert Kilometer weit weg. Ich freute mich über ein paar dürre Worte, aber die Andere, mit der er offenbar auf dem Kongress enger in Kontakt gekommen war, erhielt einen längeren Post. Er sitze gerade in Köln vor dem Museum Ludwig. Das war typisch, wie er subtile Botschaften streute. Erste Botschaft, schau mal wo ich bin und wie wichtig ich bin, zweite Botschaft, ich bin ein kulturbeflissener Mensch, dritte Botschaft, ich denke auch in Köln an dich. So was zieht, zumindest in bestimmten Kreisen. Und dann berichtete er warum und wieso und dass er sich sehr gefreut habe, sie auf dem Kongress wiedergesehen zu haben.
Ich las das widerrechtlich, hatte aber eine günstige Gelegenheit genützt weil er mir "komisch" vorkam, merkwürdig anders.Mit den Gedanken wer weiß wo und dann wieder so seltsam schwungvoll. Jetzt war mir klar, er hatte Feuer gefangen.

Sie reagierte geradezu euphorisch und schon meinte sie, man könnte sich ja mal wiedersehen ... Und er? Er hatte gleich einen Vorschlag, er sei nächste Woche eh in einem Ort unweit von ihrem Wohnort und könnte es gut einrichten. Aber leider ging es da bei ihr nicht und so fasste man unverbindlich die Osterfeiertage ins Auge.

Mir ging ein Licht auch. Seine schwungvolle Art rührte daher, dass er wieder seine Zufuhr bekommen hat und daher war er dann auch zu mir so freundlich. Wir lachten sogar zusammen. Auf einmal konnte er wieder so nett sein, aber das lag nicht an mir. Tja, Ostern stand vor der Tür. Eine Woche noch.

Er hatte schon nach dem Kongress, als wir uns verabschiedeten, merkwürdige Dinge gesagt. Ostern wird wahrscheinlich nicht so günstig sein wegen Familie und so .... "Und so" beinhaltete immer eine Unwahrheit, das wusste ich inzwischen. Es war mir klar, er wollte sich die Feiertage frei halten. Und mir war nun klar warum.

Ich beschloss mich nicht kampflos geschlagen zu geben. Ich operierte sozusagen im Geheimen. Sagte, dass ich immer wieder vor einer Mauer bei ihm stehe, die ich gerne einreissen würde, aber nicht kann. Und wie er eigentlich unsere Beziehung sähe, ein Hin und Her ohne Stabilität. Und wie er sich denn den Rest seines Lebens vorstellen würde, wenn er jede Frau irgendwann in die Flucht trieb bzw. selbst flüchtete? Er war damals auch nicht mehr so jung und ich merkte, ich hatte ihn erreicht. Am nächsten Morgen packte ich zusammen und er fragte, was ich da mache. ich sagte, ich fahre, was will ich denn noch hier? Es war das einzige Mal dass er mich bat zu bleiben.
Und ich schmolz wie Schokolade in der Sonne. Diese andere Frau war erst Mal kein Thema mehr, ich hatte ihm auch nicht gesagt, dass ich den Dialog gelesen hatte. Ich fühlte es und blieb bis zum Abend. Und fühlte mich erstmals seit langer Zeit wieder sicherer.

Einige Woche später las ich dass er ihr nochmals geschrieben hatte und das zog mir wieder den Boden unter den Füßen weg. Er schrieb ihr, er habe sich damals nicht mehr gemeldet, weil er in einer Beziehung sei. Die laufe jetzt besser obgleich er wisse, dass es nicht von Dauer sein würde. Sie antwortete lapidar und bedankte sich für die ausführliche Mail, die ich nicht gelesen hatte. Aber er hat ihr wohl erklärt warum er sich zurückgezogen hat. Sie hatte ihre Lektion gelernt und ich bewunderte sie sogar für diese abschließenden Sätze. Ich schätze, sie war sauer auf ihn weil er ihr die Zähne lang gemacht habe.

ich fühlte mich verraten. Er blieb noch mit mir zusammen, aber rechnete schon mit dem finalen Ende. Ich hätte gehen müssen und tat es nicht. Und das ist genau das, was ich als Kind gelernt hatte. Ich war ja oft nicht gut genug, fühlte mich einsam und nicht richtig akzeptiert. Das macht sehr traurig. Aber ich gab nie auf. Immer wieder suchte ich nach Zuwendung, Lob und Anerkennung und wenn ich sie bekam war ich wieder glücklich, wohl wissend, dass auch das nicht von Dauer sein würde.

Ich war es gewohnt für die Liebe zu leiden und mich ins Zeug zu legen. Völlig falsche Verknüpfung, die in mir angelegt war. Liebe ohne Leiden gibt es nicht, denn sonst ist es keine Liebe. Es ist normal dass man sich auch öfters umsonst anstrengt, ab er man gibt niemals auf.
Das habei ich später bei mir erkannt und das erklärte auch, warum ich immer noch bei diesem defizitären Mann blieb und einfach nicht ging so wie es andere getan hätten.

Ich glaube nicht, dass es mir heute nochmals passieren würde. Ich bin abgeklärter, mein Interesse an anderen Männern ist erlahmt. Manche mag ich, andere akzeptiere ich und manche mag ich nicht. Aber für Avancen bin ich nicht mehr zugänglich. Mir reicht jetzt meine Ehe, damit habe ich genug zu tun. Die ist auch oft genug nicht leicht, aber sie hält doch. Wir wissen was wir aneinander haben.
An die "große Liebe" glaube ich nicht mehr. Aber ich weiß jetzt, dass ich pfleglicher und achtsamer mit mir umgehe und nicht mehr erfolglos irgend etwas hinterher renne. Und ich habe irgendwann gemerkt, dass ich immer mein stärkster Kritiker war, denn ich war ja nie gut genug, hätte dies und jenes besser machen können oder müssen.
Das ist jetzt auch vorbei. Wenn du gewöhnt bist dich selbst ständig in Frage zu stellen und zu kritiisieren, fehlt es dir an Eigenliebe. Die musste ich auch erst lernen, die Selbstakzeptanz trotz aller Ecken und Kanten.

Meerrettich schreibt von blinden Flecken in einem. Das ist sehr wahr. Einige habe ich gefunden, andere lauern noch im Unterbewusstsein. Dennoch fühle ich mich seit dieser "Beziehung" wohler mit mir, irgendwie geerdeter.

Es ist nie zu spät sich selbst anzuschauen, dann kann man die eigenen Mechanismen schon erkennen und in Frage stellen. Und es ist ja nicht nur schlecht wie man ist. Man darf sich auch mal loben.

Er kam später darauf, dass ich in seiner Mailbox gelesen hatte. Das war natürlich wieder beschämend für mich und ich entschuldigte mich, erklärte es mit meiner Unsicherheit, was ja auch stimmte. Er habe von dieser Frau nichts gewollt, sagte er. Ich nahm es so hin. Es war ja hinterher auch egal, aber eines brauchte er doch: Bestätigung dass er ankam, dass man ihn mochte und dafür sandte er auch falsche Signale aus. Die Frau dachte sicher, er sei solo und erfuhr dann das Gegenteil. Sie war sicher sehr enttäuscht.

Ich lehne mich jetzt entspannt zurück und bin einfach froh, dass dieser Mann weg ist. Er war nützlich, weil ich erstmals angefangen hatte, mich selbst zu betrachten. Der Psychotherapeut seinerzeit hatte Recht: Menschen kommen nicht umsonst ins eigene Leben, man kann durch sie viel über sich lernen.

x 2 #199


M
@hotte

Danke für diesen wunderbaren Beitrag!

x 1 #200


PapaEmeritus
Zitat von Margerite:
Er tat ein Übriges dazu, sie wegzuwischen, wenn er mir mal wieder seine Ration an Feingefühl zuteilte


Sehr gut! Du hast anscheinend verstanden, wie das funktioniert. Viele halten ja das prosoziale Verhalten für den „echten“ Menschen und alles andere für Ausrutscher, die Realität ist leider komplexer.

x 1 #201


Liv225
Ach ihr, ich könnte dauernd mit euch schreiben. War wirklich gut.

(ich hoffe, das war für Dich Arev87 in Ordnung, weil Du das hier eröffnet hast… daraus kann jeder lernen)

Dass Ihr das versteht, und es genauso erlebt hat… Ja, als hätte man eine Schablone über diese Menschen gelegt, so sehr gleicht es sich.

„Zufuhr“ ist auch noch so ein Zustand, der ihnen sehr wichtig ist.
wie Vampire laben sie sich am Leid ihrer Partner.
So krass.
Wer hätte jemals von sich gedacht, dass einem das passiert und wie kaputt es einen machen kann. Diese quasi Gehirnwäsche…
Man will doch „nur“ sein normales Leben leben.

x 1 #202


hotte
Zitat von Margerite:
@hotte Danke für diesen wunderbaren Beitrag!

das kann ich nur zurückgeben... sehr schon geschrieben... das einzige was ich gerade nicht ganz verstehe.... der typ von dem du da schreibst ist aber nicht der mit dem du eine Ehe führst (oder geführt hast), oder?

#203


Arev87
Zitat von Liv225:
ich hoffe, das war für Dich Arev87 in Ordnung, weil Du das hier eröffnet hast… daraus kann jeder lernen)

Ich find's super dass der Thread sich so entwickelt dass inzwischen auch viele Andere ihre Erfahrungen teilen 🙂.
Wäre ja auch schnell langweilig wenn ich die einzige wäre die von sich erzählt. Macht gerne weiter so , wir lernen voneinander 😊

x 1 #204


M
Zitat von Liv225:
Man will doch „nur“ sein normales Leben leben.

Ja, man sehnt sich nach Ruhe, Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit. Diese ewige Auf und Ab, diese ewigen Gedankenmühlen kosten unendlich Energie.
Aber solche Beziehungen haben auch Suchtcharakter. Im Lauf der Zeit tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Man gewöhnt sich daran, dass es unruhig und unsicher ist und hat sich wie ein Terrier in einen Ball verbissen, den man nicht mehr hergeben will.

Dabei ist man der Esel, der der Rübe hinterher läuft, die vor seinem Maul baumelt und die er doch nicht kriegt. Diese Gewissheit lässt man außen vor, man will unbedingt die Rübe bekommen und rennt weiter. Nicht umsonst fühlt man sich in solchen Beziehunge oft so ausgelaugt und müde.

Aber das innere Muster, die Rübe doch noch zu kriegen, ist stärker. Irgendwann wird er so werden wie ich ihn haben will. Aha, nur an sich selbst denkt man dabei nicht, denn man selbst ist ja die "Normale'", diejenige die so ist, wie man in einer Beziehung sein sollte.
Das ist ein Trugschluss, Liebe will einen Anderen nicht verändern, sie akzeptiert auch die Schattenseiten eines Menschen. Daher ist es keine Liebe, auch wenn man es glaubt.

Die Sucht aufzugeben ist sehr schwer, das weiß jeder, der süchtig ist oder war. Der Unterschied zwischen der Sucht nach Liebe und dem Suchen nach Liebe beim falschen Adressaten zu einer stofflichen Sucht ist gar nicht so groß.

Und daher ist hinterher die Ablösung wieder ein Kraftakt.

Zitat von hotte:
der typ von dem du da schreibst ist aber nicht der mit dem du eine Ehe führst (oder geführt hast), oder?

Nein. Der Typ sollte mein neuer Partner werden. Meine Ehe war am Ende wie ich glaubte. Ich war damals in einer Art Krise: perspektivlos, festgefahren, gelangweilt, des gewohnten Lebens überdrüssig und vor allem mochte ich mich selbst nicht. Das erkannte ich aber erst viel später.

So was macht den Menschen offen. Es war keine aktive Suche, er - der Bindungsvermeider - begegnete mir rein zufällig und ich war sofort geflasht und fasziniert. Erst Monate später trafen wir uns auf meine Initiative am Rande eines Kongresses wieder. Statt eines gemeinsamen Kaffees an einem Stand wurde es ein Abendessen. Und nach diesem Abend wusste ich instinktiv, der ist wie ich. Er glaubt nicht an sich und seine Fähigkeiten, er ist unzufrieden, oft ängstlich und zaghaft, ein Suchender wie ich. Danach ging es dann allmählich an mit persönlichen Treffen, die zuerst selten stattfanden, später regelmäßiger. Mein Mann wusste es irgendwann und beschloss offenbar, das auszusitzen.

Am Anfang glaubten wir beide - gestrauchelte Seelen (ja, ja die berühmte "Seelenverwandtschaft" fühlten wir auch) - an unser neues Glück.
Ich schwebte durchs Leben und war völlig realitätsfern. Dann als diese Affäre meinerseits in was Ernstes übergehen sollte, begannen die Probleme mit seinen Distanzmanövern.

Ich glaube nicht, dass ich meine Ehe tatsächlich aufgegeben hätte. Irgendwann hätte das überwogen, was da ist und nicht das, was sein könnte mit diesem anderen Mann.

Es war ein riesiges Chaos, eine Verirrung, Träumereien von einem anderen Leben, das er mir bescheren sollte und es war viel Selbstbestätigung im Spiel - bei beiden. Der Rest ist bekannt. Der Traum vom Glück zerplatzte und das Chaos in der Beziehung kehrte ein. Vieles was mich damals trieb, kann ich heute nicht mehr verstehen, es ist wie aus einem anderen Leben. Ich war getrieben, voller Sehnsüchten nach Liebe und auch auf der Suche nach einem anderen Leben. Für diese Triebe habe ich dann viel bezahlt. Geschah mir recht, ich musste lernen, dass es so nicht geht und dass ein anderer Mann keine Lösung ist, wenn man sich selbst nicht leiden kann.

Wie ich damals in Parallelwelten lebte, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Heute bin ich in der Realität daheim, nicht immer toll, aber in Träumereien verliere ich mich nicht mehr. Die sind wie ausradiert. Die Suche nach dem großen Glück ist beendet, denn es gibt auch eine kleinere, beständigere Version des Glücks.

x 3 #205


Liv225
@Margerite
Da hast Du viel mitgemacht.

Was ich noch aufgreifen möchte, ist die Sache mit dem Gewöhnungseffekt.
Danach hab ich mich oft gefragt: wie konntest Du das so lang und immer wieder über Dich ergehen lassen.
Und es wurde ja immer schlimmer…
Aaaaber: Absprung geschafft.

x 1 #206


PapaEmeritus
@Liv225
@Margerite

Macht euch da nicht zu große Vorwürfe. Selbst wenn man den Absprung zeitiger schafft, ist der Schaden nicht geringer. Ob man 1 Mal oder 10 Mal auf eine heiße Herdplatte fasst, ist egal, der Schmerz ist immer der Gleiche. Man kann sich natürlich im Nachhinein fragen, warum man das Ganze 10 Mal gemacht hat, aber die Folgen bleiben dieselben.

x 2 #207


M
Zitat von PapaEmeritus:
@merretich Im Nachhinein erinnert man sich dann natürlich an bestimmte Dinge, die erst im Nachhinein Sinn ergeben. In meinem Fall hat sich der Mensch zB von Anfang immer so als Opfer dargestellt, diese Menschen haben ja immer diese Opfermentalität. Oder dieses schnelle aufbauen von Nähe, von 0 auf 100, auch schnell ...

Das ist etwas wo ich heutzutage rasch die Füsse in die Hand nehme: Menschen die immer Opfer von allem und jedem sind. Denn wenn es dann einen Konflikt mit ihnen gibt, geht es selten auch um das sachliche Diskutieren von Lösungen oder einfach der Übernahme von Verantwortung als erwachsener Mensch, sondern es wird verdreht, geshiftet etc was das Zeug hält.
Früher bin ich da sehr oft auf den Leim gegangen, weil ich einfach mitfühlend bin und man das auch schnell merkt.
Mir ist auch meine zeit zu schade sie mit Menschen zu verbringen die immer meckern und mosern. Viel zu schade.
Und sowas hab ich früher oft nicht gecheckt bin im Gegenteil in die Rolle der Retterin und Glücksbringerin die nachher fix und fertig ist und deren belange am Ende nicht interessieren, gerutscht.
Daher lohnt es sich schon seinen Anteil zu betrachten. Nicht Anteil im Sinne von schuld aber Anteil im sinne welche Signale sollte ich besser ernst nehmen.

x 2 #208


M
Zitat von Liv225:
@Margerite Da hast Du viel mitgemacht. Was ich noch aufgreifen möchte, ist die Sache mit dem Gewöhnungseffekt. Danach hab ich mich oft gefragt: wie konntest Du das so lang und immer wieder über Dich ergehen lassen. Und es wurde ja immer schlimmer… Aaaaber: Absprung geschafft.

Ich denke ab einem gewissen Zeitpunkte hat man halt auch viel Energie und Zeit in die Person/Job/Freund whatever gesteckt. GERADE wenn es nicht einfach ist. Das macht paradoxerweise den Abgang je später desto schwieriger, weil irgendwie will man dann umso mehr dass es doch noch klappt, wo man doch schon so irsinnig viel Verständnis und Nerven und Liebe in was toxisches reingesteckt hat.

x 1 #209


PapaEmeritus
@merretich

Bin ich absolut bei dir. Man muss eben in sein Weltbild integrieren, dass es solche Menschen gibt. Man muss sich nicht grundlegend ändern, ist mMn eh nicht komplett möglich, aber man muss es eben als Möglichkeit immer offen lassen.

Was du beschreibst, ist die sogenannte sunken cost fallacy. Man hat so viel investiert, gegeben, zugehört, etc, es fällt einem schwer, sich dann einzugestehen, dass es im großen und ganzen sinnlos war.

x 1 #210


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