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Partner mit Bindungsangst

Funkenline
Zitat von Arev87:
Hm.... Ich finde es aber schon wichtig dass wir hier auch unterscheiden zwischen Bindungsangst und narzisstischer Persönlichkeitsstörung oder noch schlimmer antisozialer Persönlichkeitsstörung. Das sollte man nicht alles in einen Topf werfen. Was meinen Ex angeht, der hat definitiv selber unter seiner ...

Zwänge treten übrigens häufig in Kombination mit Narzissmus auf, ebenso wie depressive Episoden.
Vulnerable Narzissten können auch unter ihrer Störung leiden. Ausschließen würde ich sie daher nicht, zumal es auch leichtere Ausprägungen gibt und seine von dir beschriebenen Verhaltensweisen größtenteils dazu passen würden. Ich kann und will hier aber keine Ferndiagnose stellen, nur mal darauf aufmerksam machen.

x 1 #256


M
Zitat von PapaEmeritus:
Ich weiß, was ich erlebt hab, ich weiß, wie kalt, spöttisch, herablassend der Mensch sein konnte. Den hat es nicht mal gejuckt, das ich wie ein Hund darunter leide. Im Gegenteil, der hat das sogar noch als Hebel genutzt, um mich noch mehr leiden zu lassen. Und wenn man versucht hat, sich dem ganzen zu entziehen, hat der Mensch versucht, mich zurück in die Dynamik zu ziehen. Ich weiß, was ich erlebt habe. Ich bin nicht verbittert oder so, aber ich lass mir da von niemandem mehr irgendwas erzählen. Akzeptiere aber, wenn jemand ne andere Meinung dazu hat.

Es ist deine Empfindung, es sind deine Gedanke über sie und die Beziehung und die macht dir keiner streitig. Das ist auch keine Frage der Meinung. Ausschlaggebend sind die Gefühle, die du damals empfunden hast und die sie verursacht hat.

x 1 #257


A


Partner mit Bindungsangst

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M
Zitat von Liv225:
Danach hab ich mich oft gefragt: wie konntest Du das so lang und immer wieder über Dich ergehen lassen.
Und es wurde ja immer schlimmer…

Immer schlimmer wurde es nicht, das kann ich nicht sagen. Auch war dieser Mann nicht gezielt unpartnerschaftlich, er war nicht böswillig. Aber geprägt von der Kindheit. Sein Vater förderte und bestätigte seinen Sohn nicht etwa, sondern schob ihn beiseite. Er wollte ihm immer helfen, zur Hand gehen, denn der Vater baute zwei Häuser. Aber er wurde dann weggeschickt, geh weg, du kannst das nicht, du bist mir eh keine Hilfe. Irgendwann schmiss er ein paar Heizkörper, die für den Einbau bereit stand, versehentlich um und da schimpfte und tobte der Vater und wertete ihn ab. Du bist zu nichts zu gebrauchen. Das hat er mir mal erzählt, also hatte sich die Begebenheit ins Gedächtnis eingegraben.

Dass das seine Spuren hinterlässt und das Kind sich immer in Frage stellt, ist eigentlich klar.
Und die Mutter heiratete recht spät den Vater, sie war für damalige Zeiten schon fast über dem "Verfallsdatum". Sie bekam sehr schnell 3 Kinder, ihn und 1,5 Jahre später ein Zwillingspärchen.

Der Vater kümmerte sich nur um Dinge, den Hausbau, Kinder und deren Erziehung, Hausarbeit etc. waren Frauensache. Wenn du dann mit 2 Säuglingen und einem eineinhalbjährigen befasst bist, ist das sicher auch sehr stressig und belastend. Und ich denke, dass er damals schon beiseite geschoben wurde, denn die Zwillinge forderten ja viel Zeit. Also hatte er in zweierlei Hinsicht einfach Pech gehabt.

Es gab nie gemeinsame Unternehmungen der Famile oder Urlaubsreisen. Der Vater hattte dafür nichts übrig und verbrachte seine freie Zeit lieber auf der Baustelle. Die Baustelle als Fluchtpunkt. Das praktizierrte der Sohn dann später auch erfolgreich. Er war damals sogar 11 Jahre mit einer Kollegin zusammen und wie das so lange hielt, war eher ungewöhnlich. Aber er hatte wie sein Vater seine Fluchtpunkte.

Erst die Arbeit, er stieg in die Systemverwaltung ein, war EDV--mäßig ein Autodidakt, denn die EDV steckte damals noch eher in den Kinderschuhen. Und er übernahm und programmierte das EDV-System einer Hochschule, entwickelte zusätzliche Features. Er war sehr begabt und in dieser Hinsicht ungewöhnlich intelligent. Also saß er vor dem PC, auch während der Beziehung und auch im Urlaub. Also kein gemeinsamer Urlaub mit der Partnerin, denn da musste er ja furchtbar dringend dies und jenes erledigen. Genauso wie sein Vater!
Und später baute er mit ihr ein Haus und der neue Fluchtpunkt waren die Baustelle und Baumärkte. Er war bzw. ist sehr geschickt mit den Händen und sagte mal, was ich mit den Händen gemacht habe, vergesse ich nie, das kann ich mir gut merken. Er hatte übrigens sehr schöne Hände, auch etwas, was mich magisch anzog.

Als das Haus fertig war, trennte er sich von seiner Partnerin und zog 30 km weit weg. Denn eine Beziehung im neuen Haus, das war zu viel für ihn. Danach hatte er nur kurze Beziehungen, außer der zu seiner Chefin. Ich kam damals selbst drauf, denn ich kannte sie und mir fiel auf, dass sie gerne und oft über ihn sprach. Ja, wenn wir Herrn G. nicht hätten, da hat Herr G. gemacht - es war auffällig.
Und als ich mit ihm zusammen kam, fragte ich ihn. Du sag mal, war da mal was mit der Frau M. die redet so oft von dir. Er druckste erst rum und dann gab er zu, dass er eineinhalb Jahre mit ihr zusammen war. Die Beziehung durfte nicht aufkommen, sie war geheim, sie trafen sich dann nur bei ihm. Und warum wurde die Beziehung beendet? Die Gefühle hätte sich geändert, mehr ins Freundschaftliche, aber nur bei ihm, nicht bei ihr. Dann rief er weniger an, zog sich merklich zurück und am Telefon machte er dann Schluss mit mir. Ich schätze, sie hat lange Zeit darunter gelitten.

Und ich wurde per Mail verabschidet, auch eine seltsame Parallele und auch bei mir flauten die Verliebtheitsgefühle ab und die Distanzmanöver begannen.

Jeder hier hat es schwer gehabt und viel mitgemacht. Vergessen werden wir das Gewesene nie, denn es hat sich eingebrannt. Aber es muss einen auch nicht für den Rest des Lebens verfolgen.

#258


Liv225
@Margerite
„Nicht bösartig“ sagst Du.
Hmm, diese ganzen Verdrehungen und alles , was wir hier aufgezählt haben… das war schon böse und zerstörend - mein Empfinden.

Und bei allem Mitgefühl für schlimme Erlebnisse… so viel Menschlichkeit sollte der freie Wille hergeben, dass man nicht so mit Mitmenschen umgeht.

Aber es stimmt: verfolgen muss es einen nicht. Ich habe den Menschen ziehen lassen, hänge nicht mehr drin.

Da ich noch nie einen Austausch hatte, mit Leuten, die es auch erlebt haben, hat das dennoch gut getan.
(Danke auch an @PapaEmeritus )

x 3 #259


PapaEmeritus
@Liv225

ich hätte anfangs auch nicht gedacht, dass Menschen immer wieder Ähnliches erleben, ich dachte auch, das wäre was total außergewöhnliches. Bis mir aufgefallen ist, dass das einem einfachen, fast schon banalen Muster folgt.

x 1 #260


Arev87
Zitat von PapaEmeritus:
@Arev87 Ich weiß nicht, wie sich Bindungsängstler in Freundschaften verhalten, aber Menschen wie in meinem Fall, sind überall so, wie sie sind. ...

Da kannst du Recht haben.
Wir waren mal über Silvester in einem Kurzurlaub mit seinen Ex Mitbewohnern aus der Unizeit und deren Freundeskreis.
Danach war er ziemlich angepisst auf seine beste Freundin weil die seine Witze nicht lustig genug fand ( weil nicht politisch korrekt) aber bei anderen Freunden über solche Witze zu viel gelacht hätte 🙈. Das fand er heuchlerisch und hat ihr das auch nachträglich so gesagt dass er sie nicht mag, wenn sie unter anderen Leuten sind 🫪. Ich hab übrigens nichts dergleichen bemerkt, war ja schließlich auch dabei. Er ist echt ne Dramaqueen. Glaube ich hätte auf sowas keinen Bock in ner Freundschaft.
Ehrlich gesagt passt das Beispiel tatsächlich ganz gut zu der These des vulnerablen Narzissmus 🤔.
Zu meinem Beuteschema würde das passen 🤪.
Ein Ex von mir hat sogar nach unserer Beziehung die Diagnose erhalten.
Und bei einem anderen bin ich mir 100% sicher dass er narzisst ist aber der würde sich niemals diagnostizieren lassen.
Da sind wir wieder beim eigenen Anteil 🙈

x 3 #261


hotte
@Arev87

Das ist eine sehr interessante aussage. Vor allem die Selbstreflexion das du immer wieder auf solche typen "abfährst". Mich würde interessieren ob du daraus irgendwelche Massnahmen für dich abgeleitet hast die du beim Dating bzw. Kennenlernen von Menschen anwendest.

Beispiel: Ich weiß das ich eine Neigung zu toxischen Beziehungen habe und "normale" Beziehungen bzw. Menschen schnell langweilig finde. Ich habe mich entschieden nach genau dieser "Langeweile" zu suchen. Wenn ich zu schnell Feuer und Flamme bin, ist das für mich eher Warnsignal.

#262


Arev87
@hotte
Die Frage für die Zukunft ist für mich nicht vordergründig:
"Hat er Bindungsangst?"
Sondern:
"Wie geht dieser Mensch mit Nähe, Konflikten und Verantwortung um?

Frühwarnzeichen, auf die ich achten will:
1. Passe ich mich auffällig oft an?
Wenn ich nach einigen Monaten merke:
"Das spreche ich lieber nicht an."
"Heute lieber nicht, er ist empfindlich."
"Ich will keinen Streit auslösen."
Dann werde ich hellhörig werden.
Denn gesunde Beziehungen brauchen nicht perfekte Harmonie, sondern Belastbarkeit.
2. Seine Gefühle dominieren den Raum.
Wenn seine Gefühle sehr viel Raum einnehmen dann werde ich mich fragen ob da auch noch genug Raum für mich ist.
3. Ich werde zur zur emotionalen Regulatorin. Das passiert schleichend aber wenn ich irgendwann bemerke; ich beruhige, erkläre, entschäre, trage die emotionale Verantwortung
mehr als er.
4. Ich fühle mich zwar geliebt aber nicht wirklich gesehen. Das ist subtil.
Viele Menschen verwechseln:
"Er liebt mich"
mit
"Er versteht meine Bedürfnisse"
Das ist nicht dasselbe.

Und was ich konkret anders machen könnte:
Früher Bedürfnisse äußern
Nicht testen was noch okay ist.
Nicht hoffen.
Sondern sagen:
"Mir ist emotionale Stabilität wichtig."
"Ich möchte Konflikte offen ansprechen können."
"Ich möchte nicht das Gefühl haben, auf Eierschalen zu laufen."
Und dann beobachten.
Nicht die Worte.
Die Reaktion.
Auf mein Nervensystem hören
Das ist für mich besonders wichtig.
Ich habe ein ziemlich gutes Gespür.
Ich habe schon lange vor der Trennung gemerkt dass etwas nicht stimmt aber die Signale teilweise relativiert.
In Zukunft würde ich ihnen früher vertrauen.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis
Ich glaube nicht, dass mein größtes Risiko ist, wieder einen "bindungsängstlichen Mann" zu wählen.
Ich glaube eher:
Zu lange zu bleiben, weil die Nähe, die Geborgenheit und die schönen Momente so gut sind.
Ich bin niemand der sich von kälte angezogen fühlt, sondern jemand, der sehr loyal ist und lange versucht, das Gute zu sehen.Das ist im Grunde genommen eine Stärke.
Aber manchmal führt genau das dazu, dass man die eigenen Bedürfnisse etwas zu lange hinten anstellt.
Wenn ich irgendwann in einer neuen Beziehung wieder merke:
"Eigentlich werde ich nicht so richtig gesehen."
dann ist das ein Signal, das ich in Zukunft sehr ernst nehmen möchte

x 6 #263


PapaEmeritus
Zitat von Arev87:
Wie geht dieser Mensch mit Nähe, Konflikten und Verantwortung um?


Genau. Das sollte Frage Nummer 1 sein. Da ist auch jede Diagnose irrelevant.
Sobald du merkst, dass du dich selbst zensierst, ist ein Punkt erreicht, von dem es kein zurück mehr gibt.

x 2 #264


Arev87
Zitat von hotte:
Ich weiß das ich eine Neigung zu toxischen Beziehungen habe und "normale" Beziehungen bzw. Menschen schnell langweilig finde. Ich habe mich entschieden nach genau dieser "Langeweile" zu suchen. Wenn ich zu schnell Feuer und Flamme bin, ist das für mich eher Warnsignal.

Und das mit diesem Feuer und Flamme sein ist auch ein wichtiger Punkt. Ich hatte mal eine Therapie die mir durch die Trennung mit einem Narzissten geholfen hat und mein damaliger Therapeut hat mir geraten mich einfach nicht mehr auf Männer einzulassen die mich auf den ersten Blick zu sehr flashen. Das war sicherlich nicht komplett falsch aber auch ne etwas oberflächliche Herangehensweise.

Ich stehe nicht auf Bad Boys oder auf emotional unerreichbare Männer. Sondern:
👉 Intensität
👉 emotionale Offenheit
👉 Verletzlichkeit
👉 das Gefühl, schnell eine tiefe Verbindung zu haben

Und das ist erstmal nichts Schlechtes.
Aber hier steckt eine kleine Falle:
Manchmal verwechseln Menschen
emotionale Intensität mit emotionaler Tiefe und emotionale Offenheit mit emotionaler Stabilität
Wenn wir jetzt Mann A beim Dating nen komplett einen Seelenstriptease hinlegt und Mann B aufmerksam und nett ist und mir dosiert von seinem Leben erzählt, würde ich wahrscheinlich Mann A interessanter finden (mehr Gefühl von emotionaler Tiefe)und man B nett aber langweilig.

Das kann aber dazu führen dass ich Menschen unterschätze die sich einfach langsamer emotional öffnen.
Ich sollte mich also weniger fragen ob mich eine Person flasht, sondern eher ob ich mich in der Gegenwart dieser Person sicher entspannt und gesehen fühlen kann.
Und vor allem möchte ich auch beobachten wie ich mich nach dem Treffen fühle.
Wie fühle ich mich NACH dem Treffen?
Nicht währenddessen.

Ruhig?
Sicher?
Wertgeschätzt?
Gesehen?

Oder:
Grübelnd?
Unsicher?
Sehnsüchtig?
Aufgewühlt?

Ich muss lernen zu unterscheiden zwischen
"Das fühlt sich tief an"
und
"Das ist tragfähig"

Nachtrag: Bisher habe ich Männerm bei denen ich beim ersten Date nicht das Gefühl hatte dass ich mich potenziell verlieben könnte, das auch direkt so geäußert. Vielleicht war das ein bisschen zu vorschnell. Aber ich dachte eigentlich das wäre fair.
Man will ja auch niemandem falsche Hoffnungen machen.
Zumindest in meinen bisherigen Beziehungen (die nicht gerade die gesündesten waren) war es bei mir zumindest so dass ich sofort oder zumindest nach dem ersten Date dieses Gefühl von geflasht sein hatte.
Aber ich bin natürlich auch kein Indikator für gesunde Beziehungen 🤪

x 2 #265


hotte
Zitat von Arev87:
@hotte Die Frage für die Zukunft ist für mich nicht vordergründig: "Hat er Bindungsangst?" Sondern: "Wie geht dieser Mensch mit Nähe, Konflikten und Verantwortung um? Frühwarnzeichen, auf die ich achten will: 1. Passe ich mich auffällig oft an? Wenn ich nach einigen Monaten merke: "Das ...

Wow.... vielen Dank... da ist ne Menge Stoff für mich drin den ich mal mitnehmen und für mich verinnerlichen kann. Danke!

x 1 #266


Arev87
Zitat von hotte:
Wow.... vielen Dank... da ist ne Menge Stoff für mich drin den ich mal mitnehmen und für mich verinnerlichen kann. Danke!

Danke DIR auch für deine klugen Fragen und Ansätze zur Selbstreflexion.
Freut mich dass du von meinen guten Vorsätzen auch was für dich mitnehmen kannst 😁. Ich hoffe dass ich das was ich rational verstanden habe, auch in Zukunft emotional auf die Kette kriege

#267


M
Zitat von Liv225:
diese ganzen Verdrehungen und alles , was wir hier aufgezählt haben… das war schon böse und zerstörend - mein Empfinden.

Und bei allem Mitgefühl für schlimme Erlebnisse… so viel Menschlichkeit sollte der freie Wille hergeben, dass man nicht so mit Mitmenschen umgeht.

Es sind für aktive Bindungsvermeider völlig "normale" Verhaltensweisen, also sehr typische. Und Mitgefühl war bei ihm schon erziehungsbedingt eher schlecht ausgeprägt. Er muss so handeln, um wieder eine Distanz herzustellen weil ihn gefühlte Enge überfordert.
Er war innerlich eher kühl. Ich fragte ihn mal, ob er schon mal geweint habe. Er sagte, er könne sich nicht daran erinnern. Ich bohrte nach. Aber als dein Vater vor einigen Jahren starb, da wirst du doch geweint haben. Er sagte zwar ja, aber ich glaubte es ihm nicht. Sicher wird er traurig gewesen sein über den recht frühen Tod des Vaters, der an einem Hirntumor starb, aber im Endeffekt wird es ihm vermutlich nicht sehr viel zu schaffen gemacht haben. Das Vater-Sohn-verhältnis war stark unterkühlt, vielleicht gar nicht vorhanden. Söhne ohne väterliche Liebe und Zuwendung leiden meist ohne es zu wissen darunter.

Du hast schon Recht, es wirkt durchaus boshaft. Aber ehrlich gesagt hat es mir auch keiner geschafft, dass ich dieses Theater bis zum Ende mitgemacht habe. Wir hatten beide gravierende Defizite die wir aneinander auslebten Er mit der Verteidigung seiner "Freiheit" und Eigenständigkeit und ich mit meiner suchtartigen "Affenliebe" die ihn festhalten wollte.

Auch ich war in der Beziehung kein reiner Engel, ich konnte auch mal boshaft sein.Im Endeffekt sehe ich das gegenseitige "Schuldenkonto" eher ausgeglichen weil ich ihn von vornherein als Kompensator benutzt habe, was mir aber nie bewusst war. Diese Erkenntis kam erst lange Zeit nach der Ablösephase,

#268


M
Zitat von Arev87:
Manchmal verwechseln Menschen
emotionale Intensität mit emotionaler Tiefe und emotionale Offenheit mit emotionaler Stabilität

Ging mir genauso. Ich war ja auch gefläsht von ihm und seinem angeblichen Tiefgang und dachte, ich hätte meinen lang gesuchten "Seelenverwandten" gefunden. Was gar nicht so abwegig war, denn er hat mir ja gezeigt, wo meine gravierenden Schwachpunkte sind. Aber das erkennt man am Anfang nicht. Der Dopaminschub verhindert einen nüchternen Blick auf den Kandidaten.


Zitat von Arev87:
Ich sollte mich also weniger fragen ob mich eine Person flasht, sondern eher ob ich mich in der Gegenwart dieser Person sicher entspannt und gesehen fühlen kann.

Mittlerweile sehe ich dieen überwältigenden Flash sogar eher als schlechtes Zeichen an. Denn dieser Mann spricht bei Dir die Gefühlsebene eigentlich zu stark an und damit siehst du ihn überhaupt nicht mehr objektiv da dich die Gefühle für ihn förmlich überwältigen. Er spricht deine Trigger, deine wunden Punkle an, was aber keine Basis für eine gute Beziehung sein muss.

Und Kandidat B fällt dann durchs Raster, weil du bei ihm diesen Gefühlsüberschwang nicht fühlst, obwohl er möglicherweise die bessere Wahl wäre.

Die Gefühlsebene sollte bei der Partnerwahl nicht die alleinige Rolle spielen, weil man dann auch keinen Blick mehr für evt. red flagst mehr hat.

Der Wohlfühlfaktor, das Entspanntsein ohne Schauspielerei ist entschieden ein besserer Indikator.

x 1 #269


Arev87
Hey Leute, ich wollte euch mal ein Update da lassen.
Letzten Samstag stand das erste Treffen mit meinem Ex auf neutralem Boden an.
Er hatte mich ja schon mehrfach gefragt wann wir uns mal wieder sehen und diesmal dachte ich ich riskiere es mal und schau mal ob freundschaftlicher Kontakt wieder möglich ist.
Ich bin vorher erstaunlich ruhig geblieben – keine Panik, eher so ein neutrales Gefühl. Wir haben uns am Bahnhof getroffen, sind zum Rhein spaziert, haben auf dem Weg ein B. getrunken und uns unterhalten.
Die ersten zwei Stunden waren eigentlich total unverfänglich. Halt so normale Alltagsthemen: Hobbys, Urlaub, Familie, wie man so mit der Hitze klarkam, bla bla. Die Stimmung war echt locker, wir haben gelacht und es war überhaupt nicht krampfhaft. Ich hatte allerdings einen festen Hard Cut, weil ich um 20 Uhr mit einer Freundin im Kino verabredet war.
Gegen 19 Uhr fing er dann mit dem Thema Trennung an und fragte, wie es mir damit geht.
Ich war ehrlich: Am Anfang war es schon schwer, besonders nach dem gemeinsamen Urlaub hat es mich noch mal ziemlich in die Bindung reingerissen, aber mittlerweile wird es immer besser und mir geht’s eigentlich wieder ganz gut. Als ich ihn zurückgefragt habe, wurde er sehr traurig und weinerlich. Er meinte, dass es für ihn sehr schwer ist, seine Depressionen schlimmer geworden sind und er mich extrem vermisst. Außerdem verspüre er seit zwei Wochen so eine komische Eifersucht, dass ich was mit einem anderen haben könnte. Er meinte selbst, er war wohl naiv und dachte, wir könnten uns trotz Trennung weiter jedes Wochenende sehen.
Ich bin aber ganz gut bei mir geblieben. Ich habe ihm gesagt, dass ich manchmal auch noch traurig bin, aber dass dieser Abstand für mich (und auch für ihn) einfach wichtig war, um sich erst mal zu entlieben. Wir müssen beide erst durch diesen Bindungsentzug durch, bevor man wirklich eine Freundschaft aufbauen kann.
Ich habe dann auch noch ein paar Punkte aus unserer Beziehung angesprochen, die für mich einfach nicht gepasst haben:
Dass der gravierendste Punkt für mich war, dass er sich nie zu 100 % mit der Beziehung sicher war, nicht mal für den Moment. (Seine Erklärung: Da geht bei ihm sofort das Karussell im Kopf an).
Sein komisches Konzept von Beziehung und Liebe (Disney Style und komplett realitätsfern).
Dass wir oft Konflikte über totalen Pipikram hatten (wie der Streit über Frühstück, Brötchen und Zucker) und er danach eine Woche gebraucht hat, um das zu klären – während ich eine Woche lang komplett in der Luft hing und nicht mal wusste, ob wir überhaupt noch zusammen sind. (Dazu meinte er, es tut ihm leid, er hätte das gar nicht so schlimm wahrgenommen).
Der Konflikt wegen seiner Stiefmutter: Ich fand ihren Charakterzug missgünstig, er fühlte sich persönlich angegriffen, weil er das von sich selbst kennt, und konnte den Streit einfach nicht gut sein lassen, als ich das Thema wechseln wollte. Er warf mir gestern vor, ich wäre in meiner Meinung immer sehr absolut und wollte den Konflikt nur „gewinnen“.
Seine Begründungen, was er an mir vermisst, fand ich ehrlich gesagt auch ein bisschen läppisch. Er denkt oft daran, wie ich mit hochgesteckten Haaren süß bei ihm auf der Couch gesessen habe. Und nach einigem Rumdrucksen meinte er, er hätte es geschätzt, dass ich „keine schwierige Person“ bin und „nicht so hohe Erwartungen“ habe. Ich habe ihm direkt einen kleinen Knuff gegeben und gesagt: „Hallo? Willst du etwa sagen, meine beste Eigenschaft ist, dass ich keine Ansprüche an einen Partner habe? Ich habe durchaus gewisse Ansprüche!“ Er meinte dann, so hätte er das nicht gemeint, sondern einfach, dass ich unkompliziert bin. Aber für mich zeigt es eher, dass er es genossen hat, dass er sich nicht groß anstrengen musste.
Ich habe ihm dann noch ganz ehrlich gesagt, dass ich wegen dieser schnellen Konflikte am Ende das Gefühl hatte, nur noch auf Eierschalen zu laufen und mir dreimal überlegen musste, wie ich was formuliere. Da hatte ich den Eindruck, dass ihn das schon getroffen hat und es ihm wirklich leidtut. Meine Ansage für die Zukunft war: Wenn wir irgendwann mal eine normale Freundschaft schaffen, bin ich ein sehr direkter Mensch. Ich sage sofort, was mir nicht passt, und mache keinen Eiertanz drum – darauf kann er sich schon mal einstellen.
Er hat mich dann noch zum Kino begleitet und war bis zum Schluss sehr emotional. Ich musste ihn am Ende echt ein bisschen abwimmeln, weil ich schon zu spät war und er irgendwie gar keine Anstalten gemacht hat, sich zu verabschieden. Mein Abschlusswort war: Wir gucken jetzt erst mal, wie es uns heute und morgen nach dem Treffen geht. Wenn es uns beiden gut geht, können wir das öfters machen – wenn wieder starkes Vermissen hochkommt, warten wir einfach noch ein bisschen.
Am nächsten Morgen kam dann direkt eine riesige Textwand von ihm, weil es ihn wohl „gefuchst“ hat, dass ich das mit der „einfachen Person“ falsch verstanden habe. Er hat dann versucht, das zu erklären (dass ich aufopferungsvoll sei, keinen Druck erzeuge etc.) und meinte, ich würde meine Stärke nach außen hin nur so betonen, weil ich Angst habe, unterschätzt zu werden.
Es lässt mich ehrlich gesagt ziemlich kalt. Habe ihm einfach eine kurze, nette Antwort geschrieben, ihm eine gute Woche gewünscht und gar nicht groß auf dieses Drama eingegangen. Ich war gerade auch am Flughafen und auf dem Weg nach Porto mit einer Freundin.
Für mich war das Treffen ein echt guter Testlauf. Ich fühle mich super stabil, da ist kein Vermissen und ich weiß jetzt einfach ganz sicher, wo ich stehe.

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