Zitat von Liv225: Danach hab ich mich oft gefragt: wie konntest Du das so lang und immer wieder über Dich ergehen lassen.
Und es wurde ja immer schlimmer…
Immer schlimmer wurde es nicht, das kann ich nicht sagen. Auch war dieser Mann nicht gezielt unpartnerschaftlich, er war nicht böswillig. Aber geprägt von der Kindheit. Sein Vater förderte und bestätigte seinen Sohn nicht etwa, sondern schob ihn beiseite. Er wollte ihm immer helfen, zur Hand gehen, denn der Vater baute zwei Häuser. Aber er wurde dann weggeschickt, geh weg, du kannst das nicht, du bist mir eh keine Hilfe. Irgendwann schmiss er ein paar Heizkörper, die für den Einbau bereit stand, versehentlich um und da schimpfte und tobte der Vater und wertete ihn ab. Du bist zu nichts zu gebrauchen. Das hat er mir mal erzählt, also hatte sich die Begebenheit ins Gedächtnis eingegraben.
Dass das seine Spuren hinterlässt und das Kind sich immer in Frage stellt, ist eigentlich klar.
Und die Mutter heiratete recht spät den Vater, sie war für damalige Zeiten schon fast über dem "Verfallsdatum". Sie bekam sehr schnell 3 Kinder, ihn und 1,5 Jahre später ein Zwillingspärchen.
Der Vater kümmerte sich nur um Dinge, den Hausbau, Kinder und deren Erziehung, Hausarbeit etc. waren Frauensache. Wenn du dann mit 2 Säuglingen und einem eineinhalbjährigen befasst bist, ist das sicher auch sehr stressig und belastend. Und ich denke, dass er damals schon beiseite geschoben wurde, denn die Zwillinge forderten ja viel Zeit. Also hatte er in zweierlei Hinsicht einfach Pech gehabt.
Es gab nie gemeinsame Unternehmungen der Famile oder Urlaubsreisen. Der Vater hattte dafür nichts übrig und verbrachte seine freie Zeit lieber auf der Baustelle. Die Baustelle als Fluchtpunkt. Das praktizierrte der Sohn dann später auch erfolgreich. Er war damals sogar 11 Jahre mit einer Kollegin zusammen und wie das so lange hielt, war eher ungewöhnlich. Aber er hatte wie sein Vater seine Fluchtpunkte.
Erst die Arbeit, er stieg in die Systemverwaltung ein, war EDV--mäßig ein Autodidakt, denn die EDV steckte damals noch eher in den Kinderschuhen. Und er übernahm und programmierte das EDV-System einer Hochschule, entwickelte zusätzliche Features. Er war sehr begabt und in dieser Hinsicht ungewöhnlich intelligent. Also saß er vor dem PC, auch während der Beziehung und auch im Urlaub. Also kein gemeinsamer Urlaub mit der Partnerin, denn da musste er ja furchtbar dringend dies und jenes erledigen. Genauso wie sein Vater!
Und später baute er mit ihr ein Haus und der neue Fluchtpunkt waren die Baustelle und Baumärkte. Er war bzw. ist sehr geschickt mit den Händen und sagte mal, was ich mit den Händen gemacht habe, vergesse ich nie, das kann ich mir gut merken. Er hatte übrigens sehr schöne Hände, auch etwas, was mich magisch anzog.
Als das Haus fertig war, trennte er sich von seiner Partnerin und zog 30 km weit weg. Denn eine Beziehung im neuen Haus, das war zu viel für ihn. Danach hatte er nur kurze Beziehungen, außer der zu seiner Chefin. Ich kam damals selbst drauf, denn ich kannte sie und mir fiel auf, dass sie gerne und oft über ihn sprach. Ja, wenn wir Herrn G. nicht hätten, da hat Herr G. gemacht - es war auffällig.
Und als ich mit ihm zusammen kam, fragte ich ihn. Du sag mal, war da mal was mit der Frau M. die redet so oft von dir. Er druckste erst rum und dann gab er zu, dass er eineinhalb Jahre mit ihr zusammen war. Die Beziehung durfte nicht aufkommen, sie war geheim, sie trafen sich dann nur bei ihm. Und warum wurde die Beziehung beendet? Die Gefühle hätte sich geändert, mehr ins Freundschaftliche, aber nur bei ihm, nicht bei ihr. Dann rief er weniger an, zog sich merklich zurück und am Telefon machte er dann Schluss mit mir. Ich schätze, sie hat lange Zeit darunter gelitten.
Und ich wurde per Mail verabschidet, auch eine seltsame Parallele und auch bei mir flauten die Verliebtheitsgefühle ab und die Distanzmanöver begannen.
Jeder hier hat es schwer gehabt und viel mitgemacht. Vergessen werden wir das Gewesene nie, denn es hat sich eingebrannt. Aber es muss einen auch nicht für den Rest des Lebens verfolgen.