Hallo susannah,
du hast schon viele teils sehr differenzierte Rückmeldungen bekommen und wirkst auch selbstreflektiert. Ich nehme mir daher die Freiheit, mich deutlich auszudrücken und dabei wenig behutsam mit den Befindlichkeiten deines Partners umzugehen (der sicher auf seine Weise auch Opfer seiner Geschichte ist, was aber nichts daran ändert, dass er sich selbst mittlerweile anderen gegenüber zum Täter macht).
Zitat von susannah:aber oft, und ich bin auch nur ein Mensch, überschreitet er dabei völlig meine eigenen Grenzen, und ich habe keine Argumentation, ihm begreiflich zu machen, dass ich das nicht will
Sei dir selbst dankbar dafür, dass du in der Lage bist, deine Grenzen zu erkennen und auch wahrzunehmen, wenn sie überschritten werden. Das ist vor allem dann nicht selbstverständlich wenn man eine Kindheit hinter sich hat, in der eigene Grenzen nicht respektiert wurden.
Du brauchst keine Argumente, um ihm begreiflich zu machen, dass du keine Grenzüberschreitung wünschst. Es sollte für jeden Mitmenschen, ganz besonders aber für jemanden, der dich zu lieben behauptet,
selbstverständlich sein, deine Grenzen nicht zu überschreiten, dir nicht weh zu tun.
Die Mühe macht er sich offensichtlich nicht, stattdessen gibt er dir noch die Schuld/Verantwortung für seine Aussetzer.
Du kannst jetzt Jahre damit verbringen, seine Kindheitsschäden zu analysieren, Verständnis aufzubringen und Geduld, was alles nichts daran ändern wird, dass die Realität bedeutet, dass in belastender Frequenz deine Grenzen übertreten und dein seelisches Wohlbefinden beeinträchtigt wird und dass auf diese Weise keine liebevolle, vertrauensvolle Partnerschaft möglich ist.
Egal woran es liegt, wichtig ist was am Ende dabei raus kommt. Verlier das nicht aus dem Blick! Gerade in toxischen Beziehungen liegt eine große Gefahr darin dass die Betroffenen ständig um den anderen kreisen und nicht bei sich selbst sind, und das hebelt den Selbstschutz aus. Noch funktioniert der ja bei dir, sonst wärst du nicht schon nach so kurzer Zeit hier gelandet mit deiner Fragestellung.
Zitat von susannah:Seine Therapeutin habe ihm gesagt, dass ich ihn bitte darauf hinweisen soll, wenn sich irgendwas an seiner Mimik, Körperhaltung oder seinem Gesichtsausdruck ändert, weil er selbst diese Trigger nicht ahnen kann.
Entweder hat er dich hier belogen, oder seine Therapeutin hat einen Knall und will dich tiefer in eine destruktive Bindung verstricken. Es ist nicht dein Job, an seinen Problemen zu arbeiten. Er selbst muss lernen, seine Trigger zu erkennen und Methoden erlernen, anders damit umzugehen.
Ich bekomme richtig Wut wenn ich lese wie sehr er sich da auf dir auszuruhen gedenkt.
Vielleicht musst du dir mal die Möglichkeit vor Augen führen, dass dein Partner dich nicht aus Not, sondern aus Bequemlichkeit und Machtbedürfnis heraus ganz gezielt und böswillig verletzt. Es wären die gleichen Handlungen dir gegenüber, nur aus einer kalkulierten Motivation der Manipulation heraus. Wie fühlt sich dieser Gedanke an? Würdest du dir so etwas gefallen lassen? Wenn nicht, wieso dann die gleichen Handlungen mit anderer Begründung?
Du kannst es drehen und wenden wie du willst, am Ende bist du dir selbst gegenüber verantwortlich. Möchtest du langfristig eine Beziehung führen, womöglich eine Familie gründen mit jemandem, der seine Laune an dir abreagiert (und ggf. auch an seinen Kindern)?