@whynot
Zitat:"Wäre ich die Liebe - würde ich unter Menschen gehen? Würde ich mich umtun unter den Menschen, mich unter ihnen herumtreiben? Nein! Und dreimal nein!
Und dennoch! Was bliebe, wenn nichts sonst da ist?
Und so ist mein Dasein ein einziges obdachloses Elend. Man treibt mich durch den Zirkus, man führt mich auf auf allen Bühnen, man fi.ckt sich mich ein, man fi. sich mich aus, man singt mich in den heiligsten, noch den schwermütigsten Liedern, man schreibt mich in Gedichten, man schreibt mich in Inseraten, man herzt und tränt mich ins Holz der Wanderbänke, als fände ich dort meine Ewigkeit, man erdolcht mich in den Hauseingängen, man verwechselt mich mit den unseligsten Kleinigkeiten, Lächerlichkeiten, flüchtigsten Gestimmtheiten, ja, man stellt sich mich als Himmel vor in den seligen Träumen der Wohltulpigkeit, als wäre ich nichts anderes als das allesversprechende Säuseln des Morgenrots.
Aber nie in Wahrheit kommt der Mensch mir nahe, nie läßt er mich an sich heran. Ich bin die Geliebte, die ewig unerkannt in seinem aschigen Schatten steht. Höchstens, daß er mich dann und wann, wenn ein Abglanz meiner sich in Augenwasser spiegelt, als ferne, fernste Versuchung spürt, von der er sich nie erfassen läßt, erfassen lassen kann. Ich kostete ihn das Leben, das weiß, das spürt er - es ist das Einzige, was er von mir weiß, von mir spürt. Ich kostete ihn sein Leben, sein kleines, mickriges, flüchtiges Leben, das er hütet wie den reichsten Schatz, das ihm wertvoller, bedeutsamer, erhaltenswerter scheint als selbst noch ich. Ich bin nicht das, was behütet, ich bin das, was enthäutet. Ich bin nicht das, was fängt und einfängt, ich bin das, was befreit. Ich bin nicht das, was daunigwarm bedeckt, ich bin das, was schamlos entblößt. Ich bin die Vernichterin, die aus Asche Sonne macht.
Für Großes ist der Mensch zu klein, für Kleines zu unbescheiden. So hängt er fest im Wollen, hoffnungserfüllt und mutlos, ein zartes, kümmerliches Vielleicht, harmlos mittig zwischen Ja und Nein, und hält mich allein für ein flatteriges Gefühlchen, das ihm das Herzchen wärmt, nicht für eine Entscheidung.
Du bist mein Leben! spricht der Mund. Ich will dein Leben! knurrt der Magen. Spinnenliebe. Nicht allein Spinnenliebe.
Beklage ich mein Schicksal? Nein! Ich belächle jenes des Menschen. Wohlwollend - ich kann nicht anders."
Ein wundervoller Text! Vielen Dank dafür.
Auf folgenden Beitrag könnte ich Dir jetzt wieder nur das antworten, was ich schon gestern schrieb
Zitat:Das Nächste ist: Ich glaube (bzw. es ist meine Beobachtung), daß jeder Mensch zumindest hintergründig nach dem Maximum des Erlebens und Erfahrens strebt, wobei die Erwartungen, das Verlangen, die Bedürftigkeiten natürlich ebenso unterschiedlich ausgeprägt sind wie die eigenen Anlagen.
naja, fragt sich aber doch, worauf sich dieses angenommene Maximum bezieht.
Es gibt doch auch noch ganz andere Extreme des Erlebens. , ist doch nicht alles auf einen anderen Menschen bezogen (z.B. das andere Geschlecht) und ein einziges Nehmen.
Meine persönliche Erfahrung ist aber eben nicht, dass ich - um beim Thema zu bleiben- in einer Beziehung dachte: mehr mehr! Besser! Noch gei.ler bitte! Ich habe einen riesen großen Hunger!
Mir ist das, sofern ich Dich richtg verstehe, viel zu theoretisch.
Im realem Beziehungserleben erfüllt es doch z.B. manchmal einfach, gemeinsam weiter zu kommen, ganz gleich, was das sein mag. Habe ich mit meinem Süßen ein gemeinsames Ziel, Projekt. , dann geht da so viel Energie hinein und ich erfreue mich an den Ergebnissen. Ich bezweifle, ob man da wirklich immer so heiß drauf ist, bei einem anderen Menschen ein Maximum an Gefühlen zu suchen.
Zitat:Folglich: Es wird immer jemanden geben (und nicht nur einen oder eine!), der/die in allen Bereichen "besser", ja bei weitem "besser" (Du magst bitte den etwas unglücklichen Ausdruck verzeihen) ist als man selber. Also: verlockender, tatsächlich auch erfüllender. Darüber braucht man, glaube ich, nicht zu reden.
ja, stimmt.
Zitat:Nun kann man natürlich sagen: die Liebe überbrückt das alles, hält alles im Zaum, faßt alles in eins. Aber kann es nicht dennoch sein, daß ein Verlangen übermächtig wird und entschlüpft? Überhaupt, wenn die Gewohnheit einen ursprünglichen Reiz mehr oder weniger ganz abgestumpft hat? Und sollte man es überhaupt zügeln? Kann, soll man einen anderen an seinem Höchsten behindern im Namen der Liebe? Soll er das selber tun, im selben Namen?
Ja klar Whynot! Gar keine Frage. Irgendwann wird irgend ein Mensch auftauchen, der einen entfacht, ob nun geistig, se,xuell. Und das womöglich intensiver als der eigene Partner. Das streite ich ja gar nicht ab. Aber so, wie Du es in Deinem vorigem Beitrag beschrieben hast, klang es schon sehr danach, als würden wir alle zu jeder Zeit ein Bedürfnisbefriedigungsteam brauchen weil wir den Rachen einfach nicht vollbekommen. Wie Du schriebst: ein Mensch reicht nicht; es müssen mindestens 5 sein. Schon rein zeitlich würde es bei mir mit schon 2 Männern nicht hinhauen. Wenn man gemeinsam in einer Aufgabe. aufgeht, für etwas kämpfen muss und will. , Dinge tut, die in der Tiefe erfüllen, dann braucht man doch nicht dauernd einen neuen Menschen um einen, der einem irgend ein Maximum liefert. Das ist doch total die Konsumhaltung. Konsumieren macht aber absolut nicht glücklich.
Ach, ich glaube, wir reden aneinander vorbei?
Jedenfalls gebe ich Dir insofern recht, als dass natürlich mal ein anderer Mensch wichtig für einen werden kann, einen großen Reiz ausüben kann, die Möglichkeit einer wichtgen Erfahrung bietet. Ja, aber doch nicht als Dauerprogramm. Hab ich nie erlebt, auch nicht als Single.
Zitat:Was, z. B., wenn ich verheiratet wäre, Dir begegnen würde und von Deinem Geist ganz angetan wäre, dem ich es sogar zutraute, mich meinetwegen zum Dichter (oder Maler oder Musiker) zu machen?
Oder Ned eine Freundin hätte und Du ihn zum ausgereiften Liebhaber machen könntest?
Oder Du irgendeinen - gebundenen - Berserker zu einem sanftmütigen Wesen verhelfen könntest?
Oder Du selber "gebunden" bist?
Alles das dürfte dann unter diesem Aspekt der Gebundenheit ja nicht geschehen.
Ja nicht einmal ein kleiner kurzer Lustausbruch darf geschehen, sonst dreht es im Normalfall der Liebe gleich das Genick um.
ja, da gebe ich Dir recht: viele Menschen gestehen vieles davon dem Partner nicht ein. Und folglich kann er sich nicht entfalten, wachsen usw.
Die Frage ist aber doch, was von derartigen Verführungen wirklich Wichtigkeit besitzt und was nur ein flüchtiger Reiz ist- und im Falle der Erfüllung vielleicht. sogar gar nicht befriedigt oder einen irgendwie weiter bringt?
Meinst Du, dass es glücklich/zufrieden/reifer macht, jedem Reiz/Verlangen nachzugeben? Mal ganz unabhängig davon, ob man Single ist oder gebunden? Bringt einen das wirklich immer weiter?
Manchmal ganz sicher. Aber ich habe nicht selten in meinem Leben (auch ohne äußere, etwa moralische Notwendigkeit) auf Dinge verzichtet und das führte manchmal zu sehr schönen Ergebnissen. Ich nenne Dir mal ein Bsp. das sich um die Moral dreht. Hätte aber auch andere: ich begehrte einen Mann etwa ein Jahr lang und das ziemlich heftig. Ich wusste aber, dass er verheiratet ist und so hielt ich Abstand. Meine Beweggründe dafür waren keine oberflächlich-moralischen: ich bin ne Schl., wenn ich ihn vernasche, sondern tiefe Gefühle, die mir eindeutig Nein! sagten. Das könnte ich jetzt genau erklären, ist aber nicht so wichtig. Also habe ich ihn nicht gebissen

Und die Gedanken, Gefühle. usw., die aus meiner "Enthaltsamkeit" resultierten, waren überaschenderweise total schön! Ich glaube sogar, dass ich weniger schöne Erfahrungen gemacht hätte, wenn wir miteinander in der Kiste gelandet wären.
Zudem entwickelt eine Mann-Frau-Beziehung, in der man trotz Anziehung, nie die Grenze überschreitet (etwa weil einer vergeben ist, aber auch wenn beide Single sind), manchmal eine ganz besondere Stimmung. Habe das schon einige Male erlebt. Ja, was ist das, das sich so gut anfühlt, obwohl man seinen kurzweiligen und anfänglichen Gelüsten nicht nachgibt?
Ich nehme (bei mir) folgendes an: Es wäre ohnehin nur ein Strohfeuer gewesen, nichts, das sich irgendwie ernsthaft oder tief anfühlt. Gibt man dem dann auch Ausdruck, indem die Beziehung (auch körperlich) nur das ausdrückt, was sie auch tatsächlich hergibt, hat man das Gefühl der Stimmigkeit. Während es sich ganz schön schal anfühlen kann, eine Nacht mit jemandem zu verbringen, der einem z.B. nur unter Alk,oholeinfluss gefiel.
Zitat:Mir erscheint diese Umklammertheit jedenfalls gerade zu tödlich, tödlich verdurchschnittlichend. Und ich glaube nicht einmal, daß es sich dabei tatsächlich um ein Liebesopfer handelt.
Ja, das sehe ich ähnlich. Und es führt oft dazu, dass der Partner immer uninteressanter wird. Eben weil ihm ein Leben abseits der eigenen 4 Wände nicht mehr erlaubt ist.
Es ist wohl kein Liebesopfer. aber was genau ist es dann?
Zitat:Dann die andere Seite: Was züchtet sich bei einem Menschen in der Regel am meisten heraus? Nicht notwendig das, was er am besten kann, sondern das, was am besten ankommt, was am meisten Resonanz findet.
D. h., beispielsweise, ein vollkommener Machodepp hätte ja nicht einmal einen Grund, an seinem affenartigen Zustand etwas zu ändern, weil ihm ja gerade der die meisten Früchte einbringt. Er müßte ja geradezu von einem augustinischen Verfall betroffen sein, würde er es dennoch tun. Unter diesem Gesichtspunkt, also jenem der fleischlichen Ernte, wäre es ja sogar noch besser, der vielleicht allzu Verfeinerte würde um einiges affiger werden (wenn er es denn vermag).
Ja, wenn dieses Äffchen keine anderen Bedürfnisse hat, als eine möglichst reiche fleischliche Ernte einzuholen, so hast Du recht. Dennoch nehme ich an, dass nur wenige Menschen so einseitige Bedürfnisse haben. Auch ein erfolgreicher Schürzenjäger wird sich mal nach Geborgenheit und Wärme sehnen. Und kann sich dieses Bedürfnis vielleicht. mit seinen bisherigen Verhaltensweisen nicht befriedigen und so wird auch er irgendwann mal dahin kommen, über sich nachzudenken.
Zudem ist selten ein Mensch so ein reiner Prototyp. Bis auf ganz harte Fälle, regen sich fast in jedem Menschen irgendwann Gefühle wie pure Lust, Mitleid, Trauer, Schuldgefühle, Sehnsucht nach Geborgenheit. . Sehr viele hochgradig egoistische Menschen kommen irgendwann an den Punkt, ihr Verhalten zu bedauern (verändern tun sie`s dennoch meistens nicht). Ich nehme an, dass es daran liegt, dass es den Menschen eben nicht glücklich macht, immer nur einseitige Verhaltensweisen an den Tag zu legen, so z.B. nur egoistisch zu handeln und zu nehmen, nehmen, nehmen. Oder nur zu p., nur zu dichten.
Zitat:Das Grundproblem scheint mir zu sein: Wie sollte man klug werden, beseelt, vergeistig, ohne die Instinkte zu vergessen? Oder wie sollte man instinkthaft werden, ohne die Klugheit, die Vergeistigung, das große Gefühl zu vergessen?
Ich z. B. kann mir einen Hölderlin so wenig als Rammelhengst vorstellen, wie ich mir einen R. als Dichter (zumindest nicht als romantischen) vorzustellen vermag. Das geht hinten und vorne nicht zusammen. Und was nun, wenn es die Geliebte des einen einmal nach einem Rammelhengst verlangt und jene des anderen nach einem Dichter? Vielleicht, daß man sich mit einer Verstellung behelfen könnte - aber Verstellungen wirken nie das, was sie zu wirken glauben, was sie wirken sollen. Sie erfüllen nie etwas wirklich, der Hunger bleibt.
wir drehen uns im Kreis. Natürich wird ein Hölderlin nicht schlagartig ein "Rammelhengst", aber auch er wird man ganz primitive Regungen gehabt haben.
Und ein wirklich ausgeprägt grobschlächtiger, dummer, gewissenloser Mensch, wird selbstverständlich nicht mit einem Mal zum tiefgründigem Denker. Ja, das ist wahr. Aber wo in der Realität siehst Du diese Extremtypen? Ich kenne nur wenige "Extremisten". Wie bereits geschrieben, meine ich, dass bei jedem einzelnen Menschen ein Aspekt viel stärker ausgebildet ist als ein anderer und man sollte mMn auch nicht versuchen, von allem etwas und möglichst in gleichen Anteilen in sich zu tragen, um dem Partner ja Poet am Tage und Hengst in der Nacht sein zu können. Das geht natürlich nicht. Und man wird auch den Partner nicht ständig in all diesen Bereichen erfüllen können. Aber zum einen sind diese Extreme selten, zum anderen heißt das nicht, dass man das Fehlende ständig woanders befriedigt bekommen muss und möchte. Ja und wenn einen der Hunger nach Eigenschaft xy dann doch enmal gewaltig packt, dann kommts zum Fremdgehen. Solange das aber keine Dauereinrichtung ist, sehe ich es nicht als Drama an. Mir scheint jedoch, dass Du diese eher seltene Situation als Zentrum betrachtest, bzw. dem viel zu großes Gewicht gibst?