@Whynot
Zitat:Archaisch kann man ja meinetwegen im Bett werden. Aber wenn jemand allgemein daherkommt wie ein keuchhustender Studiopfau, um doppelt auf sich aufmerksam zu machen, dann macht mir das nur den Eindruck der vollkommenen Lächerlichkeit. Für mich ist das durchaus kein Mann, sondern die Karikatur eines Mannes, das moderne, reichlich kurios geratene Alternativprodukt zum keulenschwingenden Steinzeitbrüller.
Du schreibst echt gut!

Keuchhustender Studiopfau
Ja, nichts gegen Selbstbewusstsein und Charakterstärke aber wenn`s rein äußerlich inszeniert wird, ist es doch wenig interessant. Genau wie lediglich im Fitnessstudio antrainierte Muskeln. Nur noch das äußere Bild eines Mannes- und sorry, kein besonders anziehendes.
Zitat:Und den Krieg gibt es ja, nur halt zumindest vorläufig noch ins Puppenhaus verlagert, ins Spielzimmer, zumindest in unseren Breiten, und das spritzende Blut ist noch rosarot.
Ich bin mir aber ziemlich sicher, daß in 20, spätestens 50 Jahren kein Stein mehr auf dem anderen sein wird. Denn jeder Irrsinn kocht immer mehr über und treibt sich auf die Spitze, das ist sozusagen die natürliche Dynamik des Irrsinns.
Vielleicht ist dann wieder für eine Zeitlang abgemäht, was sich mittlerweile so hochgestylt hat, daß es sich schon selber ganz verkennt.
und wieder unglaublich gut geschrieben!
Ja, das fürchte ich auch...Und wünsche so sehr, dass ich mit meiner Einschätzung falsch liege.
Es wäre tragisch, wenn nur ein Krieg zur Besinnung führen könnte, denn eigentlich gibt es genügend Ernsthaftigkeiten im Leben, auch schon jetzt in Nichtkriegszeiten.
Aber diese Facebookshoppingpuppenhauswelt erscheint mir wie eine Paralleltraumwelt, allerdings eine ungeheuerlich flache, leere und fanatsielose, ohne jeden Kontakt zur inneren oder äußeren Realität.
Vor vielen Jahren war ich mit meinem Freund auf Reisen in Prag. Dort sah ich in der Bahn einen Mann, den ich nie vergessen werde. Eindeutig ein hart arbeitender Mann. Er saß ganz ernst da, nahm die Mitreisenden nicht wahr und aß einfach nur sein Butterbrot.
Was mir so gefiel war, dass er einen großen Ernst im Gesicht trug und wirklich nichts narzisstisches an sich hatte, in den anderen also nicht sich selbst spiegeln wollte, sondern gedankenversunken war. In so vielen Gesichtern sieht man diese "Spiegelungssucht", wenn auch verborgen. Man sieht einem Menschen ganz genau an, ob er innerlich mit irgend einem ernsthaftem Thema befasst ist, oder ob er es in erster Linie auf Außenwirkung abgesehen hat.
Ich kann leider gar nicht beschreiben, was diesen Mann so besonders machte. Es war nicht einfach die Tatsache, dass er völlig frei von jeder Eitelkeit war und große schmutzige Arbeiterhände hatte. Es lag etwas sehr besonderes in seinem Gesicht.
Als wir die Bahn verlassen hatten, sagte mein Freund "Hast Du diesen Mann gesehen. Der war irgendwie besonders..."
So ein Mann beeindruckt mich wesentlich mehr, als ein größenwahnsinniger, selbstverliebter Managertyp. Ganz gleich, wie erfolgreich ein Mensch ist, wenn er auf dem Boden der Tatsachen des Lebens bleibt, ist ihm jede Selbstherrlichkeit unmöglich.
Nicht weit von uns entfernt wird die Todesstrafe wieder eingeführt uvm. und wir schwelgen noch in Träumen von ewiger Freiheit und Demokratie...Ich finde das alles hochgradig besorgniserregend.
Ich habe Bekannte in der Türkei. Intellektuelle, die überwacht werden. Seit langem schon ist kein normaler Mailaustausch mehr möglich.
Ich wohne ja auch etwas hinter dem Mond und wunderte mich anfangs, warum die beiden (ein Ehepaar) mir nur noch floskelhafte Mails schicken, ohne jeden Inhalt, ohne eine Frage ernsthaft zu beantworten. Immer nur "Uns geht es super!" Kein einziges Wort darüber, dass sie z.B. nicht mehr reisen dürfen (mein Exfreund hat sie zu sich eingeladen), ein ewiges Ausweichen.
Sie leben in großer Angst, nur ein falsches Wort zu schreiben.
Ich glaube, wer so etwas einmal erlebt, dem vergehen ganz schnell die Ganzkörperrasierer
Und ich wundere mich manchmal, dass ich als Träumerin gesehen werde, denn mir scheint vielmehr, dass obiges Treiben ein inhaltsloses Träumen ist.
Zitat:Und ganz allgemein, vielleicht zu Deiner Beruhigung: Ich erkläre mich mit gar keiner Weltsicht solidarisch (vielleicht ist das schon einmal aufgefallen?). Ich habe mich, schon ziemlich früh sogar, völlig entsolidarisiert. Zwar kann ich mich mit einzelnen Menschen solidarisieren, aber sicher nicht mit einer Weltsicht. Für mich kann ein ernsthaftes Denken (und Leben) auch überhaupt erst dort anfangen, wo alle Weltsicht aufhört. Dieser ganze Rudelquatsch wäre mir auch bei weitem zu langweilig, daran kann man ja nur vorzeitig zugrunde gehen.
wundervoll!
Zitat:Vielleicht habe ich es schon einmal gefragt, ich weiß nicht mehr: Was ist PU? (Prähistorisches Unikum? Polyurie?)
Pick up Artists- googel mal
Zitat:Bald bleibt wohl nichts mehr, als nach Japan auszuwandern.
wieso ausgerechnet Japan?
Ist mir wieder was entgangen?
Habe gestern im Deutschladradio folgendes gehört:
Zitat:In den großen Industrienationen arbeiten immer mehr Beschäftigte am
körperlichen und seelischen Limit. Ein besonders drastisches Beispiel ist Japan:
Dort leisten zahllose Menschen ständig überstunden ? oft bis weit in die Nacht
hinein. Mit verheerenden Folgen, denn Tausende von Japanern bezahlen Jahr für
Jahr die nicht endenden Arbeitstage mit dem Leben. In der japanischen Sprache
gibt es dafür sogar einen eigenen Begriff:
"Karoshi" Tod durch Überarbeitung.
Das ist ja der helle Wahnsinn!
Wirklich erschütternd.
Es gibt heutzutage kaum noch so etwas wie eine Ethik oder Moral. Dafür aber eine Arbeitsmoral. Nicht (genug) zu arbeiten, ist ja schon nahezu moralisch verwerflich.
Und um zurück zum Threadthema zu kommen: ja, es ist leider so, dass gerade die Arbeitstiere bei den Frauen die besten Chancen haben. Wofür, woran...sie arbeiten, spielt dabei so gut wie keine Rolle. Mir haben damals in der Singlebörse einige arbeitslose Männer geschrieben, wie schwer es als Arbeitsloser sei, eine Frau zu finden.
Und neulich las ich in irgend einem Thread von einer Frau, die sich wahnsinnig in ihren Chef veknallt hatte. So ein typisches arbeitseifriges und prestigehungriges Alphatierchen mit fettem Haus und Auto, Geschäftsreisen usw. usf. Und der große Glücksfall trat ein! Sie spannte den Angebeteten der Ehefrau aus. Das Glück war zum Greifen nahe

Doch erschüttert stellte diese Frau fest, dass dieser Mann auch ihr gegenüber nicht zum feinfühligen Liebenden wurde, sondern der blieb, der er schon immer war. Er betrieb seine Geschäfte und suchte sich zur Entspannung die eine oder andere Geliebte.