@Elerya
Zitat:Ich setze anderen Gedanken, Gewohnheiten an die Stelle des Gedankens an den "Seelenverwandten". Natürlich beginnt das erstmal mit Kontrolle, aber irgendwann wird es Wirklichkeit werden und ich werde unabhängig von dem Wunsch nach echter Nähe leben. Dann habe ich es geschafft. Klar ist das am Anfang mit Kontrolle und Zwang verbunden, aber es funktioniert.
Ja, das denke ich auch und würde es wie Ricky eher Disziplin nennen. Ist aber auch egal, wie man es nennt.
Intuitiv machen die meisten Menschen ja erstmal das richtige: ihnen fehlt Nähe- sie suchen sie.
Ich habe es ja schon einmal erzählt: ich habe viele Jahre fast nur Love Love Love im Kopf gehabt, wie eine Irre danach gesucht. Eigentlich ein gesunder Impuls, nur funktioniert es so nicht.
Und ich habe es dann genau so gemacht, wie Du es beschrieben hast: erstmal mit Disziplin und Selbstbeherrschung angefangen mich auf andere Dinge zu konzentrieren.
Und es hat seine Zeit gebraucht, bis ich in diesen Dingen Befriedigung fand und gar nicht mehr nach Love suchte.
Die Gewohnheit spielt dabei natürlich auch eine große Rolle.
Man kann lernen, auf andere Weise Befriedigung zu erlangen. Am Anfang ist das meistens etwas frustrierend weil mal ja noch keine Erfolge hat.
Meine Mutter zeichnet und malt z.B. seit vielleicht. 2 Jahren und sagte mir neulich, dass sie selten zufrieden ist weil sie es eben noch nicht kann. Sie macht aber weiter weil sie erleben möchte, dass es ihr so leicht von der Hand geht, wie andere Tätigkeiten- und dann auch befriedigend sein kann.
Aber vergiss nicht, dass der Wunsch nach echter Nähe ja auch etwas ganz natürliches und gesundes ist

Die braucht langfistig doch jeder Mensch, um zufrieden zu sein.
Mir fehlt auch ein Gefährte, mit dem ich Abends händchenhaltend spazieren gehe, der mir mein Köpfchen krault usw.

Aber es drängt mich dennoch nicht, wie verrückt zu suchen oder ständig daran zu denken.
Gerade fällt mir ein einfaches Bsp. ein: ich habe einen Bekannten. Ein sehr getriebener Mensch, der mir einmal sagte, dass er immer wie ein Bekloppter nach Liebe suche und das viel zu zentral in seinem Leben ist. Ist es mMn tatsächlich. Das Problem dabei ist, dass er keine Schwierigkeiten hat, ständig neue Frauen kennenzulernen und so schlittert er von einer/m Liebesgeschichte besser Liebesdrama ins nächste, was absolut frustrierend für ihn ist.
Aus Gründen a b c war er nun eine zeitlang etwas von der Welt abgeschnitten und ziemlich allein. Wir hatten zu dieser Zeit aufgrund eines Konflikts auch Sendepause. In dieser Zeit hatte ich Geburtstag. Er bastelte nun wochenlang an einem Geschenk für mich herum und sagte mir später, dass er noch nie die Erfahrung gemacht habe, wie schön es sein kann sich, über Wochen ganz intensiv und versunken einer Tätigkeit hinzugeben und dass er seine kreative Ader entdeckt habe
Ich dachte, dass genau das doch das schönste Geschenk ist: dass er gelernt hat, Freude im Tun zu finden statt nur in der Zweisamkeit mit einer Frau. Schwups- neue Erfahrung!
Was Dir nur vielleicht. nicht so gut tat, ist dass Du aus diesem Wunsch heraus zu viele Kompromisse gemacht hast und dadurch genau das Gegenteil von dem erlebt hast, was Du Dir wünschtest.
Ich habe eine Freundin, die oft irgendwelche Liebschaften hat und auch mich dazu anhält...Und sie hat in dem Sinne recht, dass es tatsächlich nicht so besonders gesund ist, zu lange ohne Nähe zu leben...Aber wenn sie von ihren Liebschaften erzählt, sehe ich wirklich immer auch Schmerz in ihrem Gesicht. Es bleibt nicht viel schönes zurück...Neulich fiel ich fast vom Stuhl weil nun auch sie (was niemals ihr Denken war) sinngemäß sagte: alle Männer sind sche***. Ich denke, dass das eben durch diese Erfahrungen zustande kommt. Aber ganz gleich, wie man sich entscheidet, man zahlt immer einen Preis für seine Prioritäten im Leben, ich auch.
Vielleicht sollte man nicht erwarten, dass alles einfach nur leicht ist, wenn man nur alles richtig macht.
Zitat:Und was ich mich noch frage: Wie geht ihr damit um, wenn ihr in der Vergangenheit nicht mehr revidierbare Fehler gemacht habt, die eure Gegenwart und euer Denken im Hier und Jetzt beeinflussen? Ich wünsche mir z. B. ich hätte auf Männer bezogen eine andere Vergangenheit und weiß nicht, wie ich mit der, die ich nunmal habe, umgehen soll. Sie kennt kaum einer, ich kann sie verschweigen, aber ich muss sie ja vor mir und meinen eigenen moralischen Ansprüchen rechtfertigen, muss selber damit klar kommen.
Ach Du süßes gewissenhaftes Wesen
Hast Du denn wirklich z.B. mit anderen Menschen gespielt? Anderen großes Unrecht getan?
Oder nur nicht den gesellschaftlichen moralischen Konventionen entsprochen?
Und sollte ersteres der Fall sein: ein Gewissen, Empathie, Mitgefühl zu haben, einsichtig zu sein, ist doch das, worauf es ankommt. Nicht fehlerlos zu sein, sondern aufgrund der Erfahrungen zu erkennen- ah, das habe ich falsch gemacht. Und sich evtl. zu entschuldigen.
"Moralisch" zu sein, bedeutet ja nicht, keine Fehler zu machen, sondern moralisch empfinden zu können- Mitgefühl uvm. zu haben. Und all das hast Du doch.
Ich bedaure auch verloerene Jahre, die streng genommen natürlich nicht verloren sind aber es zermürbt mich nicht. Ich denke, dass es sogar vieles positives mit sich bringt. Manchmal kann man den Wert von Dingen erst dadurch wahrnehmen, dass man vorher vieles falsch machte oder einfachnur Erfahrungen machte.
Meine heutige Sehnsucht nach ganz bestimmten Dingen brennt z.B. nur so stark in mir weil ich sie erst spät entdeckt habe. Für viele Menschen sind manche Dinge, die ich tue nichts besonderes, für mich ein wahres Abenteuer.
Und gerade weil ich viele Männer kennenlernte weiß ich ganz genau, was ich will und bin in bestimmten Bereichen sehr streng und kompromisslos. Aber wenn dann ein Mann meines Weges kommt, der meinen Vorstellungen entspricht, dann kann ich ihn umso mehr wertschätzen. Hm, das ist etwas unglücklich formuliert. Vielleicht verstehst Du es trotzdem.
Ich hatte früher immer die Sehnsucht nach einem ganz bestimmten Menschen, lernte aber nie so einen kennen, sondern eben andere. Und dann traf ich ihn doch und auch weil ich (durch Erfahrung also Vergleich) weiß, dass so eine Begegnung etwas einmaliges ist, schätze ich diesen Menschen umso mehr.