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Partnersuche im 21 Jahrhundert hoffnungslos?

L
Zitat von Kaetzchen:
Ich glaube, dass zu viele Beziehungen heutzutage an zu viel Nähe scheitern. Vor allem daran, dass diese Nähe eben gar keine echte Nähe mehr ist, sondern nur noch eine räumliche, oft erzwungene. Und die ist dann noch schlimmer als echte Distanz, die ja wiederum eine Beziehung auch sehr beflügeln kann, wenn man ab und zu das Seil strafft und sich "trennt" (wenn auch nur für ein paar Stunden/Tage), um danach mit neuen Eindrücken, Erlebnissen, Gesprächsthemen wieder echte Nähe zu schaffen.


Was du zur Kindheit geschrieben hast kenne ich auch vom Land noch eher so.Ich möchte es auch nicht missen, war auch ein sehr schönes aufwachsen ;- ) Darauf bezogen schön unkompliziert und so schön un-neurotisch.
Zu dem Symbiotischem. Ich verstehe es leider auch so gar nicht.Und ich selbst kenne es so auch aus keiner Beziehung.Ich kenne Zeiten mit wirklich viel gemeinsamer Zeit, gerade am Anfang, doll verliebt usw- dann aber auch anderes.
Einer meiner Brüder lebt genau so- symbiotisch.Von Anfang an mit seiner jetzigen Frau.Ich meine, er war mitte dreissig, als sie zusammenkamen.Am Anfang dachte ich noch, mei, das legt sich.Von wegen.So schnell, wie es da nur noch ein "wir" gegeben hat, das kannte ich nicht mal von meinen seit zig Jahren verheirateten Eltern.Jeder Satz ein "Wir".Wir sind so, wir sehen das so tbc. .Rund um die Uhr gemeinsame Zeit- und wo nicht gemeinsam, wird eben telefoniert.
Bei meinem Bruder ist das übrigens nicht so- da sind beide in ein Umfeld inkl. Familienanhang sehr integriert, nix anonym und so.Ob es vielleicht dennoch nicht so "innig" ist und darin irgendein Grund liegt ? Keine Ahnung.

Ich weiß nicht, ob das schon immer sein geheimster Wunsch gewesen ist, mir war das irgendwann regelrecht unheimlich.
Es gab auch nur noch seinen Geschwistern gegenüber das "wir".Hat zu vielen heftigen Querelen geführt, ich habe Zeiten erlebt, wo ich , wenn ich bei Ihnen war, kaum Luft holen konnte vor Engegefühl.Ich musste wirklich mit mir teilweise kämpfen.
( vielleicht auch neurotisch zwinkern , anyway) Und ich habe die Person meines Bruders, sein Ich- lange gar nie mehr finden können..Das Umfeld ist auch noch entsprechend.
Jeder so, wie er mag- natürlich.Mich würde so ein Leben glaube ich kaputt machen, ich würde 'nen Kollaps bekommen.
Andere scheinen das zu brauchen. Ich mag ja auch gerne meine gefestigte homebase an Beziehung, an Familie um einen herum usw.Ich habe auch immer gerne miteinander gelebt- also in einem Haus.
Aber ich kannte es nie anders, als das jeder auch sein eigenes hatte.Inklusive Urlaube mal alleine bzw mit Freunden usw.
Und was mir manchmal zu denken gibt- ich weiß es nicht, aber manchmal gehört zu diesem Lebensstil ja auch so ein nonstop umgeben sein mit Anderen, Außenreizen.Wenn das mal wegfällt und man auf sich selbst geworfen wird, dann gehen die Krisen los.Das finde ich dann auch arg.Meins ist das alles so nicht, macht mich auf Dauer ungut wuschig.

x 1 #2506


L
Zitat von ysabell:
Naja, ich weiß sowieso schon zu viel. Manches hätte ich vielleicht. lieber nicht gewusst, ist aber auch kein Drama. Ich bin so ein Typ, der oft hört "Eigentlich rede ich nicht drüber aber..."


Hm, kenne ich auch ein wenig.Und ich weiß auch nicht, ob ich alles immer so unbedingt gerne gewusst hätte ;- )
vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, ich denke jedoch das dieses allgemein eher zugenommen hat.
Und unterdessen weiß ich schon gar nicht mehr, wie es mir so geht- wenn jdm mit dem Satz beginnt:
Eigentlich rede ich nicht darüber oder eigentlich bin ich viel verschlossener tbc. Und dann kommen bisweilen so echte Hammer an G'schichten mal eben so um die Ecke- wo man oft merkt, da steckt doch irgendwie eine Menge Druck (?) dahinter.
Das hat mE auch mit so komischen oder Fehlregulationen an Nähe/Distanz zu tun.Ich kannte das von früher in diesem Ausmaß nicht.Und ich musste für mich lernen, daß ich manche Sachen auch nicht mehr hören will.Bei sehr guten Freunden ist das etwas anderes oder wenn es sich mal aus einer besonderen Situation heraus ergibt.Bei anderen kann ich heute auch gut durchwinken,mir war das oft zu viel geworden, zumal dann, wenn es mit mir- ansich nichts zu tun hat.

x 1 #2507


A


Partnersuche im 21 Jahrhundert hoffnungslos?

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K
Ich vermute ja, dass diese "moderne" Art, Beziehungen zu führen auch mit der Entwicklung insgesamt zu tun hat. Es gibt ja die Bindungstheorie, die auch schon ein paar Tage älter ist. Demnach kann man unterscheiden in Menschen mit sicherem Bindungsstil - die führen dann sozusagen gesunde Beziehungen, also Beziehungen mit Intimität und Nähe aber auch genug Freiräumen für beide Partner. Dann gibt es die mit ängstlichem Bindungsstil, das sind die, die ganz viel Nähe suchen und brauchen, klammern, wenig Freiräume gewähren können und auch selbst nicht nehmen. Und die mit vermeidendem Bindungsstil, die Intimität und Nähe nur begrenzt zulassen können, aus Angst vor Autonomieverlust, und immer so ihre Strategien zur Vermeidung von zu viel Nähe fahren.

Und irgendwie scheinen Menschen mit sicherem Bindungsstil, die früher die Mehrzahl gestellt haben, weniger zu werden, dafür nehmen Menschen mit einer von beiden Störungen immer mehr zu. Zumal sich diese Bindungsstörungen auch im Laufe des Lebens noch ausbilden können, wenn man nämlich z.B. entsprechende Beziehungs/Trennungserfahrungen gemacht hat. Und so ist es klar, dass zwei Menschen mit sicherem Bindungsstil, die sich in frühen Jahren finden und dann ihr Leben lang zusammenbleiben weniger Störungen haben als Menschen, die mit 30 schon 4 oder 5 gescheiterte Beziehungen hinter sich haben.

#2508


Urmel_
Zitat von Kaetzchen:
Und so ist es klar, dass zwei Menschen mit sicherem Bindungsstil, die sich in frühen Jahren finden und dann ihr Leben lang zusammenbleiben weniger Störungen haben als Menschen, die mit 30 schon 4 oder 5 gescheiterte Beziehungen hinter sich haben.


Aber nicht vergessen: Mittlerweile werden fast schon 70 Prozent aller Ehen durch die Frau beendet. Und über 50 Prozent aller Ehen scheitern. Also auf jeden Fall, wenn man dieses Risiko dennoch eingehen will, einen Ehevertrag.

x 2 #2509


L
Ich saß hier gerade noch so herum und habe darüber sinniert, wie das zBsp mit ero. Anziehung gehen sollte,
bei so symbiotischen Beziehungen-
ich habe dazu gar keine Vorstellung.
Um so gleicher ( = Auflösung in ein "wir" ) oder gar unterwürfiger mein Gegenüber wäre- um so weniger hätte ich Ambitionen.
Gut, ich kann da schwer mitreden, weil ich mir eher dann noch das andere extrem gesucht habe ...
@ Kaetzchen
Das mit der Bindungstheorie kenne ich auch.
Und ja, ich habe bisweilen auch den Eindruck, daß die beiden 'extreme' neben dem sicherem Bindungsstil zunehmen.
Wobei ich mich selbst vielleicht gar nicht ausnehmen mag- ich tendiere auch seit einiger Zeit zu den "Vermeidern" aufgrund xyz-
und sage deshalb unterdessen auch: Ich für mich wäre ggf auch mit weniger Beziehungen ( an der Anzahl) besser gefahren.
Und dabei habe ich erst ab ca anfang dreissig dieses Dilemma erfahren.

#2510


K
Zitat von Urmel_:

Aber nicht vergessen: Mittlerweile werden fast schon 70 Prozent aller Ehen durch die Frau beendet. Und über 50 Prozent aller Ehen scheitern. Also auf jeden Fall, wenn man dieses Risiko dennoch eingehen will, einen Ehevertrag.


Ich befinde mich gerade im Scheidungsendkampf mit Anwälten. Etwas, das ich nie, nie wollte. Ich werde in diesem Leben nicht mehr heiraten. Ich glaube, ich werde nicht mal mehr eine Beziehung eingehen, weil ich mich nie wieder von irgendwem trennen will geschockt ich bin jetzt total trennungsgestört, nach zwei traumatischen Trennungserfahrungen im Leben. Reicht mir. Ich habe fertig.

Was allerdings jetzt der Kommentar mit den Frauen sollte, weiß ich nicht. Ich hab doch "Menschen" geschrieben, nicht Männer. Das erinnert mich an meinen Neffen, der als 6jähriger mal sagte: Frauen sind eben anders als Menschen Mr. Green

x 1 #2511


Luto
Zitat von Kaetzchen:
Ich glaube, ich werde nicht mal mehr eine Beziehung eingehen, weil ich mich nie wieder von irgendwem trennen will geschockt ich bin jetzt total trennungsgestört, nach zwei traumatischen Trennungserfahrungen im Leben. Reicht mir. Ich habe fertig.

ernsthaft?

#2512


K
Zitat von Luca:
Ich saß hier gerade noch so herum und habe darüber sinniert, wie das zBsp mit ero. Anziehung gehen sollte,
bei so symbiotischen Beziehungen-
ich habe dazu gar keine Vorstellung.
Um so gleicher ( = Auflösung in ein "wir" ) oder gar unterwürfiger mein Gegenüber wäre- um so weniger hätte ich Ambitionen.
Gut, ich kann da schwer mitreden, weil ich mir eher dann noch das andere extrem gesucht habe ...
@ Kaetzchen
Das mit der Bindungstheorie kenne ich auch.
Und ja, ich habe bisweilen auch den Eindruck, daß die beiden 'extreme' neben dem sicherem Bindungsstil zunehmen.
Wobei ich mich selbst vielleicht gar nicht ausnehmen mag- ich tendiere auch seit einiger Zeit zu den "Vermeidern" aufgrund xyz-
und sage deshalb unterdessen auch: Ich für mich wäre ggf auch mit weniger Beziehungen ( an der Anzahl) besser gefahren.
Und dabei habe ich erst ab ca anfang dreissig dieses Dilemma erfahren.


Ich war immer ein sicherer Bindungstyp mit vermeidenden Tendenzen. Die vermeidenden Tendenzen haben sich tatsächlich nach jeder Beziehung verstärkt, und jetzt gerade sind sie so groß, dass ich vor jedem Bindungswunsch schreiend weglaufe. Ich wäre absolut nicht beziehungsfähig zur Zeit, mehr als ein On-Off (bei jeder zu intensiv empfundenen Nähe sofort Schluss machen) ginge mit mir gar nicht. Das kann man ja niemandem zumuten. Und ich hab keine Idee, ob und wie das jemals wieder in Ordnung kommen sollte unwissend

Was die Anziehung angeht - nee, die besteht in so symbiotischen Beziehungen natürlich nicht. Gar nicht. Null. Deshalb gehen ja dann so viele Teilnehmer solcher Beziehungen auch fremd zwinkern meiner Recherche und Erfahrung nach stammen bestimmt 70-80% aller Fremdgänger (Männlein wie Weiblein) aus genau solchen Beziehungen. Zu eng, zu nah, und trotzdem keine "echte" Nähe. Aufgelöst im Wir oder noch schlimmer im anderen. Und als Ausbruchsversuch dann eben die Affäre.

#2513


Luto
Zitat von Kaetzchen:
Das kann man ja niemandem zumuten. Und ich hab keine Idee, ob und wie das jemals wieder in Ordnung kommen sollte unwissend

vielleicht ist ja eine Beziehung auch der Versuch, die Spannung zwischen Symbiothik und Reiz in den Griff zu bekommen ... mal wir, mal frei in der Welt....

#2514


K
Zitat von Luto:
vielleicht ist ja eine Beziehung auch der Versuch, die Spannung zwischen Symbiothik und Reiz in den Griff zu bekommen ... mal wir, mal frei in der Welt....


Der sichere Bindungstyp macht ja genau das - die richtige Mischung aus Intimität und Distanz wahren und erhalten. Und ja, für mich macht genau das die berühmte "Beziehungsarbeit" aus. Genau diese richtige Mischung und die Augenhöhe zu wahren, und wenn man merkt, dass es in die eine oder andere Richtung kippt, dagegen anarbeiten, bevor es sich einschleift. Ganz natürlich und ganz von selbst. Ich hatte damit auch nie Probleme in Beziehungen, wenn dann höchstens in Richtung zu distanziert. Was wiederum die Intimität bei intimen Aktivitäten sehr verstärkt (den besten S. hat man ja angeblich mit Bindungsphobikern - drum).

Als Vermeider zieht man aber natürlich vor allem ängstliche Bindungstypen an, und die leiden dann unter der Beziehung, versuchen, jegliche Distanz im Keim zu ersticken, und dann hat man ein Problem. Das ist ein sich selbst verstärkender Teufelskreis, der immer böse endet (ich behaupte mal, ein großer Teil der Menschen, die hier im Forum sehr verzweifelt über eine Trennung schreiben, kennt diesen Teufelskreis).

#2515


Ricky
Zitat von Kaetzchen:
Ich hab doch "Menschen" geschrieben, nicht Männer.


Richtig. Und genau deshalb, hat Urmel das geschrieben.

Zitat:
Das erinnert mich an meinen Neffen, der als 6jähriger mal sagte: Frauen sind eben anders als Menschen Mr. Green


Wo er Recht hat. Mr. Green

#2516


Luto
Zitat von Kaetzchen:
Als Vermeider zieht man aber natürlich vor allem ängstliche Bindungstypen an, und die leiden dann unter der Beziehung, versuchen, jegliche Distanz im Keim zu ersticken, und dann hat man ein Problem.

Kacke! Gibt#s da keinen Ausweg?

#2517


K
Davon mal abgesehen, dass Urmels Post einen Rechenfehler enthält (wenn 70% aller Ehen von Frauen beendet werden, aber nur 50% aller Ehen überhaupt scheitern, dann ... äh ... nö) - wenn eine Frau eine Ehe beendet liegt das ja mit Sicherheit nicht daran, dass sie einen ungesunden Bindungsstil hat.
Der sichere Bindungstyp kann nämlich auch Beziehungen beenden, im Gegensatz zu den beiden anderen, die das nicht hinkriegen. Der Vermeider lässt sich genau deshalb nur schwer auf überhaupt eine Bindung ein (weil er weiß, wenn er mal eine hat, kommt er da so leicht nicht wieder raus und tut sich sehr schwer mit einer Trennung - been there, done that), und der Ängstliche verlässt die bestehende Bindung natürlich eh niemals, es sei denn, er wird gezwungen oder findet eine unmittelbar anschließende neue Bindung (welcome, all you Warmwechsler).

Deshalb habe ich Urmels Kommentar in dem Zusammenhang nicht ganz verstanden. Dass der vermeidende Bindungsstil eher männertypisch ist und der ängstliche eher frauentypisch, kommt noch erschwerend hinzu. Eine vermeidende Frau sprengt nämlich damit auch noch das Rollenbild, ebenso wie ein ängstlicher Mann (und da schauen wir zum Beispiel mal auf die Männer, die von ihrer Frau betrogen oder mies behandelt werden und sich trotzdem unterwerfen und an die Beziehung klammern - was für mich ein eher weibliches Verhalten ist).

Und da wir gerade in einer Zeit der konfusen, unklaren Rollenbilder leben, passt das ja wiederum auch ins Gesamtbild. Aber das ist jetzt mal so meine persönliche Meinung/Herleitung, das kann ich mit nix "belegen" und ich kenne auch keine Studie dazu. Gibt's aber vielleicht irgendwo? Würd mich mal interessieren ... und dann müsste man mal herausfinden, welche Veränderungen im Erziehungsleben von Kleinkindern und gesellschaftliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten dafür gesorgt haben könnten, dass Jungs einen untypischen ängstlichen Bindungsstil entwickeln und Mädchen einen untypischen vermeidenden? Eventuell gibt es doch da Zusammenhänge ... nur jetzt mal so dahingesponnen. ...

#2518


K
Zitat von Luto:
Kacke! Gibt#s da keinen Ausweg?


Nö! Zum Trost - die meisten Beziehungen bestehen ja zwischen zwei sicheren Bindungstypen. Das sind dann auch die stabilsten Beziehungen. Zwischen zwei Vermeidern kommt meist keine Beziehung zustande, weil - ist klar eigentlich (ich hatte mal eine, es war die entspannteste Beziehung, die ich je hatte, aber es war auch keine wirkliche Beziehung, eher eine WG von zwei Menschen, die sich nur nachts im Bett treffen Glücklich ).
Zwischen zwei Ängstlichen kommt es relativ häufig zu Beziehungen, das werden dann aber die typischen Abhängigkeitsbeziehungen/symbiotische Beziehungen mit null Anziehung, dafür maximaler beidseitiger emotionaler Abhängigkeit. Gar nicht schön. Und die schlimmsten Beziehungen sind eben die zwischen Vermeidern und Ängstlichen - und genau da besteht auch immer die stärkste Anziehung, deshalb kommt das leider nach den sicheren Bindungen am zweithäufigsten vor.

Im Grunde wäre die "Abkürzung" - keine Beziehung eingehen mit jemandem, der eine extrem starke Anziehung ausübt, denn meistens ist genau das der Grund für die starke Anziehung. Der Paradeweg - an der Bindungsstörung arbeiten, bis aus dem vermeidenden oder ängstlichen Bindungsstil ein sicherer geworden ist. Das dauert Jahre, ohne Garantie auf Erfolg, je nachdem, wie stark die Störung ist und wie lange sie schon da ist (in der Frühkindheit geprägt - so gut wie keine Chance. Durch andere Erfahrungen erst später im Leben eingeschliffen - kriegt man wieder weg, mit viel Arbeit). Und bis dahin - ab ins Körbchen Mr. Green

#2519


Ricky
Zitat von Kaetzchen:
Davon mal abgesehen, dass Urmels Post einen Rechenfehler enthält (wenn 70% aller Ehen von Frauen beendet werden, aber nur 50% aller Ehen überhaupt scheitern, dann ... äh ... nö) - wenn eine Frau eine Ehe beendet liegt das ja mit Sicherheit nicht daran, dass sie einen ungesunden Bindungsstil hat.


Ich glaube, da hat er sich falsch ausgedrückt. Gemeint ist wohl von 50% aller Ehen die geschieden werden, reichen zu 70% die Frauen die Scheidung ein. Ich gehe mit diesen Zahlen zwar auch nicht vollends d'accord, weil ich da andere Daten habe, aber die Grundlage ist dieselbe. Frauen reichen öfter die Scheidung ein als Männer.

Zitat:
Der sichere Bindungstyp kann nämlich auch Beziehungen beenden, im Gegensatz zu den beiden anderen, die das nicht hinkriegen. Der Vermeider lässt sich genau deshalb nur schwer auf überhaupt eine Bindung ein (weil er weiß, wenn er mal eine hat, kommt er da so leicht nicht wieder raus und tut sich sehr schwer mit einer Trennung - been there, done that), und der Ängstliche verlässt die bestehende Bindung natürlich eh niemals, es sei denn, er wird gezwungen oder findet eine unmittelbar anschließende neue Bindung (welcome, all you Warmwechsler).


Na ja, Moment aber ist der "sichere Bindungstyp" das Gegenteil zum "ungesunden Bindungstyp"? Ich weiß gerade nicht wie wer von euch welche Bindungstypen definiert. Kopf kratzen

Zitat:
Deshalb habe ich Urmels Kommentar in dem Zusammenhang nicht ganz verstanden. Dass der vermeidende Bindungsstil eher männertypisch ist und der ängstliche eher frauentypisch, kommt noch erschwerend hinzu. Eine vermeidende Frau sprengt nämlich damit auch noch das Rollenbild, ebenso wie ein ängstlicher Mann (und da schauen wir zum Beispiel mal auf die Männer, die von ihrer Frau betrogen oder mies behandelt werden und sich trotzdem unterwerfen und an die Beziehung klammern - was für mich ein eher weibliches Verhalten ist).


Ich glaube ihm ging es eher darum, zu zeigen, dass es momentan die Frauen sind, die sich eher trennen, u.a. weil ihnen das auch sozial suggeriert wird. Feminismus bröckelt ja mittlerweile arg, aber er ist in vielen Köpfen eben noch mit seinen klaren, männerverachtenden Tiraden sehr nah an der heutigen Zeit. Wie alles, muss auch der erstmal peu à peu wieder runtergefahren und realistischer angefasst werden. Oder beziehst Du Dich gar nicht auf den Einwurf, dass Frauen öfter die Ehen sprengen?

Zitat:
Und da wir gerade in einer Zeit der konfusen, unklaren Rollenbilder leben, passt das ja wiederum auch ins Gesamtbild. Aber das ist jetzt mal so meine persönliche Meinung/Herleitung, das kann ich mit nix "belegen" und ich kenne auch keine Studie dazu. Gibt's aber vielleicht irgendwo? Würd mich mal interessieren ... und dann müsste man mal herausfinden, welche Veränderungen im Erziehungsleben von Kleinkindern und gesellschaftliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten dafür gesorgt haben könnten, dass Jungs einen untypischen ängstlichen Bindungsstil entwickeln und Mädchen einen untypischen vermeidenden? Eventuell gibt es doch da Zusammenhänge ... nur jetzt mal so dahingesponnen. ...


Judith Butler "Geschlecht - die überschätze Dimension sozialer Ungleichheit" ?

Gerhard Amendt: "Was Männer denken wenn sie schweigen" ?

Matthias Mattusek: "Die vaterlose Gesellschaft" ?

Das sind alles Bücher bzw. Artikel, die sich damit beschäftigen. Gibt noch etliche andere. Da sind ja die Rollenbilder auch komplett abhanden gekommen, zudem zeigt sich eben in den alleinerziehenden Mütterhaushalten mittlerweile ein deutliches Defizit ab, was Jugendkriminalität angeht. Nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Da sind sicherlich auch einige Sachen, die ich noch zu sehr als Kausalzusammenhang sehe, aber gewisse Positionen sind durchaus problematisch und wohl anhand der Zahlen nicht mehr zu leugnen. Eine bittere Wende, aber eben verständlich, wenn man über Jahrzehnte proklamiert hat, die eine Seite sei nur gut, die andere nur Böse und dämliche Politiker, nur auf Stimmenfang und emotionalem "Huha" entschieden haben. Damit dürfen wir ALLE - Männer und Frauen - uns heute herumschlagen. Toll, was?

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