E-Claire
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Zitat von Emmallein:sehr interessante Schilderung! Was passiert nun mit dem Mann, wenn die angstgestörte Frau wegbricht, durch Krankheit oder Tod?
Es gibt zwei Möglichkeiten, wobei die Wahrscheinlichkeiten unterschiedliche sind:
Die eine Möglichkeit wäre natürlich, daß am eigenen Selbstwert gearbeitet wird. Das ist deshalb nicht so wahnsinnig wahrscheinlich, weil nach wie vor kein Anlass besteht. Insbesondere bei Beendigung der Partnerschaft durch Tod (Krankheit zählt nicht ich wirklich sondern führt zumeist das System einfach fort, kann aber hin und wieder zu ein paar neuen Erfahrungen führen, löst aber das Grunddilemma nicht) bleibt man einfach im System und erzählt einfach keinem von der eventuell auch verspürten Erleichterung. Der Mann in unserem Beispiel würde einen kurzfristigen Selbstwertgewinn erfahren, weil er sich zusätzlich die Medaille des loyalen Partners auf die Brust heften kann.
Ohne Aufarbeitung wird der Mann in unserem Beispiel relativ schnell wieder auf Partnersuche gehen, dies mal aller Wahrscheinlichkeit nach mit etwas offeneren Augen für die Frage wie selbstständig die neue Partnerin ist. In letzter Konsequenz aber werden die Muster nur in grün wiederholt, weil das Bedürfnis nach Bewunderung durch die Partnerin unverändert ist und auch der Gedanke nicht allein außerhalb einer Partnerschaft existieren zu können.
Schau, es war ja nur ein rein hypothetisches und völlig verkürztest Beispiel um zu zeigen, warum Veränderung in toxischen Beziehungen so gut wie nie möglich ist.
Gesunde Beziehungen lassen Wachsen, weil das Wachsen, die Entwicklung des einen nicht unmittelbar an das Selbst des anderen gekoppelt ist. (Ich finde zB nicht gerade toll, was der andere da gerade macht oder welche Wege er einschlägt, aber ich kann das einfach mal ne Runde stehen lassen, weil es mich überhaupt nicht betrifft).
In Beziehungen mit Komplimentärstörung ist man des anderen Störung Wächters.
Andere Umschreibung, gesunde Beziehungen zeichnen gemeinsam ein (Bindungs-)Bild und wenn der andere mal ne andere Farbe verwendet, dann redet man darüber etc.
Beziehungen mit Komplimentärstörungen zeichnen kein Bild, sie sind (Bindungs) Puzzlestücke. Das Stück des anderen muß zum eigenen passen.
So jedenfalls in meiner Wahrnehmung.