Zitat von KuddeI7591: Was beabsichtigte die TE selbst damit.... die waren eher als Selbstschutz der TE zu sehen, damit ihr die gesamte Bandbreite von Affären-Inhalten erspart bleibt? Könnte sein....!
Stiletto ist an einem Punkt angekommen, in dem sie sicher auch durchaus sehr mühsam und mit Leid, für sich glaubt, ihre Affäre verarbeitet zu haben. Sie scheint sich, um eine Erfahrung reicher zu sehen und glaubt, die für sie wichtigen Punkte erkannt zu haben. Nunmehr ist sie bereit mit anderen darüber in den Austausch zu gehen.
Affären sind bei sehr vielen Menschen mit Scham behaftet, das macht das Ende einer Affäre auch umso schwieriger. In vielen Situationen werden Affären ja nicht eingegangen, in der Idee amoralisch zu handeln, sondern weil man sich schlicht verliebt. Kommt es dann im Laufe der Affäre zu einem warmen Wechsel, dann rechtfertigt die Verliebtheit, große Liebe, Seelenverwandtschaft, als Zweck die vorherigen Mittel und man ist letztlich eben nicht ein einfacher Affärenführer, sondern eben nur jemand, der noch an die große Liebe glaubt.
Erfahrungsgemäß passiert das rechtfertigende Ende (der bessere Partner für den gebundenen zu sein) aber dann doch recht selten und in einem Trennungsforum noch viel seltener und dann steht man nicht nur mit massivem Liebeskummer da, was sehr schlimm ist, sondern eben auch mit großer Scham, weil man dann und zumeist erst dann das geballte Ausmaß der eigenen Handlungen wahrnehmen muss. Die Scham, wenn es schief geht, ist halt schon heftig.
Anders als bei anderen Konstellationen wird einem auch weniger Mitgefühl zuteil, weil die Mehrheit ja eher mit einem "selbst schuld, was bitte hast Du denn erwartet" reagiert.
Erlebt man sich zudem zum ersten Mal nicht auf der vermeintlich richtigen Seite, kognitive Dissonanz, kann das extrem schwer sein, das mit der eigenen Identität wieder in Einklang zu bringen. Je rigoroser das eigene Wertesystem vorab vertreten wurde und je mehr (unbewusst) Selbstwert durch eben auch Entwertung anderer erzeugt wurde, umso schwieriger die Integration des eigenen Handels im Nachgang.
Meinem Dafürhalten möchte Stiletto zunächst einen geschützten Raum für diejenigen schaffen, denen eben wenig bis kein Mitleid zuteil wird. Das ist gut und wichtig, wenn vielleicht auch weniger neu als sie das im Moment so für sich wahrnimmt.
Das Forum ist halt kein geschützter Raum und kann nur ganz bedingt zu diesem umfunktioniert werden, nämlich eben nur da wo der Anonymität eben auch Schutzfunktion zukommt.
Die Daumenschrauben, Auswahlkriterien und Begrenzungen, die sie aufgestellt hat, sind als Zeichens ihres Verständnisses zum jetzigen Zeitpunkt zu verstehen. Daß wir alle in der Vergangenheit liegende Ereignisse auch noch nach Jahren einer Neu-Bewertung unterziehen können und ständig unterziehen, scheint da noch nicht ganz bewusst, sonst wäre meine anfängliche Nachfrage nicht auf diese Form von Emotion gestoßen.
Für den Moment ist augenscheinlich bei der Bewertung und Einordnung dessen was geschehen ist für sie unbedingt maßgeblich, daß dies so nie wieder geschehen wird. Der (eine) Fehler aus dem man lernt. Das Kuddel ist ja bei Dir nicht anders.
Hat man nämlich aus diesem gelernt, ist der Weg zur Rückkehr zum eigenen moralischen Wertesystem wieder offen, gleichzeitig der Umgang mit Scham gefunden und die Auseinandersetzung führt zu einem klar abgrenzbaren Gebiet des wie hat dieser "Einzelfall" entstehen können. Das kann man schon so lösen, ist aber eben dann, wenn man dann diese Einzelfälle vom besonderen ins allgemeine zurückführen möchte, und darauf aufbauend dann eben diese Formalkriterien aufstellt, unbefriedigend.
Ob und inwieweit das Stiletto so klar ist, kann ich nicht beurteilen. Wenn ich eine Vermutung aufstellen müßte, dann würde ich sagen, daß sie meine erste, sehr ernst gemeinte Nachfrage, so interpretiert hat, als würde ich nicht zu ihrem ursprünglich gewollten Adressatenkreis dazu gehören und dementsprechend müßte man diesen ihren (!) Thread gegen mich verteidigen. Ob ich ihrer Meinung nach daher zu den Betrogenen oder dauerhaften Fremdgängerinnen gehöre, weiß ich nicht, ich glaube auch nicht, daß sie sich dazu äußern wird.
Was ich so schade finde, weil ich die Absicht nämlich aus der Scham und auch der Isolation herauszufinden, Wege zu öffnen, damit einen besseren Umgang zu finden, unterstütze und gut finde, ist, daß sie über Formalkriterien nur eine Abwägung trifft, um in ein mehr oder weniger schlimm einzuteilen, so bricht man aber Isolation nicht auf.