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Reflexive Bewältigung einer narzisstischen Beziehung

Ex-Mitglied

Ich möchte, aufgrund der vor ein paar Tagen hier stattgefundenen Auseinandersetzungen, gern tatsächlich ein Thema erstellen, wo es um eine andere, selbstreflektierte Herangehensweise an das Thema Narzissmus in der Partnerschaft bzw. Trennung von einem narzisstischen Partner geht.

Mich interessieren konstruktive Partnerschaftserfahrungen und Selbsterfahrungen. Für mich ist mein Ex-Partner ein Mensch mit Stärken und Schwächen, der an einer Persönlichkeitsstörung leidet, dennoch ist und bleibt er für mich in allererster Linie Mensch.

Innerpartnerschaftliche Turbolenzen finden immer zwischen zwei Personen statt, für mich bedeutet das, dass auch beide einen Anteil daran tragen. Erkennt man die Störung des Partners als solche und begreift, dass gerade reflektierendes Verhalten, das ist wozu er aufgrund dieser Störung nicht fähig ist, ist man als Person, die selbst in der Lage ist zu reflektieren doch förmlich gefordert, dies auch für sich allein nach Ende der Partnerschaft oder bei Fortbestehen für beide zu nutzen.

Das alles mindert nicht den Schmerz und das Leid, dass diese Erfahrung zwangsläufig mit sich führt, aber mit dem Erkennen birgt es eben auch in meiner eigenen Wahrnehmung ein unglaubliches Poten. und das ohne den Narzissten dauerhaft abzuwerten und damit das Gleiche zu tun, was er aufgrund seiner Wahrnehmungsstörung tut.

LG Vidi

08.07.2018 08:19 • x 6 #1


Sabine

Sabine

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Hallo

Mich interessiert, wer den Narzissmus denn festgestellt hat? Ein Therapeut, Psychologe, Dr. Psychiatrie ?

Oder ist es eher mehr Egozentrik?

Ich dachte, dass sich das in zwei Jahren hier gelegt hat, mit narzisstischen Diagnosen :roll: :wand: :boese:

Eine Persönlichkeitsstörung liegt erst vor, wenn sie ärztlich diagnostiziert wurde.

Konstruktiv wäre, wenn du dein Wohl nicht von dem des Partners abhängig machst. Nehme ihn wie er ist. Ändern kannst du nichts.

Ändern kannst du nur die Einstellung zu dir selbst und die Akzeptanz, dass der Partner ist wie er ist.

Ob dir das hilft?

Du bist noch frisch hier. :wink: Versuche also nicht mehr deinen Partner zu sehen, und irgendwie an ihn herum zu basteln. Du kannst ihn nicht verändern und er wird sich nicht verändern, wenn er selbst die Notwendigkeit nicht erkennt.

Daher ist die einzige Möglichkeit, sich selbst neu aufzustellen, Grenzen zu definieren, erfahren, warum dich etwas stört.

Das du nicht einverstanden bist, es dich verletzt oder auch wütend macht oder ohnmächtig, DU dich verletzt fühlst, ist, weil du es zu dir selbst zulässt.

Also kannst du nur deine eigene Einstellung zum Leben, Partner und dich selbst ändern. Damit kannst du auch deine Emotionen hinterfragen und deinen Umgang mit den Problemen die du hast. Denn der Gegenüber hat sie nicht. Es ist nur deine Wahrnehmung.

Ich hoffe, du kannst mir folgen.

Lg

08.07.2018 09:04 • x 3 #2


Gretel

Gretel

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Ein Mensch HAT keine Persönlichkeit"störung" oder Wahrnehmungsstörung, sondern er IST das.
Das ist - wie bei jedem Menschen - intersubjektive Ich-Identität.

08.07.2018 09:12 • x 4 #3


Ex-Mitglied

Hallo Sabine,

danke für deine Antwort. Erst einmal, es geht mir nicht um Rat suchen, sondern um Austausch von Erfahrungen und um einen positiven konstruktiven Umgang mit den gemachten Erfahrungen.

Das, was du schreibst, genau darum geht es mir, nicht den anderen verändern wollen, das funktioniert meines Erachtens in keiner wirklich liebevollen und stabilen Partnerschaft, sondern sich selbst innerlich zu bewegen.

Störung klingt negativ und ich mag dieses Wort in diesem Zusammenhang eigentlich auch gar nicht. Für mich sind das einfach unterschiedliche Wahrnehmungswelten, wo allerdings Kommunikationsprobleme vorprogrammiert sind, wenn man um die Welten nicht weiß.

Wie geschrieben mir geht es hier null um Abwertung oder den anderen Verändern wollen.

08.07.2018 09:26 • x 5 #4


Sabine

Sabine

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Zitat von Vidi:
Austausch von Erfahrungen und um einen positiven konstruktiven Umgang mit den gemachten Erfahrungen.


geht so:

Zitat von Sabine:
Also kannst du nur deine eigene Einstellung zum Leben, Partner und dich selbst ändern. Damit kannst du auch deine Emotionen hinterfragen und deinen Umgang mit den Problemen die du hast. Es ist nur deine Wahrnehmung.


:wink: :freunde:

08.07.2018 09:48 • #5


ysabell

Liebe Vidi,

Zitat:
Störung klingt negativ und ich mag dieses Wort in diesem Zusammenhang eigentlich auch gar nicht.


ja, ist negativ konnotiert, aber neulich dachte ich gerade, dass das Wort Störung oder auch sich gestört fühlen, sehr treffend ist. Also im Sinne, wie es auch eine Funk-Übertragungsstörung etc. geben kann.

Zitat:
aber mit dem Erkennen birgt es eben auch in meiner eigenen Wahrnehmung ein unglaubliches Poten. und das ohne den Narzissten dauerhaft abzuwerten und damit das Gleiche zu tun, was er aufgrund seiner Wahrnehmungsstörung tut.


auch ich habe schon ein paar Mal in einer Beziehung ordentlich einen auf die Neun bekommen. Heute denke ich mir, dass ich unbewusst, aber aktiv diese Situation mit erschaffen habe. Ich habe mir diesen Menschen in mein Leben geholt und gewiss nicht nur weil er mir etwa am Anfang etwas anderes vorschauspielerte, sondern weil mein Unbewusstes ihn auch wegen seines "gestörten" Wesens wollte :) Klingt vielleicht etwas strange, aber es ist sehr komplex und ich habe gerade nicht die Zeit, das näher auszuführen.
Habe neulich gelesen, dass unnser Unbewusstes 4O OOO, vielleicht sind`s sogar Millionen? Infos pro Sekunde aufnimmt, das Bewusstsein nnur 4O.! Darum egal, ob 4O OOO oder 4O. Million. Was zählt ist, dieser extreme Unterschied. Und wir reagieren viel stärker auf das Unbewusste, als das Bewusste.
Darum glaube ich, dass wir unbewusst genau wissen, wen wir da in unser Leben ziehen. Zumal es klar ist, dass es ein eigenes Lebensthema ist, wenn man mehrmals solche Partner hat.
Das mag provokant klingen, aber ich vermute, dass ich mich nichtmal verliebt hätte, wenn er nicht "gestört" wäre. Und es ist ein Spiegel, dass bei mir selbst noch etwas gestört ist.
Das alles macht mir Menschen, die mir schadeten nicht zum Freund, aber ich kann frei von Groll gehen. Kein Abwertungsbedürfnis.

Bin gestern dem Psychoanalytiker Arno Gruen verfallen :)
Ich finde dieses Interview großartig. Er erklärt wunderbar, wie Menschen den Kontakt zu ihren eigenen Emotionen verlieren.
Ein Vergnügen, ihn sprechen zu hören.

08.07.2018 09:50 • x 7 #6


Ex-Mitglied

"Funkübertragungsstörung" triffts ziemlich. Mein Freund hat immer gemeint, mir muss irgendwo im Kopf etwas fehlen, weil er mir ja die ganze alles Zeit erklärt. Mir war damals nur seine Wahrnehmungsebene nicht vertraut, darin war tatsächlich alles, was er sagte kohärent und in sich stimmig.

Zitat:
Habe neulich gelesen, dass unnser Unbewusstes 4O OOO, vielleicht sind`s sogar Millionen? Infos pro Sekunde aufnimmt, das Bewusstsein nnur 4O.! Darum egal, ob 4O OOO oder 4O. Million. Was zählt ist, dieser extreme Unterschied. Und wir reagieren viel stärker auf das Unbewusste, als das Bewusste.
Darum glaube ich, dass wir unbewusst genau wissen, wen wir da in unser Leben ziehen.


Das meine ich mit Entwicklungspotenzial. Danke dir für das Interview!

08.07.2018 10:14 • x 3 #7


NotSure

Geht es hier nur um diagnostizierter NPS oder um PS allgemein? Da viele ja gar nicht zum Arzt gehen, haben die wenigsten eine Diagnose. Sprich, die Partner haben eine Vermutung. Wie ich im anderen Strang schon schrieb, können auch andere PS oder Erkrankungen dahinterstecken.
Meinen Ex finde ich sowohl bei der NPS, als auch bei der Schizoiden-PS, hebephrenen Schizophrenie, anankastischen Störung, Psychopathie etc. von allem etwas.

09.07.2018 13:37 • x 4 #8


leilani1801

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Zitat von Sabine:
Mich interessiert, wer den Narzissmus denn festgestellt hat? Ein Therapeut, Psychologe, Dr. Psychiatrie ?


Ich denke, dass die meisten, die bei ihrem (Ex)-Partner eine narzisstische Problematik feststellen, dies auch aus einem guten Grund tun. Mal unabhängig davon, dass es in den letzten Jahren zu einer Art Modeerscheinung geworden ist, lässt sich bei vielen doch ein Grundproblem herauslesen:

Man befindet sich in einer Liebesbeziehung in der man sich nicht wohl fühlt, weil das Gegenüber Kritik und Probleme nicht annimmt. Die Gefühle des Partners abtut, oft sogar abspricht, sich jeder Verantwortung entzieht und das "Problem" ausschließlich beim unzufriedenen Partner verortet.

Genau hier liegt nämlich das Problem: in einer Beziehung mit einem narzisstischen Gegenüber ist keine Beziehungsarbeit möglich, sondern Kritik wird als Gefahr empfunden und lediglich mit der Abwertung des Partners gekontert.
Da Narzissten aber durchaus in der Lage sind gegenüber anderen Menschen mit denen sie nicht so nahe verbunden sind, ein positives Bild von sich zu generieren, macht es einem Menschen, der so eine Problematik bislang nicht kannte überaus schwer sich zu distanzieren und man beginnt tatsächlich an sich und der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln.

Dazu kommt dann ja noch, dass der narzisstische Part, die Beziehung nicht beendet (was ja eigentlich logisch wäre. Denn was will man von einem Menschen, den man nicht respektiert?), sondern aus der eigenen Bedürftigkeit heraus den Status Quo möglich lange aufrecht erhält, so lange bis der andere einfach nicht mehr kann und aus Selbstschutz irgendwann die Segel streicht.

Wenn eine respektvolle Klärung von Beziehungsproblemen dauerhaft nicht möglich ist bzw. sobald ich merke, dass mein Partner mit Abwertungen "arbeitet", dann bin ich weg.
Allerdings brauchte es bei mir eine gewisse Reife bis ich soweit war.

09.07.2018 13:57 • x 7 #9


NotSure

Zitat von leilani1801:
Dazu kommt dann ja noch, dass der narzisstische Part, die Beziehung nicht beendet

Ich z.B. wurde fallen gelassen, man könnte auch sagen entsorgt. So fühlte sich das jedenfalls an. Ohne Angabe von Gründen, keine Aussprache, nichts.
Muss allerdings dazu sagen, dass ich "unbequem" war, mir nicht alles gefallen liess. Immer wieder sein seltsames Verhalten, seine kryptischen Aussagen thematisierte. Dann wurde seinerseits geschwiegen, gemauert. Zum Ende hin war ich allerdings zu krank und zu erschöpft dazu.


finde das passt auch ganz gut

09.07.2018 15:16 • x 2 #10


Ex-Mitglied

Leilani, deine Antwort auf Sabines Frage trifft es so, wie ich es gern ausgedrückt hätte, aber nicht konnte.

LG Vidi

09.07.2018 15:43 • x 1 #11


ysabell

Zitat:
Mein Freund hat immer gemeint, mir muss irgendwo im Kopf etwas fehlen, weil er mir ja die ganze alles Zeit erklärt. Mir war damals nur seine Wahrnehmungsebene nicht vertraut, darin war tatsächlich alles, was er sagte kohärent und in sich stimmig.


das verstehe ich nicht ganz Vidi. Wie meinst Du das?
Finde es seltsam, wenn jemand behauptet, bei einem würde was nicht stimmen und er wird`s einem jetzt erklären. . .
Und was war stimmig und kohärent?

@NotSure

das Video von Arno Gruen kenne ich noch gar nicht! Schaue es mir an, wenn ich Zeit habe. Danke!

09.07.2018 16:11 • x 2 #12


NotSure

Zitat von Vidi:
Mein Freund hat immer gemeint, mir muss irgendwo im Kopf etwas fehlen, weil er mir ja die ganze alles Zeit erklärt.

Ach, das wäre schön gewesen, wenn er mir mal was erklärt hätte. Auf meine Fragen nach seinen Bedürfnissen/ Wünschen geantwortet hätte. Ich hatte eher das Gefühl, Gedanken lesen können zu müssen. Wenn ich das nicht kann, bin ich falsch, würde ihn nicht lieben.

09.07.2018 16:20 • x 2 #13


Ex-Mitglied

Zitat von ysabell:

das verstehe ich nicht ganz Vidi. Wie meinst Du das?
Finde es seltsam, wenn jemand behauptet, bei einem würde was nicht stimmen und er wird`s einem jetzt erklären. . .
Und was war stimmig und kohärent?


Nee, ich fand das genauso seltsam, wie du Ysabell und war über die Worte sehr gekränkt. Ich habe nur nicht verstanden, dass er Kommunikation auf der emotionalen Ebene mit Unternuancen nicht erfassen und verstehen kann.

Mal ein Beispiel:
Ich hatte vorher eine sehr liebevolle Partnerschaft. Wenn wir, was extrem selten vorkam, einmal eine Meinungsverschiedenheit hatten und ich sauer war, kam mein Freund dennoch auf mich zu, auch wenn ich noch, aufgrund unseres Disputs, abwehrendes Verhalten gezeigt habe. Er hat meine emotionale Stimmung erfasst und hat mich einfach in den Arm genommen.

Mit meinem jetzigen Partner ist es anders. Er hat keinen direkt Zugang zu seinen Emotionen und versteht demzufolge auch Emotionen bei anderen nicht bzw. kann er sich nicht in andere hineinversetzen oder das, was sein Gegenüber empfindet, nachempfinden. Er orientiert sich ausschließlich an dem was gesprochen wird. Zeige ich bei ihm abwehrendes Verhalten, nimmt er das sehr ernst, kommt im Leben nicht auf die Idee, dass ich emotional Zuspruch bräuchte und bleibt so fern er kann, bis ich mich wieder melde. Gelebte Emotionalität macht ihm eher noch Angst, weil er das nicht deuten kann. Ich habe das immer als ein im Stich lassen empfunden und dachte er wollte mich einfach nicht verstehen, gibt sich nicht ausreichend Mühe. Fakt ist aber, er kann es einfach nur tatsächlich nicht und das hat er diverse Male auch versucht mit mir zu kommunizieren.

Seiner Ansicht nach, war ich diejenige, die nicht richtig zuhört. Meiner Meinung nach, war er derjenige, der nicht auf mich eingehen will. Da es tatsächlich Menschen gibt, die so etwas mit Absicht machen, habe ich ihm das auch immer unterstellt. Bis ich mal verstanden habe, dass wir in völlig unterschiedlichen Wahrnehmungswelten leben, hat es lange gedauert. Funkübertragungsstörung.

Es ist zwar nicht nett von ihm formuliert gewesen, aber aus seiner Sicht hat er sich immer wieder Mühe gegeben mir zu erklären, dass er mit emotionalen Situationen überfordert ist. Es kam dann immer ein: Das verwirrt mich und das sollte und musste mir eben reichen.

09.07.2018 16:58 • x 3 #14


Ex-Mitglied

Zitat von NotSure:
Ach, das wäre schön gewesen, wenn er mir mal was erklärt hätte. Auf meine Fragen nach seinen Bedürfnissen/ Wünschen geantwortet hätte. Ich hatte eher das Gefühl, Gedanken lesen können zu müssen. Wenn ich das nicht kann, bin ich falsch, würde ihn nicht lieben.


Erklären ist hier eigentlich mehr ein Euphemismus. "Das verwirrt mich, das strengt mich an, das ist zuviel für mich usw." Ich musste schon selber lernen, dahinter zu schauen und ich habe lange gebraucht..

09.07.2018 17:06 • x 2 #15




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