whynot60
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Ich glaube - weil Du das ausführlicher beschrieben hast -, es geht bei einer sogenannten Affäre durchaus nicht allein um S.x, schon gar nicht bei Frauen. Alleine, daß einem jemand Aufmerksamkeit schenkt, Interesse zeigt, Komplimente macht, einem wirklich zuhört, man Neues kennenlernt, Selbstbestätigung erhält usw. usw. erweckt schon die Gefühle.
In den meisten Fällen ist es ja so, daß die bestehende Beziehung eben schon mehr oder weniger ausgebrannt ist und nur wegen Gründen aufrechterhalten wird, die mit tieferen und ernsthaften Gefühlen für den Partner nichts mehr zu tun haben. Im Grunde befindet man sich emotional in einem "Solozustand", und dann kann es eben auch bei jemand anderem funken und man spricht genauso darauf an, als wäre man eben solo. Das heißt, es entwickelt sich hier emotional eine Beziehung, wie sie sich auch entwickeln würde, wäre der Betreffende ungebunden (wie er es emotional zumindest weitgehend eben auch ist). Auf der anderen Seite ist er aber eben formal gebunden, und das führt bei den meisten unweigerlich zu einem schweren inneren Konflikt. Manche schaffen es zwar, diesen irgendwie notdürftig auszubalancieren oder blenden einmal dieses, einmal jenes aus. Aber letztlich wird es eben darauf ankommen, was schlußendlich die Oberhand gewinnt, ob die entfachten Gefühle oder die formale Gebundenheit. In den meisten Fällen wird es die formale Gebundenheit sein, zum einen, weil man aus Erfahrung weiß, daß auf Gefühle nicht unbedingt ein dauerhafter Verlaß ist und auch die neuen Gefühlen irgendwann mit hoher Wahrscheinlichkeit abebben werden, zum anderen, weil es immer viel mehr Angst macht, etwas Neues zu wagen als am Alten und Gewohnten festzuhalten. Am ehesten wird ein tatsächlicher Ausbruch dann gewagt, wenn die bestehende Beziehung nicht nur eingeschlafen, sondern richtig mies und belastend ist und dann auch eine Hoffnung auf eine wirklich wesentliche Verbesserung in der neuen Beziehung besteht. Denn mit "eingeschlafen" können durchaus viele leben, mit mies schon deutlich weniger.
Bei Deiner "AF" war und ist die bestehende Beziehung offenbar aber nicht unglücklich im eigentlichen Sinn, sondern lediglich in manchen Bereichen abgestumpft. Und damit scheint Deine "AF" eben gut leben zu können, auch wenn die Beziehung mit Dir sicher manches in ihr wieder belebt habt, das ihr durchaus wichtig sein mag, aber nicht wichtig genug, um die bestehende Beziehung deswegen aufzugeben. Oder ihre Gefühle waren vielleicht doch nicht so tief oder ihr bedeutet Liebe generell eben nicht die Welt.
Wie ja schon öfter gesagt worden ist, spielt das letztlich auch keine Rolle. Zwar ist es verständlich, daß Du derzeit emotional damit nicht klarkommst. Das würde ja vielen so gehen. Aber dennoch wird es Dir nicht erspart bleiben, der Realität ins Auge zu sehen, auch wenn das noch so hart sein mag im ersten Moment. Es ist ganz offensichtlich, daß - um es salopp zu sagen - der Zug abgefahren ist. Je eher Du das akzeptierst, um so besser für Dich.
Wenn Du aber die "harte Tour" bevorzugst, dann konfrontiere Dich damit und schreibe ihr noch einige Male. Ich bin mir ziemlich sicher, daß Du dann bald einmal einige genervte "Nettigkeiten" an den Kopf geworfen bekommst, die Dich nicht nur zum Aufwachen bringen, sondern Dir zu den schönen Erinnerungen auch noch ein paar abschließende unschöne bescheren.
LG



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