Zitat von Femira:Erzähl mir eine Geschichte!

Bitte....
Ich brauch so ne kleine Leiche als Aufmunterung... Find die Situation immer noch sehr unfair. Ich immer noch am Leben neu ausrichten und rumstrauchelnd und er...sofort glücklich mit NEXT.
Geht mir zwar nicht mehr so beschissen, sondern die meiste Zeit schon wieder echt gut, aber so ne aufgequollene Leiche... hätte ich schon gern.


Naja, also zum Beispiel war ich vor gut 15 Jahre ein gutes Jahr lang mit einem Kerl zusammen, der mich erst nach Strich und Faden umgarnt und dann, als er mich sicher wusste (was verdammt schnell ging), emotional am austreckten Arm verhungern ließ.
Wie leider häufiger in meiner "Beziehungs-Karriere" auch er ein KOMPLETT empathiebefreiter Mensch. Komplett. Er hatte nicht mal Empathie seinem Sohn gegenüber. Das hat mich damals "fast beruhigt", weil ich dachte: Wenn er so kaltschnäuzig mit seinem (damals 11jährigen!) Kind umgeht, kann es nicht rein an mir liegen, dass er mir gegenüber auch so erfrierend kalt ist.
Ich habe mich unter Auferbietung meiner ganzen Kraft damals aus der Sache mit ihm gelöst, es tat aber
mörderisch weh und es hat mich sehr lange Zeit gekostet, bis ich einigermaßen darüber hinweg war. Hier vor allem auch darüber hinweg und im Frieden damit, wie überaus mies ich mich habe behandeln
lassen und jede Sekunde nur noch auf ein Zeichen von ihm gewartet habe, bis ich - völlig entkräftet - da auf dem Zahnfleisch raus bin.
Die Geschichte hat mir also enorme Schmerzen bereitet und noch lange, lange beschäftigt.
Ihn hat damals nicht getroffen, dass ich mich getrennt habe. Ihn hat getroffen, dass mit der Trennung die mannigfachen VORTEILE, die er aus mir und dieser Verbindung gezogen, nein GESAUGT hatte, nicht mehr zu seiner freien Verfügung standen. Menschlich war ihm das relativ Wumpe.
Er hatte dann - übliche Nummer - binnen kürzester Zeit eine Neue: um die 25 Jahre jünger als er, ein richtiges "Mädchen", Studentin. (Die beiden sind heute noch zusammen).
Erst vier, fünf Jahre nach der Trennung und seiner Neuen habe ich es geschafft, ihn das erste mal mal wieder zu sehen/treffen. Seine junge Next war auch dabei.
Erste Leiche: Sie tat mir leid, denn wir saßen zu dritt am Tisch und er hat sich über zwei Stunden fast VERRENKT vor lauter Freundlichkeit und "Witzigkeit" mir gegenüber. Und das Beste war: Er war mir egal bis wirklich unangenehm (ihr gegenüber), ich fand seine Freundin ehrlich gesagt sehr viel sympathischer als ihn und habe immer wieder
sie angesprochen, weil er mit total auf den Sack ging mit seiner lächerlichen Buhlerei.
Das war nicht Leiche eins, aber er schon fast untot.
Noch mal drei Jahre später haben wir uns noch mal getroffen, dieses mal nur er und ich zum Essen und ... er hat mich zu Tode gelangweilt. Ich habe nach 20 Minuten innerlich nur noch gegähnt. Er hat sämtliche "Eroberungstricks" versucht anzuwenden, die er bei unserem ersten Kennenlernen 9 Jahre früher auch angewandt hat.
Nur haben sie mich dieses mal wirklich zutiefst gelangweilt.
Er hat sich also ein Bein ausgerissen, um mich irgendwie zu beeindrucken und wirkte auf mich gleichzeitig wahnsinnig schwach (körperlich wie mental). Ich habe nur gedacht: Na, 25 Jahre jüngere Frau ist dann wohl doch etwas anstrengend, wie? Und wie kannst Du im ERNST denken, dass Du mich mit dieser dämlichen uralten Masche jetzt noch beeindrucken kannst.
Da war er endgültig eine Leiche. Aufgedunsen, leblos, wenn überhaupt, dann nur noch ein Röcheln.
Ich habe die zwei dann vor zwei Jahren noch mal getroffen bei einem Anlass über gemeinsame Freunde.
Er wirkte noch kleiner, schwächer. Sie scheint da mit ihrer jugendlichen Kraft und Energie (und sie ist ECHT sympathisch) voll das Zepter übernommen und alles umgedreht zu haben.
Mir schien, dass SIE da jetzt von IHM profitiert.
Schöner Spruch, den ich irgendwo hier im Forum mal gelesen habe und der genau beschreibt, wie es mir damit ging: "Es war mir ein innerliches Blumenpflücken".
Mein Gott, was habe ich gelitten wegen dieses Typen. Ich dachte, ich erhole mich nie davon.
Und ja, es hat viele Jahre gedauert. Aber dann kam die Leiche vorbeigeschwommen.
Wäre mir eigentlich egal gewesen, ich brauchte keine Genugtuung mehr. Die hätte ich Jahre vorher benötigt.
Aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es mir nicht doch auch einen kleinen Grinser aufs Gesicht gezaubert hat. JAHRE später.
