Ach Naomi, Du hörst Dich so getrieben an. Auf der einen Seite genießt Du natürlich die Nähe, die Du Deinem Kind geben kannst und das Kind Dir, nachdem ihr euch den ganzen Tag nicht in den Arm nehmen konntet. Auf der anderen Seite denkst Du über grüne Salbe nach. Du möchtest Geborgenheit geben. Dein Kind sucht sie durch Körperkontakt und Milch und die Milch soll jetzt bitter schmecken, damit er es sein lässt. Du reibst Dich zwischen euren Bedürfnissen und der Erwartung Außenstehender völlig auf.
Hat Dein Mann denn überhaupt gesagt, dass ihn das Stillen oder das Kind in eurem Bett oder Du eingeschlafen neben dem Kinderbett stört? Nicht, dass Du an der völlig falschen Stelle herumwerkelst und euer Paarproblem ganz woanders liegt.
Muttergefühle sind aus meiner Sicht nichts Schlimmes, verwerfliches, egoistisches oder nehmen Deinem Mann irgendwas weg. Die Nähe zum Partner ist doch bitteschön eine ganz andere (!) und findet dann statt, wenn der Kopf dafür frei ist. Unabhängig von den Kindern. Abhängig vom Streß allgemein.
Die Nähe zu den Kindern ist eine streßunabhängige bzw. streßabbauende, instinktive, gegen die Du Dich gar nicht wehren kannst und solltest. Und die ja nicht alternativ zur ehelichen Nähe steht, sondern etwas ganz anderes ist.
Und zu den Erwartungen der Außenwelt und den Realitäten fernab von Erziehungsratgebern:
Mein großes Kind stillte sich wie im Lehrbuch nach 6 Monaten ab, schlief alleine, ist aber tagsüber total zuwendungsbedürftig. Der Kleine ist tagsüber viel unabhängiger und hat sich schon nach 4 Monaten abgestillt, wollte danach noch lange die Flasche mit warmem Wasser zum Einschlafen und, braucht bis heute mein "bei ihm sein", um in den Schlaf zu kommen, schläft dafür überall und innerhalb von Minuten tief und fest und krabbelte dennoch jede Nacht bzw. frühmorgens, bis er 4 war, in mein Bett und suchte im Schlaf noch mit seiner Hand nach mir, brauchte also direkten Körperkontakt. Ob ich das aus unterbewussten selbstsüchtigen Trieben so gesteuert habe oder einfach jedes Kind anders ist und man dessen Bedürfnisse einfach so nehmen muss, wie sie sind, ist doch völlig egal.
Wenn ich nachts in Ruhe schlafen will, gebe ich der Großen tagsüber genug Kuscheleinheiten und Mamazeit, dem Kleinen dann beim Einschlafen und lass die Schlafzimmertür einen Spalt offen, falls nachts meine Nähe gebraucht wird und wir Besuch bekommen. Und daran ist meine Ehe auch nicht gescheitert. Und das Intimleben mit meinem Freund jetzt ist perfekt. Wo ein Wille...
Die Ehe ist gescheitert, weil mein Mann mit seiner Hausmannrolle nicht klar kam, aber auch nicht die Kraft hatte, sich das einzugestehen und sie abzugeben und arbeiten zu gehen. Das machte ihn unzufrieden. Und erst eine neue Frau hat ihm wieder das Gefühl gegeben, ein "ganzer" Mann zu sein. Er fühlte sich bei mir als "Versager" und auch 6 könnte daran nichts ändern. Wer sich in der Beziehung klein fühlt, hat weder die Lust zu verführen, noch will er verführt werden, noch bedeutet 6 dann Nähe. Und mich so klein zu machen, dass er sich wieder groß fühlen konnte, ist mir trotz all dieser den Mann loben, entlasten und verführen Geschichten nicht gelungen. In seinen Augen war er während der Hausmannphase von mir abhängig und schwach und kein richtiger Mann mehr. Und diese Selbstwahrnehmung war direkt mit meiner Person, unserem Umfeld, der Wohnung, dem Wohnort und sogar den Kindern verknüpft und er musste alles weit hinter sich lassen, um wieder "zu sich" zu finden. Er hatte sich von der Rolle des Hausmanns viel zu romantische Vorstellungen gemacht und konnte dort seinen eigenen Ansprüchen nicht genügen und sich dieses "Versagen" aber auch nicht eingestehen. Reden, Rollentausch, mehr Entlastung, Aufmerksamkeit, Paartherapie und Einzeltherapie halfen alles nichts. Erst die Anerkennung einer anderen Frau weit weg von allem hier half.
Ich hoffe, bei Dir ist es anders und es liegt wirklich nur am Stillen und daran, dass Dein Mann nur abends kann und will und das Stillen ihn daran hinderte und er sich dadurch zu wenig beachtet gefühlt hat. Dann könntest Du es retten, wenn Du dem Jüngsten die Milch so bitter machst, dass er auf andere Geborgenheit bei Dir ausweicht.
Aber wenn die Probleme tiefer liegen und Dein Mann lieber heimlich im Keller weint als Dir sein Problem zu offenbaren und es gemeinsam mit Dir zu lösen, dann ist grüne Salbe nur der Strohhalm an den Du Dich klammerst, bevor alles den Bach runter geht. Ein mikderes Mittel ist (viel) Pfefferminztee für Dich und Babyflaschen mit lauwarmem Wasser gefüllt fürs Kind.
Das Feedback an Hausmänner aus Familie und Umfeld ist mindestens so fies wie das Feedback an "Langzeit"stillende. Da reichen Blicke und freundliche Nachfragen und übertriebenes Lob, dass er es doch tatsächlich geschafft hat, auch einen Kuchen zum Kitasommerfest beizusteuern. "Oder hat den ihre Frau gebacken?" Und zack, ist er wieder einen cm kürzer. Ohne dass Du irgendwas tun kannst. Und obwohl er Dir stolz die schlagfertige Erwiderung nennt, mit der er es dieser blöden Kitakuh gezeigt hat. Wir sind in Deutschland halt noch nicht so weit und nur wenige Hausmänner finden eine Rolle, in der sie sich wohl fühlen.