Meine liebe Memi,
schön, von dir zu lesen, auch wenn der Anlass natürlich nicht so schön ist.
Ich versteh, was du meinst mit dem nicht schreiben können. Mir ging das auch schon so. Irgendwie wollte ich meine Gedanken hier mitteilen und dann wusste ich nicht, was ich sagen soll.
Man hat ja zum einen das Gefühl, dass man sowieso alles schonmal gesagt hat und sich eh nur im Kreis dreht. Und dazu kommt noch, dass manche Gedanken sich einfach (noch) nicht fangen lassen. Ich glaub ich hab mal hier geschrieben, dass es sich für mich wie so ein Schmetterling anfühlt, der sich noch nicht auf die Blume setzen will
Ich könnte mir vorstellen, dass diese Gedanken im Unterbewusstsein "umherwabern" aber es noch zu früh ist, um sie klar zu benennen. Ähnlich diffus wie ein Bauchgefühl. Oder der Titel von einem Lied, das man hört und der einem nicht einfallen will. Ich glaub du weißt, wie ichs meine
Zitat: Und, dass ich mit ihm zusammen war, fühlt sich manchmal fast unwirklich an. Das macht mich sehr traurig und kann auch grad nicht einordnen, ob meine Gefühle für ihn nur noch vorhandene "Reste" sind, die sich an die alten Zeiten klammern. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass es mich langsam nervt. Ich schleppe seit Monaten diese Traurigkeit mit mir rum, die sich zwar gewandelt hat - aber sie ist eben immer noch da.
Ich denke, es macht dich traurig, weil es dir eben auch bewusst macht, dass es kein Zurück mehr gibt. Und man was die Zukunft betrifft im Moment vor einem riesigen Fragezeichen steht. Da ist plötzlich kein anderer mehr, an dem man sich bezüglich seiner Träume und Vorstellungen orientieren kann. Dass sein Bild jetzt für dich verblasst, löst ja vielleicht auch eine gewisse Angst in dir aus. Dieses letzte Stückchen loslassen, das fehlt einfach noch. Ich glaube aber, dass das völlig normal ist und genauso zum Prozess dazugehört, wie die Trauer, die Wut, die Eifersucht, die Komplexe etc.
Ich weiß nicht, ob es dir auch so geht, aber mich verunsichern diese Tage extrem, an denen eigentlich alles ganz okay ist und ich auch "nur" diese unterschwellige Melancholie verspürt habe.
Denn man denkt, dass diese traurige Grundstimmung nie mehr weggeht. Und man hat Angst, nie mehr ganz glücklich zu sein. Diese Angst hat man finde ich an den Tagen, an denen es einem total mies geht,nicht so stark, weil man schon weiß, dass man nicht sein Leben lang jeden Tag heulen kann.
Das andere, diese unterschwellige Traurigkeit, ist da viel subtiler und auch gemeiner.
Ich denke aber, dass das früher oder später auch geht. Entweder von selbst oder durch irgendeinen Impuls von dir. Was dieser Impuls sein könnte, wirst du dann denke ich aber spüren. Oder- und das habe ich auch schon hier im Forum des Öfteren gelesen- du wachst irgendwann auf und es hat quasi "über Nacht" klick gemacht.

Das wünsch ich dir bald, liebe Memi.
So oder so wird es irgendwann vorbei sein. So lange ist die Trennung einfach auch noch nicht her. Ich denke, du musst dich da, auch wenn es nervt und frustrierend ist, wieder etwas in Geduld üben.
Das mit ihm und allem was da passiert ist, ist ja auch keine stinknormale Trennungsgeschichte. Sondern seine Problematik hat auch eine gewisse Mehrbelastung für dich bedeutet. Dazu kommt dann, dass er warm gewechselt hat und auch noch die Nummer mit den Fotos. Bitte vergiss nicht, dass das kein Beziehungsende á la "Auseinandergelebt" war. Du musstest einige Verletzungen mehr einstecken.
Es ist vollkommen normal, dass du immernoch daran zu knabbern hast, weil die Wunden, die heilen müssen, einfach sehr tief waren. Sei geduldig mit dir!
Zitat:Wenn ich von der Arbeit nach Hause fahre, wenn ich abends vor dem Fernseher sitze, wenn ich allein koche...in so vielen Situationen fühle ich mich so allein und habe solche Sehnsucht nach ihm. Das nervt mich so, ich will das einfach nicht mehr! Ich will endlich wieder glücklich sein - oder mich zumindest "neutral" fühlen können.
Das versteh ich. Es ist auch besonders hart, dass du deinen Alltag jetzt wieder alleine haben musst, nachdem ihr zusammen gewohnt habt. Aber du wirst auch wieder glücklich sein! Das warst du nach deinem ExEx auch wieder. Also wirst du es diesmal auch schaffen. Und wenn du ganz große Sehnsucht nach ihm hast, dann erinnere dich nochmal daran, was er für schei. gebaut hat. Ich weiß, das kann man auch nicht in allen Momenten aber wir idealisieren da beide glaube ich immernoch. Bzw. wir wissen schon, was schlecht war aber es gibt noch zu viele Momente, wo wir das Gute als übermächtig spüren. Man muss sich wirklich zwischendrin vor Augen halten, was das für Typen sind.
Zitat:Und dabei gab es mal eine Zeit in meinem Leben, wo ich geglaubt habe, dass ich ihn immer immer lieben werde. Nix da. Das macht mir zumindest ein bisschen Mut, dass ich auch dieses Mal darüber hinweg komme. Im Moment ist aber die Vorstellung, dass mir mein Ex irgendwann gar nichts mehr bedeuten wird einfach nicht greifbar.
Das sollte dir auch Mut machen. Gerade die Tatsache, dass du es dir schonmal überhaupt nicht vorstellen konntest, dass du irgendwann nichts mehr empfindest. Aber je mehr Zeit ins Land geht, desto näher kommst du diesem Ziel auch bzgl. deines Ex-Freundes. Der Moment, wo du die ganze Sachen "von außen", also wie ein externer Beobachter sehen kannst, ist noch nicht da. Dafür ist es noch zu früh. Aber das wird kommen. Vielleicht ist es ein erster Hinweis, dass das Bild von ihm verblasst.
Hast du denn irgendwie die Option, dir in naher Zukunft mal einen Urlaub oder so zu gönnen? Vielleicht wäre es ein guter Input, mal was anderes zu sehen und ein bissschen räumlichen Abstand zu gewinnen?
Memi, ich glaub du bist nicht mehr so weit vom Ziel. Halte durch und mach dir jeden Tag bewusst, dass es okay ist, dass du diese Traurigkeit noch in dir trägst, denn du hast einen wichtigen Menschen in deinem Leben verloren. Wir wissen es alle, aber manchmal muss man es nochmal gesagt bekommen: das ist nichts, was man einfach so in ein paar wenigen Monaten abstreifen kann. Du bist da genauso ungeduldig wie ich und wie vermutlich ganz viele, denn niemand ist gerne traurig. Es ist ja auch unglaublich kräftezehrend und es wäre schön, seine Energie mal wieder komplett in was anderes stecken zu können. Aber das kommt auch wieder!
Zitat:Jedes blöde Gefühl, jede Träne, jedes nervige Gedankenkreisen und jeder einsame Tag sind ein Stückchen weniger auf dem "Verarbeitungsberg", den du abtragen musst. Auch wenn es sich besch***en anfühlt, du wirst dann wieder ein Häppchen los. Ich hoffe, du verstehst was ich meine, mir fällt gerade keine bessere Metapher ein.
Danke! Ich weiß genau was du meinst. Wenn es einem schlecht geht tendiert man immer dazu, zu denken, dass jeder traurige Tag die Sache noch schlimmer macht. Aber vielleicht kann man es sich so vorstellen, dass jede Träne, die man heult auch einen "traurigen" Gedanken abtransportiert. Und so lange, wie noch traurige Gedanken da sind, solange muss man sie rausweinen und den Verarbeitungsberg abtragen.
Zitat:Mir ist aber auch klar, dass ich nicht der Maßstab aller Dinge bin. Vielleicht geht es manchen Menschen wirklich so, dass sie sich in der Beziehung selbst nicht mehr aushalten (das war die Aussage von meinem Ex) und sich deswegen trennen müssen. Nur weil ich nicht so handeln würde, heißt das nicht, dass es für andere nicht der einzige Ausweg ist. Und bei deinem Ex war das womöglich auch so.
Ich fühle da wie du, denke aber auch, dass wir uns nicht als Maßstab nehmen können, weil nunmal jeder ein anderes Gefühl von Liebe entwickelt, allein schon durch die Erziehung/Kindheit und alle weiteren Erfahrungen. So wird es immer Menschen geben, die, unabhängig vom Partner, mehr lieben können als andere. Ich denke man ist auch öffener dafür, Liebe zu empfangen, wenn man sich selbst liebt. Für jemanden, der das nicht tut, muss es demnach auch unverständlich sein, wie jemand anders ihn lieben kann, wo er doch in seinen Augen nicht liebenswert ist.
Ja,ich denke bei meinem Ex könnte man das auch so sagen, dass er sich nicht mehr ausgehalten hat. Bzw. er hat es aufgrund verschwundener Gefühle nicht mehr ausgehalten. Die aber wiederum daraus resultiert haben, dass er sich aufgrund seiner Aktionen minderwertig gefühlt hat und mir vermeindlich nichts bieten konnte. Insofern läuft es auch darauf raus, dass er sich so nicht leiden konnte.
Zitat:Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass du nicht die Richtige für ihn gewesen bist. Viel eher glaube ich, dass er nicht der Richtige für dich war. Wenn dein Ex so große Probleme mit sich hat, wird ihm da niemand helfen können außer er selbst. Bitte versuch, von der Vorstellung abzukommen, dass er nur die passende Frau braucht um sich und seine Probleme in den Griff zu kriegen.
Danke, dass du meine Gedanken wieder ein bisschen zurecht rückst. Ich bin manchmal einfach in diesem Gedankenkarusell drin und steiger mich dann rein. Das war heute den ganzen Tag so. Du ahnst nicht, wie sehr es mir gerade geholfen hat, dass du geschrieben hast.
War wirklich ganz schlimm heute, ich lag den ganzen Tag eigentlich nur im Bett und hab gegrübelt. Ich wusste, dass es mir besser gehen wird, wenn ich aufstehe und aktiv werde, aber ich konnte es einfach nicht, habs nicht hinbekommen.
Was erschwerend hinzukam und mich zusätzlich extrem zurückgeworfen hat, war, dass ich gestern Abend unterwegs war und mein Ex an mir vorbeigelaufen ist. Es war dämmrig und im ersten Moment konnte ich es gar nicht richtig realisieren, dass er es wirklich war und ich war total geschockt. Ich weiß auch nicht, ob er mich gesehen hat, weil ich mich in meinem Schock abgewandt habe. Als ich mich dann umgedreht hab, weil ich doch das bedürfnis hatte, irgendwas zu ihm zu sagen, warum auch immer, war er schon weg. Danach war der Abend okay, einfach weil ich es nicht wirklich kapiert hab. Aber als ich dann zu hause war hat es mich komplett runtergezogen. Ich komme mir seitdem noch mehr so vor, als wäre die Trennung erst gestern gewesen. Ich bin im Nachhinein fast froh, dass er so schnell verschwunden ist und wir nicht miteinander geredet haben, denn dann würde es mir noch schlechter gehen.
Aber da siehst du den Menschen, mit dem du jahrelang alles geteilt hast und er geht an dir vorbei und ihr seid wie vollkommen Fremde. Das hat mich so erschüttert und so traurig gemacht. Auch zu sehen, er lebt sein Leben weiter, ohne mich. Das ist mir so schmerzlich und mehr denn je bewusst geworden und das Loch in dem ich seit gestern Abend hänge ist dementsprechend tief und schwarz.
Vielleicht musste das einfach sein, denn ich hatte ja schon die ganze Zeit Angst davor, ihn irgendwo zu sehen. Aber dieser kalte Ausdruck in seinem Gesicht...oder besser gesagt, dieser fremde Ausdruck...
Ich hab das Gefühl, wieder am Anfang zu stehen. Ich hoffe nur, dass es das Ereignis war, das ich gebraucht habe um zu kapieren, dass es vorbei ist. Wenn ich an gestern denke zieht sich alles in mir zusammen. Das war nicht der Mensch, der mir gesagt hat, dass er mich über alles liebt. Das war nicht der Mensch, mit dem ich stundenlang über Gott und die Welt geredet habe. Das war nicht der Mensch, mit dem ich die letzten Jahre in einem Bett gelegen habe. Diese Kluft, die da war...unbeschreiblich ätzend.
Zitat:Weil wir etwas unbezahlbares besitzen: Liebesfähigkeit. Es klingt zunächst wie ein schwacher Trost, denn gerade diese Liebesfähigkeit hat uns ja rein geritten in den ganzen Schlamassel. Aber schlussendlich wirst du wieder jemanden kennen lernen und dich genauso darauf einlassen können - weil das einfach du bist.
Und wieder einmal so kluge Worte von dir. Danke.
Zitat:insofern war er eben nicht der Richtige für dich. Der kommt erst noch.

Das will ich schwer hoffen. Für dich aber übrigens auch. Wir haben unser Lehrgeld doch echt bezahlt find ich!
Liebe Memi, ich drück dich auch ganz fest und hoffe du kannst gut schlafen. Und der leidige Sonntag ist zum Glück auch bald vorbei
Deine Ava