Zitat von jaqen_h_ghar:Es muss ja auch nicht immer gleich die Erklärung sein.
Ich gehe da noch viel weiter. Es muss überhaupt keine Erklärung sein.
Die von Dir angedeutete Kontrolle ist bei allen Erklärungsmodellen immer das um was es letztlich geht.
Das was in einem passiert, und das kann jeder an sich selbst beobachten wenn er es wirklich möchte, ist extrem simpel. Bestimmte Gefühle sind erwünscht, andere unerwünscht. Unser logisch denkendes Hirn, das so funktioniert Muster zu suchen, versucht diesen Gefühlen jetzt Geschichten zuzuordnen. Ich fühle mich so weil...und jetzt kommt ein beliebiges Märchen. Weil das Wetter doof ist. Weil der Partner doof ist. Im Geschichten erfinden und Ereignissen oder Gefühlen zuordnen ist das menschliche Hirn Meister.
Nächster Step ist dann die Phantasie, wenn ich nun dafür sorge, dass die Geschichten die mit negativen Gefühlen verbunden sind, nicht mehr passieren, fühle ich nie mehr Schmerz, Angst etc. Und im Gegenzug wird versucht das aufzubauen was an Geschichten mit positiven Gefühlen verbunden wird.
Da sich nun aber weder Leben noch Gefühle noch Ereignisse oder Gedanken kontrollieren lassen, geht das immer formvollendet in den Schlüpfer. Also werden neue kompliziertere Kontrollmechanismen versucht.
Verstärkt wird das Ganze dadurch, dass man sich vorgaukelt positive Gefühle selbst erreicht zu haben, an negativen aber im Regelfall ein äusserer Einfluss schuld zugewiesen wird. Das verstärkt die Illusion der Kontrolle um ein vielfaches.
Das ist auch kein theoretisches Modell, jeder der wirklich will und Selbstbeobachtung gelernt hat, kann es bei sich selbst beobachten.
Der ganze Unsinn, einschliesslich des Kontrollwunsches hört aber in dem Moment auf in dem jedes beliebige Gefühl nicht mehr beschrieben und klassifiziert sondern einfach als ein beliebiges Ereignis und unvermeidbarer Teil des Lebens akzeptiert ist.
Die Furcht vor Gefühlen ist dann schlagartig vorbei und damit eine Menge Mist. Wie eben zum Beispiel die hier erwähnte Verlustangst. Für die ist das Wort schon falsch. Denn sie ist keine Angst vor Verlust. Sie ist Angst vor dem mit dem Verlust verbundenen Schmerz. Angst vor Einsamkeit. Angst vor beliebigen anderen unerwünschten Gefühlen.
Vorsicht bei solchen Selbstexperimenten. Wer sein Weltbild behalten will, sollte die lieber lassen.