Mindtricks
Mitglied
- Beiträge:
- 131
- Themen:
- 2
- Danke erhalten:
- 191
- Mitglied seit:
Nur kann ich mir nicht einfach sagen: "Ach, jetzt vergesse ich sie einfach. So, Getränk auf, ab vor den Fernseher und dann nach vorne blicken".
Es kann sein, dass einige Menschen das können und sich direkt (ohne jeglichen Knacks im Selbstvertrauen oder Spuren der Trauer) in das nächste Abenteuer stürzen.
So aber bin ich nicht.
Ich habe nach meiner ersten Trennung über ein Jahr lang gelitten - habe nur noch funktioniert anstatt gelebt.
Nach jeder weiteren wurde der Zeitraum deutlich kürzer.
Nehmen wir den Beginn der Kontaktsperre als Datum der aktuellen Trennung, dann bin ich jetzt nach knapp 4 Wochen weiter, als ich es in der Zeit nach einer Trennung jemals gewesen bin. Ich habe also meine Werkzeuge mittlerweile, um über solche Krisen schneller hinweg zu kommen.
Ja, die Kontaktsperre (so steht es im Lehrbuch) sollte in erster Linie dazu dienen, dass ich heilen und Abstand zur Beziehung gewinnen kann. Dass ich verschiedene Dinge klarer sehe und an mir selbst arbeite.
Das mache ich im Rahmen meiner Möglichkeiten auch sehr gewissenhaft.
Ich sehe aber auch ihren Teil der Geschichte: Ist kein anderer Mann im Spiel und ebenso keine verlorene Liebe in meine Richtung (sondern hat sie in einer Phase des mentalen Overloads alle sozialen Kontakte gekappt, um sich selbst zu schützen), dann wird SIE diese Zeit der Kontaktsperre dazu nutzen, mein Fehlen zu realisieren und über unsere Beziehung nachzudenken bzw. über das, was sie gerade aufgegeben hat. Vor allem dann, wenn sich der Druck durch die Nähe/Beziehung wieder legt. Ist ein anderer Mann im Spiel (wie von einigen hier befürchtet), dann wird sie ihren Grund dafür gehabt haben - dann leidet und reflektiert sie nicht sondern genießt ihre neue Zeit.
Zitat von Hoffi78:Du hältst viel zu viel an der Vergangenheit fest.
Ja, das kann sein. Aber ist das falsch?
Ich meine: Du sagst jemandem, der gerade seine Partnerin zu Grabe getragen hat auch nicht: "Hey, blick nach vorne. Du hälst viel zu sehr an der Vergangenheit fest".
Es verbindet einen etwas mit dieser Person. Man ist zu einer Einheit verschmolzen über Jahre und kommt da ein Bruch rein (durch Trennung oder Tod), dann ist die Geschichte die man gemeinsam schreiben wollte plötzlich ausgelöscht.
Es nennt sich Trauer und die kann man sich leider nicht aussuchen - nur Strategien finden, sie abzumildern und daran arbeiten, sich nicht selbst zu verlieren.
Wäre das Abstumpfen und nach vorne blicken so einfach, dann bräuchte es keine Psychologen eund Therapeuten.
Zitat von HierDerNameNEU:Du kannst nicht von Heilung und „mir geht’s jeden Tag ein Stück besser“ sprechen, während du diese No Contact Phase als letzten Hoffnungsschimmer betrachtest das sie zurück kommt
Teils, teils.
Ich habe realisiert, wohl erst DURCH den Abstand, dass mir die Beziehung in den letzten Monaten nicht mehr gut getan hat. Hierfür gibt es aber einen Auslöser, der aus dem von mir geliebten Menschen eine Mrs. Hyde gemacht hat.
Grumpy...lustlos...distanziert.
Meine Theorie ist, dass, wenn diese Ursache verschwunden ist und sie auch den zusätzlichen Druck der Beziehung nicht mehr spürt, sie klarer sieht und wieder einen Schritt auf mich zu macht.
So wie es Menschen mit vermeidendem Bindungstyp oft machen, wenn sie anfangen zu vermissen und ihre Entscheidung zu hinterfragen.
Dass ich eine gewisse Hoffnung in mir trage will ich gar nicht leugnen. Es ist aber kein "brauchen" mehr sondern eher ein "mal sehen ob's passiert und wenn ja, wie wir damit umgehen werden".
Bleibt sie fern, dann nehme ich das als Schicksal hin (und mit jeder vergehenden Woche wird die Chance kleiner, dass ich sie zurücknehmen würde) - kommt sie hingegen auf mich zu, so müssten wir aufarbeiten bzw. vor allem an UNS arbeiten.
Ich muss von meinem ängstlichen Bindungsmuster weg und sie von ihrem vermeidenden.
Wie gesagt gilt das nur, sofern grundsätzlich noch Liebe vorhanden bzw. kein anderer Mann im Spiel ist.
Zitat von Blindfisch:Woher kommt deine erhaben Art?
Erhaben...das klingt relativ arrogant.
Ich habe für die Beziehung gekämpft. Habe ihr gezeigt, dass ich für sie da bin und habe sie unterstützt, um ihr all die kleinen Baustellen um ihre große herum zu nehmen. SIE war es, die anfangs um mich geworben und gekämpft hat.
SIE war es, die mich in ihrem Leben haben wollte und immer wieder in Panik geraten ist aus Angst, ich könne Hals über Kopf die Flucht ergreifen (so wie es wohl ein Partner vor mir getan hat).
Ich habe mir nichts vorzuwerfen in dieser Beziehung: Ich habe gegeben - von Geld über Zeit, Verständnis Ruhe und zum Schluss einen Teil meines Selbstwertes.
Nun, da ich gelernt habe, mit der Distanz umzugehen (wie gesagt "brauche" ich sie nicht mehr, um glücklich zu sein), liegt der Ball nun bei ihr. Ich sehe es nun als ihre Aufgabe, auf mich zuzukommen bzw. ihr Verhalten zu erkennen und daran zu arbeiten.
Sonst landen wir immer wieder in dieser Schleife aus Nähe-Distanz-Angst. Das mache ich nicht noch einmal mit.
Zitat von Ravenclaw:Also tu es für dich, nicht für ein potenzielles Comeback oder um sie zu beeindrucken.
Wie immer ein ganz toller Beitrag.
Es ist eine Mischung aus beidem: Die letzten Monate haben mich mental und körperlich an die Grenzen gebracht - Cortisol am Anschlag, Hungergefühl weg, unregelmäßiger Schlaf....einfach weil ich nicht verstehen konnte, was genau da gerade Sache ist. Warum DIE Frau, die so lange um mich gekämpft und immer in Angst gelebt hat, ich könne von heute auf morgen abhauen, von heute auf morgen abgehauen ist.
Ich habe mit dem Training angefangen - Muskelaufbau, Cardio...viel Bewegung in den Tag eingebaut, die Hobbies stärker in den Vordergrund gerückt. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen - darauf bin ich wirklich stolz.
All diese Entwicklung war für mich also in erster Linie therapeutisch - mir ging es nach dem Sport einfach deutlich besser und die vielen Spaziergänge haben mich abgelenkt und ich hatte Zeit, mir über gewisse Dinge Gedanken zu machen.
Aber ja, es schwingt ein wenig mit, dass sie eines Tages diese Veränderung sieht. Dass sie merkt, dass ich mich nicht eingegraben und gelitten habe sondern den Schmerz dazu genutzt habe, an mir zu arbeiten.
Wenn die Liebe futsch ist oder gar ein anderer Mann im Spiel, dann wird sie das auch nicht in ihrer Meinung ändern aber so habe ich etwas Positives aus der ganzen Sache mitgenommen.
@RoteTablette
Auch dir ein Dankeschön, wie den anderen Kollegen über mir - allen!
Wir haben ja schon darüber gesprochen - "der Mann, der es mit sich machen lässt". Naja, das klingt manipulativ - als wurde ich ausgenutzt. Der Gedanke kam mir beim Finanziellen schon irgendwo. Alles andere, wie z.B. mein Verständnis für ihre Lage, dass ich sie trotz ihrer (zum Schluss veränderten, schroffen Art) nicht abgeschossen habe, sehe ich aber als Zeichen dafür, dass ich meine Partnerin auch in schweren Zeiten nicht einfach wegschmeiße...nur, weil sie mir zu unbequem geworden ist.
Wohl aber habe ich den Fehler gemacht und bin nicht rechtzeitig von mir aus auf Distanz gegangen.
Im Gegenteil. Und das könnte etwas kaputt gemacht haben, weil ich ihren unterschwelligen Wunsch nach Raum nicht respektiert habe.