Aiyla
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(ich befürchte) Du bist eine Ausnahmeerscheinung.
Deine Freundin steht unter großem Druck, schon vor der Gewichtszunahme. Jetzt hat sie durch die Nebenwirkungen des Medikamentes und das Absetzen desselben die doppelte Last zu tragen. Du hast die verletzenden Reaktionen ihres Umfelds erwähnt, leider ist das ein realistisches Abbild unserer Gesellschaft. Menschen die übergewichtig sind/stark zunehmen sind vielen abfälligen Blicken und Kommentaren ausgesetzt. Dies als "gesunder" Mensch auszuhalten ist schon schwer genug, als eh bereits psychisch Angeschlagene umso härter.
Du bist mit Deiner Haltung eine Ausnahmeerscheinung, das kann ich gar nicht oft genug erwähnen. Andere hätten Deine Freundin bereits nach deutlich weniger als der Hälfte der Gewichtszunahme verlassen. Leider tickt unsere Gesellschaft so. Du bist stabil in Deiner Bindung und in Deinem ganzheitlichen und liebevollen Blick auf Deine Freundin.
Dass sie Dir und Deiner Bindung, der Anziehung zwischen Euch aktuell nicht stabil vertraut, hat nichts mit Dir sondern ihrer schweren Situation und vermutlich auch der Verunsicherung durch das soziale Umfeld zu tun.
Natürlich sollte sie ihre Not nicht an Dir auslassen... ja, wir alle sollten so vieles ...
Du hättest natürlich "das Recht" ihr ihren Rückzug übel zu nehmen. Das kann Dir nützen, wenn Du Dich selbst für den Ausstieg entscheidest...
So liest Du Dich nicht.
Die Vermutung wurde teilweise schon erwähnt und ich teile diese, dass sie sich wieder melden wird, sie eine Kurzschlussreaktion aus innerer Not heraus zeigte und sie eigentlich weiss was sie an Dir hat. Aber ich fände es legitim, Ihr zu schreiben, dass sich nichts verändert hat, Du sie immer noch liebst und sie begehrst und sie sich melden kann sobald sie dazu in der Lage ist....
Aber auch mit der Wiederaufnahme des Kontaktes wird es nicht erledigt sein ....
Du kannst ihr nur Partner und nicht Therapeut sein (weisst Du eh, wollte es nur nicht weglassen, weil es nun mal eben doch der Klassiker in solchen Konstellationen ist, sich zu übernehmen...)
Weil es in den Kommentaren Thema war:
Antidepressiva werden in der Regel nicht nur kurz (im Sinne von Tagen oder wenigen Wochen) eingenommen, sondern bis über Behandlungserfolge hinaus, teilweise über Jahre, manchmal über Jahrzehnte (bis zu das restliche Leben). Bei einigen Antidepressiva ist eine Gewichtszunahme eine mögliche bis teilweise häufige Nebenwirkung. Die Gewichtszunahme verschwindet nach dem Absetzen nicht einfach.
Bei leichten bis mittelgradigen depressiven Episoden zeigt Ausdauertraining 5x die Woche ähnliche Effekte wie medikamentöse Behandlung, insbesondere wenn es in der Gruppe stattfindet oder betreuut wird. Da ein typisches Symptom der Depression jedoch mangelnder Antrieb ist, muss man das Training aber auch erstmal hinbekommen.
Ab mittelgradiger Depression wird meist eine kombinierte Behandlung aus Psychotherapie, Antidepressiva und Bewegung/Sport empfohlen. Bei schweren Depressionen ist die Empfehlung meist zunächst die medikamentöse Behandlung, damit die anderen Behandlungsansätze überhaupt erst begonnen werden können.
Es kann auch als Angehöriger eines psychisch erkrankten Menschen sinnvoll sein, sich beraten zu lassen oder sich mit anderen Angehörigen gegenseitig zu stärken z.B. in einer Selbsthilfegruppe. Das auch dann wenn man reflektiert, selbstbewusst und sozial kompetent ist. Einfach weil die Situation extrem herausfordernd ist.