Delphin123
Gast
Dass sie sich klein und unbeachtet fühlte und daher die Aufmerksamkeit des anderen aufgesogen hat und sich bei ihm so gewettschätzt fühlte, dass daraus mehr wurde, klingt sehr plausibel.
Erfahrungsgemäß ist die andere Hälfte (ich habe Dir gesagt, aber Du hast nicht zugehört oder mich rhetorisch mundtot gemacht) zu kurz gegriffen. Das mag so manchmal gewesen sein, ist aber selten des Pudels Kern.
Gerade mit einem Kind verändern sich die Rollen und Selbstverständnisse eines Paares häufig. Wenn Du weiter Vollzeit gearbeitet hast (bis auf ein paar Monate Elternzeit), dann hat sich für Dich nur wenig geändert und Du bist weiterhin genauso selbstsicher und wirst wertgeschätzt wie zuvor. Durch den Status als Familienvater und die Liebe Deines Kindes hast Du sogar noch neue Bestätigung dazu bekommen.
Wenn Deine LP nach dem Mutterschutz länger als 2-4 Monate Elternzeit genommen hat und/oder danach Teilzeitarbeiten war, ist die Wertschätzung für sie in der Gesellschaft und der Beziehung massiv gesunken. Von ihr wird viel erwartet und dafür gibts weniger Geld, Lob und Verständnis, wenn z.B. sie sich herausnähme, 3 mal die Woche abends zum Wellness zu gehen, oder wenn sie neben der Arbeit noch Kuchen fürs Kitafest backt, als das bei Dir der Fall wäre und ist, wenn Du ihre Aufgaben übernehmen würdest. Dazu kommt daß latent schlechte Gewissen, nicht genug beim Kind zu sein. Die Mütter, die das nicht von selbst haben, bekommen es ganz schnell von außen. Und Du als Mann bekommst davon gar nichts mit, weil von Dir als Vater viel weniger erwartet wird. Von Dir wird "nur" erwartet, weiter zu arbeiten und abends mit dem Kind zu spielen. Dafür bekommst Du Anerkennung. Würde Deine Ex das tun, bekäme sie dafür keinerlei Anetkennung. Darüber beschweren darf sie sich aber nicht, schließlich wollte sie ja das Kind und liebt es auch. Ist also an ihrer Situation als Mutter selbst "schuld".
Und Dir wird diese Veränderung ihres kompletten eigenen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses im Zweifel gar nicht aufgefallen sein. Oder Du hast es nicht als "so schön", dass es potentiell existenzbedrohend ist, wahrgenommen. Bzw. wirst Du ihr bei Meckereien, dass sie ja nicht 3x die Woche weggehen kann, mit einem "wieso? Kannst Du doch. Ich hindere Dich nicht." begegnet sein. Und damit ihre Lage negiert haben. Und DAS lässt einen innerhalb einer Beziehung klein und unwichtig fühlen. Und wenn dem so war, hast Du ihre gesellschaftliche Realität, die sich (auch 2019 noch) massiv von Deiner unterscheidet, ignoriert und weggewischt. Die Rhetorik, mit der das geschehen sein könnte, ist dann nur die Spitze des Eisbergs. Es geht um das Machtungleichgewicht zwischen Hauptverdiener und Dazuverdiener. Dem unterschiedlichen Stresslevel zwischen Hauptverantwortlichem fürs Kind und anderem Elternteil. Und der gesellschaftlichen Anerkennung, wenn eine Frau Mutter wird und dann als im Job nicht mehr voll einsetzbar und als Mutter stets für jeden sch. verfügbar angesehen wird und das gefälligst glücklich schweigend so hinnehmen soll und keine Rückendeckung vom Partner bekommt, diese Abwertung aufzubrechen und von ihr fern zu halten.
Falls ihr also (später) über die Gründe redet, lass sie nicht mit der ersten plausiblen Erklärung davon kommen, sondern hinterfrage ihre eure Tollen und die Befriedigung, die ihr aus ihnen zieht.