Ex-Mitglied
Gast
Zitat von Wurstmopped:Was genau für Vereinbarungen sind das und wo unterscheiden diese sich zu den Vereinbarungen die ihr vor der Affäre hattet?
Oder sind die Vereinbarung ähnlich, im Gegensatz zu der Zeit vor der Affäre, jetzt nur einfach ausgesprochen?
Sowohl als auch. Ich meine das sehr allgemein und pauschal. Das können Fragen der Familienversorgung sein. Oder der Erziehung. oder der Finanzen. Aber in erster Linie ist es inwieweit unsere Ehe geöffnet ist. Denn die Spannweite reicht von der Vollverschleierung im Haus bis hin zur komplett offenen Ehe wo man morgens beim Frühstück den anderen fragt: "Na, gut gev... "und der andere "ja, war ganz schön wow und viel Spaß Dir heute."
Es sind Vereinbarungen über die Informationspflicht. Wo fängt die Überwachung an, wo hört Interesse auf.
Im Laufe einer Beziehung denke ich verändert man sich und damit auch die Beziehung. Was gestern passend war muss es heute nicht mehr sein. Und genau deshalb stellt man seine Vereinbarungen auf den Prüfstand und passt sie ggf. an.
Um ehrlich zu sein hatten wir proaffärisch keine Vereinbarungen getroffen. Es waren immer diffuse Annahmen. Und ich wage zu behaupten, dass das auch für einen Großteil der Beziehungen so ist. Insbesondere hier fängt doch beinahe jede Story an mit: Ich w oder ich m bin seit x Jahren mit meinem jetzigen partner zusammen. Eigentlich ging es uns gut, wir haben Kinder Hund Haus, wir lachen miteinander und haben gute Gespräche (zwischenfrage: Was bedeutet ein "gutes Gespräch?") Und dann habe ich entdeckt/hat er gebeichtet, dass es da jemanden gibt. Und dann fällt man in ein Loch. Und IMHO nicht unbedingt wegen des FGV sondern wegen der dafür getätigten Lügereien und Betrügereien.
Wieviel einfacher wär doch das Leben und viel weniger Leid verbunden, würde man doch im Vorfeld Eheveträger aushandeln. Und zwar, wie man es möchte, und nicht wie irgendjemand anderes es vorgibt. Aber das tut man nicht, jedenfalls nicht in der Breite. Wir alle haben gößtenteils doch sehr verklärte Ansichten über Liebe und Partnerschaft.
In anderen Zeiten da ging es um Wirtschaftsgemeinschaften, musste Kriege Flucht und Vertreibung überlebt werden. Und dennoch wurde Fremdgev praktiziert und es wurde hingenommen. Und heute sind die Partner immer öfter unabhängig und merken gar nicht, dass die Beziehungsbasis jetzt auf einmal vereinbart werden muss. Ich behaupte: (aus meiner Erfahrung heraus): Fast niemand spricht in seiner Ehe tiefer als, wo fahren wir in den Urlaub hin, können wir uns das neue Auto leisten und andere Oberflächlichkeiten und Organisatorisches.
Aber das ist falsch. Es reicht nicht. Es reicht zu einem -wie meine gute Freundin es formulierte zum "geölten Nebeneinander". Und da bleibt die geistige, emotionale und seggsuelle Beziehung auf der Strecke. Auf den Tisch gehören Themen wie: Wie geht es mir, wie geht sehe ich gerade uns. haben wir noch Pläne und Luftschlösser, ich habe zuwenig S und es ist langweilig- können wir nicht auch mal xyz probieren? Wo stehst Du, was ist dein jetziger Plan für die nächste Zeit. In den meisten geschichten geht es dann auch weiter- naja, der S wurde schon weniger, aber das ist doch normal. Nö. Ist es nicht. Normal wäre es, wenn jeder sein Bedürfnis ausleben kann.
Wir haben uns beim Projekt Eherettung letztendlich auf die Kommunikationseben einzulassen gelernt und verstanden, dass Offenheit uns nur weiterbringt.Sobald etwas unter den Tisch gekehrt wird, droht es zu einem eitrigen Geschwür zu werden. Ich hätte z.B. niemals gedacht, dass ich Gefallen an dominanz habe und meine Frau wusste nicht, dass sie gefallen hat, dominiert zu werden. Das mal ausgesprochen und probiert hat uns zu neuen Ufern und Erlebnissen geführt. Wir haben sehr enge Freunde (ohne plus). die wir außerhalb der Ehe treffen, einzeln sehr viel Spaß und Tiefe erleben und so wieder rückkoppeln. Achtsam mit dem anderen umgehen funktioniert nur im Austausch.
Und im Sinne dass Regeln auf den Prüfstand gehören: Zur zeit gilt für uns strenge Monogamie. Aber ich (ich muss da mal mit FrauDrache mich austauschen) könnte mir durchaus vorstellen, diese Regel auch mal temporär auszusetzen. Aber das gehört kommuniziert und verhandelt, wie wann wer.
Und wenn es nicht mehr passt- warum auch immer- Langeweile, geht doch nicht, genügend Erfahrung gesammelt, whatever, dann verhandelt man eben neu und stellt neue Regeln auf. So meine ich das, so leben wir es.
Edit- ich gebe gern zu, dass ich das noch nicht in Vollendung beherrsche. manchmal bin ich auch der kleine verletzte Junge.