Lieber Trajan,
Zitat:ich bin sehr vielseitig interessiert. Meine Interessen verfolge ich auch schon Jahre und habe Spaß dabei. Ich treffe selten auf Menschen, die diese Interessen teilen. Fußball schauen und Sport ist nicht mein Ding. Vielleicht ist es deswegen auch schwieriger?
Wie ist die Altersstruktur in Vereinen?
Ich denke, ich hätte regelmäßig 1x am Wochenende Zeit. Sportvereine kommen erstmal nicht infrage. Das war das einzige, wo ich immer einer der Schlechtesten war, wo mir fast nie Spaß gemacht hat, wo ich bei Mannschaftssportarten lieber nicht angespielt worden bin, damit die eigene Mannschaft eine Chance hat, nicht zu verlieren. Muss ich mich dem aussetzen, nur weil jeder irgendwie Sport macht?
Ich werde gleich mal schauen, ob es noch andere Vereine gibt. Vorschläge immer gerne.
Letztes Jahr war ich in einer ambitionierten Fotogruppe, wo wir zusammen fotografiert und uns ausgetauscht haben. Das war echt genial. Das hat mich auch richtig begeistert. Dann ist es eben dazu gekommen, dass "meine Gefühle reichen nicht für mehr" keine Gefühle mehr hat und ich habe mich aus dieser Gruppe zurückgezogen. Ich bin noch nicht so weit, dass ich mich wieder mit der Gruppe treffen könnte und sagen könnte: es ist ok, wenn deine Gefühle für jemand anderen reichen. Das dauert noch ein paar Monate.
Letztes Wochenende war ich bei einer VHS Veranstaltung. Das war echt interessant. Da gibt es auch einige sehr interessante Kurse. Mir ist wieder aufgefallen, dass der Anteil an Rentnern sehr hoch ist.
Leute in meiner Alterklasse habe ich nur beim Feiern getroffen. Ist das so?
Vhs-Veranstaltung, Fotokurs usw. ist schonmal gut...Du schaust Dich um und suchst einen Weg für Dich, verfolgst dabei auch Deine Interessen. Aber mir scheint, dass Du all das recht beziehungslos tust und es somit auch nicht von (Beziehungs-)Erfolgen gekrönt ist
Beziehung meint hier nicht gleich eine tiefe Verbundenheit oder große Offenheit anderen gegenüber. Man muss nicht gleich sein Inneres nach außen kehren, um mit anderen Menschen in Beziehung zu sein. Genau das hier-
Zitat:Es dauert schon eine Zeit bis ich mich öffne. Ich schütte nicht jedem gleich mein Herz aus. Wenn ich keine gemeinsamen Themen finde, bleibt der Kontakt auch eher oberflächlich.
ist nicht nötig.
Und die gemeinsamen Themen sind natürlich für langfristige Freundschaften wichtig..., dennoch braucht es zunächst einmal überhaupt keiner gemeinsamen Interessen oder dergleichen, um eine erfüllende Begegnung zu haben.
In den ganzen alltäglichen Kontakte, die ich habe, erzähle auch ich nichts in.times von mir, dennoch ist es nicht unbedingt ein oberflächlicher Kontakt...Schwer zu beschreiben...Ich habe den Eindruck, dass Du Dich selbst vor anderen verschließt, gar nicht weißt, was es bedeutet, einen echten inneren Kontakt herzustellen, mag es auch nur nonverbal sein.
Wo Du das tust- ob in einem Vhs-Kurs oder im Altersheim, ist zunächst einmal völlig gleichgültig. Was uns Menschlein glücklich macht, ist im echten Kontakt miteinander zu sein. Anteil zu nehmen, echtes Interesse aneinander zu haben, auch einander zu helfen usw.
Solange Du diese Erfahrung nicht auch mit Menschen Deines Geschlechts, oder mit alten Menschen machst, wirst Du es auch nicht mit einer Frau erleben können.
Die positiven Gefühle, die dabei entstehen, sind ganz geschlechtsunabhängig.
Ich würde jedem Menschen, der sich in irgend einer Form als einsam erlebt, raten, ersteinmal mehr für andere da zu sein, auch wenn das aus einer eigenen Bedürftigkeit heraus (Du sehnst Dch nach einer Frau) unsinnig erscheinen mag. Zu lernen, zu geben, die Augen für andere zu öffnen. Ohne damit etwas bezwecken zu wollen: ich tue x für Dich, damit Du mich magst/liebst.
Einfach mal wegkommen von der Selbstbezogenheit (nicht gleich Egoismus). Je mehr Du Dich auf andere beziehst, desto mehr spürst Du auch Dich selbst (auch das kann man natürlich übertreiben).
Ich habe im Nebenfach Philosophie studiert und dort ist ein Oldies Anteil von...? Keine Ahnung- jedenfalls blickte ich ohne zu übertreiben bei den Vorlesungen auf ein Meer weißer Köpfe
Und ich wohne neben einem Altersheim...Hier sind folglich mehr Oldies als junge Menschen. Und dennoch habe ich immer auch jüngere Menschen und auch Männer kennengelernt. Vielleicht auch deswegen weil ich es nicht anpeilte, sondern stets offen für andere bin, ganz gleich, wie alt sie sind.
Die Beziehung zum anderem Geschlecht stellt sich eher als Folge einer Bezogenheit zum Menschen allgemein her.
Zitat:Was ist mit Eltern und Geschwistern?
Zitat:Die stehen mir nicht so nahe, dass ich mit ihnen über meine Probleme oder was in mir vorgeht, reden würde. Meine Eltern hätten vielleicht noch Verständnis dafür, könnten es aber mangels eigener Erfahrungen schwer nachvollziehen, weil sie in ihrer eigenen Welt leben.
Da musst Du ja nicht ansetzen, könntest es aber tun.
Offenbar herrscht schon in Deiner Familie wenig echter Kontakt und Du fügst Dich dieser Tradition, reagierst, statt selbst aktiv zu werden und Deine Familie vllt. mal etwas durcheinander zu rütteln, indem Du Dich mehr zeigst.
Zitat:Offenbar also insgesamt keine engeren Bindungen, sondern nur Bekannte, mit denen Du ab und zu etwas unternimmst?
Zitat:Ja.
Zitat:Und hast Du z.B. keine alten Schulfreundschaften, die sich bis heute gehalten haben?
Zitat:Aus Schulzeiten gibt es zwei. Bei denen könnte ich mal wieder anklopfen. Das ist eine gute Idee. Die habe ich schon Monate nicht mehr gesehen.
Irgendwie nervt es mich, dass ich anderen Leuten fast immer hinterherlaufen muss und am besten werden mir dann noch alle Treffen abgesagt. Ich habe da eigentlich eher eine Vorstellung von wechselseitigem Interesse aber wenn ich es dann mal darauf ankommen lasse und warte, dass sich der andere auch mal meldet und etwas vorschlägt, warte ich Monate.
Also soweit das Auge reicht, keine richtigen Kontakte.
So kann das nichts werden. Mir scheint, dass Du Kontakte eher "mechanisch" herstellst, physische Anwesenheit oder Diskussionen über ein Thema allein bedeuten noch nicht, miteinander in Kontakt zu sein.
Dass die anderen so wenig engagiert sind, liegt möglicherweise daran, dass emotional nicht viel geschieht, wenn ihr beeinander seid.
Natürlich ist nicht jeder Mensch brennend an einem interessiert..., aber da sich diese Erfahrung wiederholt, wird es mit Dir zu tun haben.
Ich will mich selbst echt nicht beweihräuchern und habe auch meine großen und kleinen Baustellen aber Deine Probleme habe ich nun einmal nicht. Ich denke, das liegt daran, dass ich emotional sehr viel gebe (nein, ich verausgabe mich nicht

) und sozusagen mit anderen Menschen innerlich mitgehe, mit "schwinge". Das führt dazu, dass ich ständig eingeladen werde, man mich anruft usw.
Ich nehme mal stark an, dass bei Dir im Kontakt die emotionale Komponente fehlt und die Begegnungen daher etwas verarmen.
Ich würde Dir raten, im zwischenmenschlichen Kontakt Dich einmal "absichtslos" zu verhalten. Also nicht auf Freundschaft/Bekanntschaft/Partnerschaft abzuzielen, sondern sich nur dem Moment hinzugeben und einfach mal schauen, was geschieht.
Alles, was Du mit Liebe tust, wird Früchte tragen (mag spirituell klingen aber sei`s drum). Du kannst aber nicht Dein Herz verschließen und die süßen Früchte direkt ernten

Denn sie wachsen ja erst durch die Liebe...
Liebe meint hier nicht, dass Du jedem Menschen voller Inbrunst um den Hals fällst
Es ist vielmehr so etwas wie ein emotionales Flämmchen im Kontakt mit anderen, auf das jeder Mensch ganz stark reagiert. Natürlich braucht es für gute Freundschaften z.B. auch eine geistige Verbundenheit...Interessen, Augenhöhe usw. Was aber miteinander verknüpft, sind emotionale Dinge, selbst bei etwas verhalteneren Menschen.
Ich denke, dass es kein Zufall ist, dass Du auf Ketos Frage nach Deiner Männlichkeit mit diesen Zitaten reagiert hast. Denn mir scheint, dass Dir nicht nur in Bezug auf Frauen genau diese-
Zitat:"Nur in der Wechselbeziehung mit einem Menschen des anderen Geschlechts ist eine optimale Erfahrung der Sichtbarkeit und Selbstobjektivierung möglich."
Wechselbeziehung fehlt, dass Du zwar physisch oder im Köpfchen da bist, dabei aber unbezogen bleibst.
Ich glaube also, dass es Dir nicht viel bringen wird, neue Orte aufzusuchen, um Menschen nahe zu kommen...Wenn Du lernst, innerlich einen Kontakt herzustellen, entsteht er automatisch auch äußerlich. Und das, was Du emotional gibst oder nicht gibst, bekommst Du auch zurück.
Ich hoffe übrigens, dass meine Worte nicht hart wirken? Ich versuche Dir nur die Dynamiken nahe zu bringen.
Meine letzten Wochen waren sehr anstrengend...manchmal schleppte ich mich durch den Tag, hätte mich am liebsten ins Bettchen verkrümelt. Und ich war so erstaunt über die Resonanz meiner Umgebung. Ich habe kein einziges Wort über meine Erschöpfung verloren, sie wurde aber dennoch wahrgenommen und ich habe hier und da eine Portion Zuneigung bekommen
Bsw. drückte mir ein Mann einfach so einen großen Strauß Blumen in die Hand (nein, er will nichts von mir. Ich kenne ihn und seine Frau und auch sie wusste davon). Das war eindeutig ein "Aufpäppelungsgeschenk". Er hat mich also wahrgenommen, war sehr feinfühlig und hatte einfach Lust, mir symbolisch etwas zu geben. Die Blumen blühen hier wundervoll neben mir, aber was mich glücklich machte und mir gleich wieder etwas mehr Energie gab war, dass ich gesehen wurde und es diesem Mann Freude machte, mir etwas zu geben....Das sind so die kleinen Dinge im Kontakt, die glücklich machen. Ich sehe dich und mir ist es nicht sch.gal, wie es dir geht.
Und solche Dinge kannst auch du hier und da im Kleinen tun. Damit meine ich übrigens nicht nur die Resonanz auf Trauer oder Erschöpfung; man kann genauso an positiven Dingen Anteil nehmen.