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Sinnkrise in der Ehe

Florentine

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Hallo

Ich habe heute bei der Mediation angerufen und hatte eine Kurzberatung am Telefon, in der ich die Situation erklären sollte.
Ich glaube, die sind gut da. Die arbeiten auch immer zu zweit in einem Team aus Mann und Frau, um beiden Seiten gerecht zu werden.
Leider haben die kurzfristig keine Termine, der Herr meinte, es könnte schon Ende Februar werden...naja. Ich warte lieber auf einen Termin bei einer seriösen Beratungsstelle, als jetzt was übers Knie zu brechen.
Bei einem anderen habe ich auch noch angerufen, leider aber niemanden erreicht und per Mail um einen Termin gebeten.
Der Mann am Telefon meinte: "Na, aber wenn Ihr Mann keine Trennung wünscht...müsste dann nicht eigentlich er hier anrufen? Warum habe ich Sie am Telefon?"

Ansonsten war ich mit den Kids bis grade beim Turnen. Werde jetzt Abendessen machen und dann mal versuchen, selber früh ins Bett zu gehen.

Meine Dokumente (Hausfinanzierung, Versicherungen usw) habe ich heute kopiert und auf meiner Arbeit im Schließfach hinterlegt.

07.01.2019 18:13 • x 2 #466


Florentine


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Übrigens:
Klar nehme ich seine Aussagen auseinander. Ich muss schließlich damit "arbeiten", was er äußert, versuche ihn zu verstehen und auf ihn einzugehen, damit wir eine Lösung finden, unter der die Kinder nicht leiden.
Daneben, wie gesagt, tut es mir leid, wie weit es gekommen ist.
Ich gehe aus dieser Beziehung nicht "einfach so" raus, bin ebenfalls verletzt, verstehe es teilweise nicht.
Aufgrund seiner Äußerungen aus den letzten Wochen und Monaten bin ich, ehrlich gesagt, nicht davon ausgegangen, dass er überrascht wäre oder es derart vehement ablehnen würde.
Diese Schuldzuweisungen belasten mich daher auch und hier ist dann der Ort, wo ich Platz habe für meine Verwirrung meine Enttäuschung und meine Zweifel...damit ich ihm gegenüber klarer auftreten und agieren kann.

Ich wäre froh, wenn es sobald wir möglich einen Termin geben würde...ABER: wie ich irgendwann schon mal schrieb: ich bin sehr harmoniebedürftig. Versuche immer, alle Konflikte zu lösen und zwar schnell und schlucke dabei dann auch einiges runter.
Vielleicht ist es meine Lernaufgabe für diesen Moment, das auszuhalten, zu warten und nichts zu unternehmen, was die Situation verschlimmern könnte oder im schlechtesten Fall einen Rosenkrieg auslösen würde.

07.01.2019 22:34 • #467


Mira_

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Zitat von Florentine:
ABER: wie ich irgendwann schon mal schrieb: ich bin sehr harmoniebedürftig. Versuche immer, alle Konflikte zu lösen und zwar schnell und schlucke dabei dann auch einiges runter.

Wohl eher Konfliktscheu. Du willst keine Lösung. Du willst, dass das Negative so schnell wie möglich aufhört. Dafür nimmst du einiges an Schmerz und kauf. Nicht nur deinen sondern auch den deiner Kinder. Aber mit Harmonie hat eure Ehe nichtmal ansatzweise was zu tun. Du willst schlichtweg Ruhe. Darum nimmst du seine Art in Kauf.
Verletzt Dich selbst damit. Hauptsache es ist scheinbarer Frieden in eurem Leben.

Zitat von Florentine:
Vielleicht ist es meine Lernaufgabe für diesen Moment, das auszuhalten, zu warten und nichts zu unternehmen, was die Situation verschlimmern könnte oder im schlechtesten Fall einen Rosenkrieg auslösen würde.

Und wieder wird sich ins Schneckenhaus verkrochen. Konfliktscheu. Wenn das deine Lernaufgabe ist, dann lebst Du diese Aufgabe schon dein Leben lang. Du hältst solche Situationen doch schon ewig aus.
Denk doch mal weiter. Was glaubst du, würde keinen Rosenkrieg auslösen? Was genau müsstest DU tun, damit dein Ehemann ohne Stress geht?
Wie lange musst Du das aushalten?
Worauf genau wartest Du?


Das einzige was deine Lernaufgabe sein könnte, ist endlich wie ne Löwin zu brüllen und deiner Angst keinen oder nur sehr wenig Raum zu geben.

07.01.2019 22:53 • x 3 #468


Florentine


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Naja, er hat sich im letzten Gespräch durchaus dahingehend geäußert, dass er sich selbst missachtet fühlt, entgegen seiner vorherigen Aussage, dass er kein Problem habe.

Ich glaube, es könnte friedlicher ablaufen, wenn auch er im Rahmen einer Mediation den Raum bekommt, sich zu äußern und zu sortieren, ggf auch zu sehen, dass ein Problem zwischen UNS da ist und das, was ich im letzten Jahr an Gedanken gewälzt habe, wenigstens zu einem Teil "nachholen" zu können.

Es ist ja ganz einfach nicht damit getan, dass ich sage: "Ich möchte mich trennen, zieh mal aus bzw. lass mal auf die Schnelle das Haus verkaufen."
Wir werden Lösungen finden müssen: für die Kinder, für die Wohnsituation und für die Abläufe einer Trennung.
Allein die Geschichte mit dem Haus wird Monate in Anspruch nehmen, wenn er nicht bereit ist, auszuziehen.
Haus plus Wohnung können wir nicht stemmen.

Wenn ich ihn jetzt knallhart auflaufen lasse, wird mit seinem ohnehin verletzten Stolz nur eins passieren: er wird sich zornig und wütend verkriechen, das Leben, die Welt und mich hassen, mich finanziell ausziehen und nicht mehr mit mir sprechen...das alles wird auf keinen Fall dazu beitragen, es für die Kinder so ordentlich wie möglich zu schaffen (von "gut" will ich gar nicht reden).

Was kommt's nach Jahren noch auf 4 Wochen an.
Grade beschäftigt er sich wenigstens mehr mit den Kindern und ist freundlicher.
Wenn es trotzdem zum Rosenkrieg kommt, dann ist das so.
Dann habe ich es aber durch alle Instanzen versucht.
Ich hasse ihn nicht.
Er hat eine faire Chance verdient, Zeit zu haben, sich mit sich und uns auseinanderzusetzen nach 10 Jahren Ehe.
Ist für mich (m)ein Gebot der Fairness.

08.01.2019 00:39 • #469


Satori

Satori

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Zitat von Florentine:
ABER: wie ich irgendwann schon mal schrieb: ich bin sehr harmoniebedürftig. Versuche immer, alle Konflikte zu lösen und zwar schnell und schlucke dabei dann auch einiges runter.
Vielleicht ist es meine Lernaufgabe für diesen Moment, das auszuhalten, zu warten und nichts zu unternehmen, was die Situation verschlimmern könnte oder im schlechtesten Fall einen Rosenkrieg auslösen würde.


Mira hat ja schon einiges dazu gesagt... Ich war genauso in meiner Ehe, habe viel runtergeschluckt und ausgehalten, und Kompromisse gehören zu einer Partnerschaft dazu. Aber eine Kultur der Problembesprechung und -lösung ist wichtig für eine stabile und erfüllende Partnerschaft. Wenn Du, anstatt den Konflikt anzusprechen und auf eine Lösung per Kompromiss von beiden Seiten hinzuarbeiten, alles in dich hineinfrisst und dabei schleichend kaputt gehst, ist keinem damit geholfen, vor allem macht es deinen Selbstwert kaputt und langfristig auch die Beziehung. Das wäre doch ein Thema für dieses Jahr, was du mit Hilfe deiner Therapeutin noch besser entwickeln könntest? Da ihr jetzt sowieso getrennt seid, musst du ja auch nicht mehr jeden Angriff einfach aushalten sondern kannst sachlich und überlegt reagieren.

Zitat von Florentine:
Es ist ja ganz einfach nicht damit getan, dass ich sage: "Ich möchte mich trennen, zieh mal aus bzw. lass mal auf die Schnelle das Haus verkaufen."
Wir werden Lösungen finden müssen: für die Kinder, für die Wohnsituation und für die Abläufe einer Trennung.
Allein die Geschichte mit dem Haus wird Monate in Anspruch nehmen, wenn er nicht bereit ist, auszuziehen.
Haus plus Wohnung können wir nicht stemmen.


Genau so ist es, Lösungen müssen gemeinsam entwickelt, besprochen und umgesetzt werden. Das dauert seine Zeit und bedingt auch, dass die erste Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens und der emotionalen Achterbahnfahrt bei deinem Mann vorübergeht. Lass ihm ruhig erstmal zwei Wochen, in denen der Gedanke der Trennung einsinken und Wirklichkeit werden kann. Aktuell ist das noch nicht so, hat bei mir ca. 4 Wochen gedauert. In der Zeit darfst du aber keinerlei Anstalten machen, zum Status Quo zurückzukehren. Auch wenn er mehr mit den Kids macht, dich nett behandelt usw. Das ist nur Strohfeuer... Weisst du ja auch.
Vielleicht könnt ihr zunächst im Haus getrennte Bereiche haben. Und eine Abmachung zur Kinderbetreuung, die dir auch ein paar Freiräume lässt. Immerhin hat er genauso das Sorgerecht und die Sorgepflicht wie Du. Nimm ihn ruhig mal in Verantwortung. Die Gewöhnung an ein Leben allein, auf eigenen Füßen und mit Eigenverantwortung dauert. Er muss da langsam hineingeschoben werden.

08.01.2019 09:55 • x 3 #470


Florentine


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Ich gebe mal einen kurzen Stand der Dinge durch:
Er bemüht sich weiterhin viel um die Kinder.
Nach zwei erfolglosen Versuchen, eine Trennungsabwicklung/Hausverkauf etc zu besprechen, habe ich das abgebrochen. Ich kann nicht damit umgehen, wenn er emotional so umschaltet in Gesprächen: von "wir versuchens nochmal" zu "dann können wir's lassen" , dazwischen Unterstellungen bzgl Geldinvestitionen im Haus...das innerhalb weniger Sätze...da komme ich nicht klar drauf.
Ich möchte das dann mit jemand Unbeteiligtem besprechen und klären.

Er war in der Zwischenzeit beim Frisör. Zum ersten Mal seit 10 Jahren, ich war fassungslos. Daneben hat er sich eine elektrische Zahnbürste gekauft, mit Arbeitskollegen zum Essen verabredet und macht insgesamt den Eindruck, sich nun etwas mehr sich selbst zu widmen.
Ich hoffe, es tut ihm gut.
Unsere Absprachen bzgl der Kinder klappen gut und das macht tatsächlich den Alltag grade ein ganzes Stück leichter für mich.

Warum, oh warum nur so spät?!

Für mich lief es weniger gut. Ich hatte erheblichen Ärger auf der Arbeit, die Kinder waren krank zwischendurch und ich ebenfalls.

Naja.
Ende Februar kommen in die obere Etage neue Fenster und dann kommt ein Trockenbauer und baut ein zusätzliches Zimmer ein und dann wir die ganze Lage hier im Haus auf jeden Fall entspannter und man hätte dann tatsächlich gute Möglichkeiten, das Haus in zwei Wohnungen zu teilen.

Vor 41 Minuten • x 1 #471


Florentine


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Heute habe ich jedenfalls nochmal live erleben dürfen, dass er tatsächlich total unempathisch reagiert.

Kind macht Unfug beim Ins Bett bringen. Er wird sehr laut.
Kind zögert kurz, fängt dann an zu weinen und steigert sich ne halbe Stunde voll rein: Sie will nicht von Papa ins Bett gebracht werden, sie will eine Ausnahme usw.
Ich warte.
Ist ja an sich sein Problem.
Er reagiert nicht. Also gar nicht. Steht im Flur und wartet darauf, dass sie freiwillig kommt und sich wundersamerweise einkriegt.
Ich rede mit ihr. Sie ist unglücklich über die Streitsituation und den Ärger, will sich aber gerne vertragen, traut sich aber irgendwie nicht/weiß nicht wie.
Also marschieren wir zusammen zum Papa. Sie stammelt irgendwas und wirft sich um seine Beine.
Er versteht gar nichts: "Was soll das jetzt?"
Ich erkläre :"Sie will sich vertragen wegen vorhin."
Er: "Aber wir hatten doch gar keinen Streit?!"
Entschuldigt dafür, dass er so laut war, hat er sich nicht.

Ich kann mir aber grade gut vorstellen, dass das in x Situationen mit mir ganz ähnlich gelaufen ist.

Vor 13 Minuten • #472