Zitat von alleswirdbesser: Hä?
Ich hatte geschrieben, dass ich ihre Liebesbekundungen oft innerlich abgetan habe. Ich war damals sehr schockiert von dem Ausgang der Trennung von meiner Exfrau und auch sie hatte mir die große Liebe mit Tränen usw. erklärt. Als wir dann getrennt waren, war davon nichts zu spüren. Auch aus meiner Jugend hat sich leider der Glaubenssatz etabliert, dass meine Freundschaften und guter wertschätzender Kontakt nur solange bestand, wie es gut lief. Daher mein Ansatz: "Kannst mir sagen was du willst, wenns irgendwann vorbei ist, sind all die Aussagen und liebevollen Kartentexte nichts mehr wert" und meine Erfahung bestätigt mich ja.
Zitat von phoenix123: Verbale Gewalt zerstört langsam aber sicher, jede Liebe.
Sie scheint viel mit dir diesbezüglich durchgemacht zu haben. Jetzt kann und will sie nicht mehr. Weil sie keine Hoffnung mehr hat und sieht. Und weil ihre Gefühle dadurch immer weniger wurden. Das ist eine ganz logische, menschliche Reaktion.
Zitat:Irgendwann mal kommt der Zeitpunkt an dem man es einfach merkt und deutlich spürt :"Das wars! Nie wieder " Und der Partner ist in diesem Moment schon ganz weit weg von einem.
Leider genau das. Meine Worte haben diese Liebe nach und nach zerstört. Sie waren oft sehr rational, teilweise einfach nur Gedanken oder Fragen und mein Ansatz war, dass ich immer offen und ehrlich bin und mein Innerstes nach Außen preisgebe. Ich hab da nicht gefiltert, was verletzend ist, sondern war immer der Ansicht, lieber alles sagen. War ein Fehler.
Zitat von phoenix123: Diese Beziehung hat ganz offensichtlich aber auch DIR nicht gut getan. Wenn man so drüber liest, klingt das alles nicht sonderlich harmonisch und glücklich. Auch von Ihrer Seite nicht.
Nein ganz und gar nicht. Ich hatte über viele Jahre starke Zweifel, hab lange gebraucht, um Patchwork zu akzeptieren, weil ich immer so gerne "normal" sein wollte. Aber was ist das schon... und das war oftmals das Problem.
Zitat von Hola15: In deinen Texten spiegelt sich die tiefe innere Sehnsucht der Annahme… das du geliebt wirst wie du bist.
Zitat:Und du fühlst dich als Opfer. Weil dir das wieder mal nicht gewährt wurde.
Zitat:Ich bin mir ziemlich sicher, dass du in deinem Leben Opfer wurdest.
Doch nicht von dieser Frau und vermutlich auch nicht von deiner Ex-Frau.
Jaaa, genau das kann ich da nur sagen. Ich bin mit meiner Kind-heilen-Arbeit bisher noch nicht bis ins Alter von vor 6 Jahren vorgedrungen, aber das was ich rausgearbeitet habe, passt dazu. Wie auch im Buch beschrieben geht es sehr vielen Menschen so und so auch mir. Mein innerer Kernglaubenssatz ist: "Ich genüge nicht! Ich bin nicht gut genug! Ich muss deine Erwartungen erfüllen!" und noch viele andere.
Zitat von Hola15: Das was du suchst, dessen Fehlen so einen Schmerz verursacht, hätten dir deine Eltern damals geben müssen.
Das habe ich bisher nur teilweise herausgefunden, ich glaube, dass da ganz viele Einflüsse auf mich gewirkt haben, auch erweiterte Familie, Freunde, Umfeld. Habe früher z. B. stark gestottert, war etwas dicker, hab nicht alles gegessen, es wurde sich lustig gemacht, abgewertet und immer wieder aufgezogen (das aber eher nicht von meinen Eltern).
Zitat von phoenix123: Das ist meist leider ein falscher Glaube. Davor "warnen" Psychologen etc, dass man den Schmerz automatisch mit starker Liebe interpretiert.
Wie du auf Trennung reagierst, hat eigentlich immer was mit deiner Prägung und Kindheitserfahrung zu tun. Starker Liebeskummer ist kein Zeichen dafür, daß diese Verbindung eine gesunde Liebe war.
Danke für den Aspekt, der ist nochmal wichtig.
Zitat von Nur-ein-Mensch: Weil du dich so verhalten hast, hast dich gekümmert, hast alles gemacht usw. erwartest du von ihr eine Art Gegenleistung, Gegenleistung im Sinne ,das sie sich so verhält, wie du daß gern sehen würdest, kann das sein?
Genau das.
Zitat von Nur-ein-Mensch: Du fühlst dich als Opfer und in den A.r.s.c.h getreten, weil du alles gemacht hast, für sie da warst und sie jetzt einfach einen Abgang macht.
Ganz genau.
Zitat von Nur-ein-Mensch: Erwarte nichts,dann kannst du auch nicht enttäuscht werden.
Das finde ich immer ein wenig kritisch. Erstens erwartet man immer etwas, mindestens ne Kleinigkeit wie Grundwerte und ich will so nicht ans Leben rangehen, weil ich das schade finde.
Zitat von PsychoMantis: tatsächlich bin ich sehr sachlich bei solchen Themen, nimm das bitte nicht als Angriff. Ich habe es nicht so mit dem Kopf-Tätscheln sondern bin generell der Typ "Vorschlaghammer". Das hat aber nichts damit zutun das ich irgendwem eine rein würgen möchte ich bin einfach sehr direkt.
Danke fürs Einordnen, das hilft mir

Zitat von PsychoMantis: Es ist wichtig dass du lernst nicht von dir auf andere zu schließen und Gefühle auszuhalten. Man darf anderen Menschen ihre Gefühle nicht absprechen und sollte immer ernst nehmen was sie sagen.
Das würde ich sehr gerne und höre ich nicht zum ersten Mal. Aber wie lernt man das, außer, es sich auszureden und drauf zu achten?
Zitat von Blind-Meg: Ich sehe hier einen ganz typischen Verlauf, quasi der Klassiker: einen Mann, der "macht und tut" für dir Frau und die Familie, und eine Frau, die daneben langsam emotional verhungert.
Zitat von phoenix123: Immer wieder hört man aber genau das nach Trennungen: ich hab gemacht und getan und es war trotzdem nicht genug (vom Mann), bzw organisatorisch und im Alltag lief es alles, aber emotional bin ich ausgehungert (von der Frau).
Boah krass, genau so war es. Sie ist neben mir emotional verhungert, während ich mich irgendwie ausgebrannt und benutzt gefühlt habe. Am Ende wurde mir noch von ihr vorgeworfen, ich würde mich nur zu 30% einbringen und sie würde 70% machen. Da ist mir die Hutschnur geplatzt. Genauso wie bei den finanziellen Themen. Habe immer alles gut supportet und zugeschossen und dann fragte sie mich mal, ob wir nen Verrechnungsschlüssel haben. Aber dennoch, ich war dann so verärgert, dass sie meine "Leistung" nicht sieht und ist emotional verhungert. Total.
Zitat von Blind-Meg: wenn du deine Partnerin wissen lassen möchtest, dass sie dir wichtig ist, mäh nicht ihren Rasen, denn das kann sie selber. Sag ihr lieber paarmal am Tag ein paar nette Worte, nimm sie in den Arm (so richtig, mit 20 Sekunden festhalten), bring ihr ab und zu was Schönes mit (nicht immer nur Blumen, das ist zu Klischee) und interessiere dich für sie und ihr Leben und dafür, was sie emotional bewegt (möglichst ohne es für sie "lösen" zu wollen, zuhören reicht in der Regel)
Das wars tatsächlich. Sie hat sich aber halt auch jeden Mist abnehmen lassen wie Einkäufe reintragen während ich Besprechung hatte oder ich sollte sie abends vom Flughafen abholen, obwohl ich den Kleinen zu hüten hatte. Aber ja, sie hatte mir gesagt, dass sie mehr im Arm bei mir sein will. Hab ich dann auch gemacht, aber es kam zu wenig von mir auf meine Initiative.
Zitat von PsychoMantis: Auch gegenseitig zu unterstützen und auch als Mann Hausarbeit zu machen zähle ich auch nicht als "helfen" sondern das ist selbstverständlich in einer Beziehung oder Ehe denn eine Frau ist keine Mama oder Putzfrau.
Den Partner zu unterstützen sollte aus liebe passieren und nicht weil man dafür etwas zurück möchte. Das ist ja kein Punktekonto. Erschreckend, wie viele Menschen noch so gestrickt sind.
So wars ja nicht, ist mir schon klar und ich sehe Hausarbeit auch nicht als Frauenarbeit. Ich sehe halt nur, dass wir nicht den gleichen Anspruch hatten und vieles liegen geblieben ist, was ich dann erledigt habe. Aber du hast schon recht, ich habe innerlich Punkte geklebt und mein Heft irgendwann im Streit auch ausgeleert. Sie hat sich dann unter Druck gefühlt und hatte immer Angst, irgendwas übersehen oder nicht ordentlich gemacht zu haben.
Zitat von Kenaz: Leider definieren sich viel zu viele Menschen über "Leistung" und erwarten automatisch einen Gegenwert. In die Falle tappt man gerne mal.
Das ist genau der Punkt und das war meine Lieblingsfalle. Und wenn es nur das Gesehenwerden ist.
Zitat von Kenaz: Aber eigentlich liebt man eine Person dafür wer sie ist und nicht dafür, was sie tut.
Da hab ich oft gestutzt. Ich habs falsch bewertet, weil ich mich gefragt habe, wo die Bereicherung ist. Aber ich hatte nicht die richtige Ebene gefunden. Heute kann ich sagen, dass die Bereicherung war, dass sie da war und wir zusammen waren. Damals habe ich das anders gesehen und das brachte Frust und neuen Ärger in mir hoch.
Zitat von Hola15: Kann es sein, dass du in deiner Kindheit gelernt hast keine eigenen Grenzen und Bedürfnisse haben zu wollen? Das du damit immer wieder an eine Mauer gerannt bist?
Das die Dinge deiner Eltern immer wichtiger waren als deine?
Das du funktionieren und dir Liebe „erarbeiten“ musstest.
Ganz genau, alles richtig laut meiner Analyse. Ich war immer angepasst, hab geschaut, dass Papa nicht ausflippt oder sich über mich ärgert. Die Bedürfnisse meines Umfelds waren wichtiger als meine, ja. Ich hatte das Gefühl, mir Liebe "erarbeiten" zu müssen, ja. Und das habe ich gemacht. Nicht falsch verstehen, ich werfe meinen Eltern nichts vor und wir haben ein sehr sehr gutes Verhältnis. Aber es hab auch wenig Trost oder körperliche Wärme muss ich sagen... DDR-Zeiten vielleicht.
Zitat von Hola15: Das Teile von dir nicht sein durften und du nicht um deiner selbst Willen geliebt und anerkannt wurdest und du dich deswegen teils nicht spürst, teils nicht den Mut hast deine Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse zu vertreten?
Ganz genau das.
Zitat von Hola15: Das du nun in deinem alten Muster agierst- ich muss angepasst sein, ich darf mein eigenes nicht vertreten, ich muss mir Liebe verdienen? … und es reicht trotzdem nie?
Genau das sind meine Erfahrungen bisher. Es reicht nie für mich und für ein Überdauern von vielen Jahren.
Zitat von Hola15: Aber besteht die Möglichkeit, dass du teils überkompensierst. Das es da einen Teil in dir gibt, der sich viel zu kurz gekommen vorkommt und überhaupt tust du ja so viel und das wird nicht gewürdigt?
Ist das ein alter Schmerz oder Realität?
Genau. Ich fühle mich nicht gesehen, fühle Ungerechtigkeit, wie andere ankommen, wollte immer dazu gehören, aber gehörte es nie und ja, ich wurde in meinen Augen selten gewürdigt, dass sich mal Leute nach mir gestreckt hätten. Es ist alter Schmerz aber auch Realität wie mir die Trennung zeigt.
Zitat von Hola15: Hast du jemals zu ihr gehört?
Natürlich, aber ich konnte nicht umsetzen scheinbar. Weil ich immer in die Verletztes-Kind-Rolle gefallen bin.