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Starke Verlust-Ängste schon zu Beginn

Begonie


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Zitat von Ro_Lina:
Naja vermutlich weil ich ja stark und selbstbewusst und sympathisch wirken will, weil ich davon ausgehe das man mich nur dann gern hat
Und wenn z.B. Bob dann sieht wie sehr ich zu kämpfen hab, dass ich das nicht einfach wegstecke und z.B. doch nochmal weine oder sowas, dann mag er/man mich erst recht nicht.


Du musst Dir nicht so viel abverlangen. Solltest Du ausnahmsweise mal eine gute Phase haben, in der Du Dich einigermaßen gut fühlst, dann geh zur WG. Du musst nicht den strahlenden Sonnenschein spielen, denn auch Aufgesetztes durchschauen Mitmenschen sofort. Also lass das sein. Du hast ein super Alibi, das Dir hilft: das Paket.

Ja, natürlich wirken fröhliche Menschen angenehm und sympathisch, aber eben auch nur, wenn es aus dem Herzen kommt und nicht gespielt wird.
Sei einfach Du selbst.
Und sag Dir auch mal, ich darf auch traurig sein, das ist keine Schande. Du siehst Dich permanent in Zusammenhang mit der Umwelt. Ich müsste so und so sein, dann erfahre ich Liebe und Zuwendung und man mag mich. Bin ich aber nicht so, dann erfahre ich Ablehnung.
Das sind doch ganz klar die Verhaltensweisen eines kleinen Mädchens, das für ein kleines bißchen Liebe alles tut.

Du musst das, was man Dir angetan hat und mitgegeben hat, nicht alles behalten. Du kannst es auch ablegen, auch wenn das ein langwieriger Prozess ist. Aber so weiter zu leben wie bisher, ist doch keine Alternative, kein Lebensmodell.
Sei einfach so wie Du bist. Man mag Dich, man mag Dich vielleicht mal nicht, aber das ist das Leben. Aber komme weg davon, Dich ständig praktisch selbst mit überhöhten Anforderungen zu vergewaltigen. Ich muss so und so sein, damit ...

Nein, Liebe und Leistung passen nicht zusammen, aber es wird vielen Kindern anerzogen. Sei so, dann ... Sei so nicht, sonst ...
Und das bleibt dann hängen. Für Liebe muss ich viel tun, viel investieren. Das Wesen der Liebe (und damit meine ich nicht nur die zu einem Partner) ist, dass sie frei von Leistung fließt.

07.04.2022 11:55 • x 2 #736


Ro_Lina


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@Begonie

Danke dir für deine lieben Worte!

Du hast schon recht mit allem was du sagst.

Zitat von Begonie:
Es kann doch nicht so schwer sein, einmal über den eigenen Schatten zu springen.


Leider ist es das gerade doch, es ist ja nicht nur ein Schatten, es idt ein riesiger schwarzer Abgrund

Nur um es mal zu verdeutlich, als ich grad gelesen hab wie du geschrieben hast ich solle da einfach wieder hoch gehen usw., also als die Vorstellung in meinen Kopf kam war die sofortige Reaktion meines Körpers dass es mir die Brust zugeschnürt hat, mir schlecht wurde, ich angefangen hab zu weinen und zu zittern

Es ist ja nicht so dass ich nicht da hoch gehen wollen würde, es macht mir nur einfach so unglaubliche Angst....

Zitat von Begonie:
Wenn Du nach dem Klingeln Angst verspürst, dann sag einfach, dass Du nur Dein Paket holen wolltest und kannst Dich ganz schnell wieder zurückziehen.


Oh, da kam glaub ich was falsch rüber, da liegt kein Paket mehr für mich oben, die Situation dass ich das nicht abholen konnte war schon letzte Woche (inzwischen hat seinen Weg zu mir gefunden).

Also leider kein lockerer Vorwand aktuell zur Hand

Zitat von Begonie:
Eine überwundene Angst aber gibt Mut und Bestätigung. Mut und Bestätigung kann Dir auch kein Therapeut einimpfen, es ist immer Deine Tat und Deine Bereitschaft, die zählt.


Ich weiß das ja....ich hab schon ganz oft Ängste überwunden und mich danach besser gefühlt...

Das aktuellste Beispiel ist ja, dass ich mich nach dem 1. Schluss, nach ein paar Tagen ja durchgerungen hab mit Bob nochmal ein Gespräch zu suchen, weil mir die Situation so schwer fiel. Und da hatte ja genau die gleiche Angst, diese Angst vor den Emotionen oder das mich irgendeine Handlung/Aussage noch mehr verletzten könnte usw.

Aber gemacht hab ich es und es war ja auch ein super Gespräch! Kein Kummer, kein Schmerz, ganz normal Reden, sogar ab und an zusammen lachen, merken Ok, er scheint mich ja trotzdem gern zu haben, ist nicht abweisend oder eiskalt.
Also das wovor ich so Angst hatte trat ja nicht ein und mir ging es dadurch schon in dem Gespräch so massiv besser, mir fiel so viel von den Schultern....

Mit dem Ende, also das Bob mich dann plötzlich küssen würde und es eine neue Chance gab, damit hatte ich ja kein bisschen gerechnet.
Aber natürlich war das nochmal ein schöneres Gefühl, da hatte ich das Gefühl es hätte sich endlich mal gelohnt mutig und einfach ich selbst gewesen zu sein, dass es es belohnt worden wäre! Verstehst du?

Das es dann erst so richtig schief geht und sich das jetzt ins Gegenteil verkehrt hat, das konnte ja keiner ahnen

Aber genau darauf wollte ich eigentlich hinaus, ich hab so oft schon Ängste überwunden und selbst wenn ich dann kurzzeitig den Eindruck hatte es hätte sich gelohnt, wurde es irgendwie kurz darauf nur noch schlimmer

Verstehst du?

07.04.2022 12:23 • #737



Starke Verlust-Ängste schon zu Beginn

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Ro_Lina


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Ich könnte Bob natürlich auch erstmal wieder eine Nachricht schreiben, allerdings wüsste ich nicht mal was und hab ja auch davor Angst (wenn auch nicht so viel)

Aber das wäre dann eben auch wieder nur auf ihn bezogen. Also kein Ich geh die WG besuchen und damit auch Bob sondern ein Ich suche gezielt Kontakt zu Bob.

07.04.2022 12:24 • #738


Hansl

Hansl


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Zitat von Ro_Lina:
Aber genau darauf wollte ich eigentlich hinaus, ich hab so oft schon Ängste überwunden und selbst wenn ich dann kurzzeitig den Eindruck hatte es hätte sich gelohnt, wurde es irgendwie kurz darauf nur noch schlimmer

Weil Du unglaublich Erwartungen in Dir trägst.
Und eigentlich nur einer Dr. oge folgst.
Hamsterrad.
Und jetzt Bob aufzusuchen?
Kontaktieren?
Naja, tu es.
Du bist im Entzug.
Naja, tu es.

07.04.2022 15:08 • #739


Begonie


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Zitat von Ro_Lina:
Aber genau darauf wollte ich eigentlich hinaus, ich hab so oft schon Ängste überwunden und selbst wenn ich dann kurzzeitig den Eindruck hatte es hätte sich gelohnt, wurde es irgendwie kurz darauf nur noch schlimmer

Verstehst du?


Ich verstehe. Kaum Mut gefasst, ist es erst eine Erleichterung. Doch dann eine Verschlimmerung und die brennt sich dann ein im Unterbewusstsein und kann zu einem inneren Programm werden. Du wartest dann nur noch auf die sich selbst erfüllende Prophezeihung und dann kannst Du Dir sagen: es ist wie immer. Ich habe kein Glück. Ich nehme Anlauf, trau mich und dann erfahre ich wieder nur Abweisung.

Das Alibi-Paket ist natürlich schade. Aber ich hätte einen anderen Vorschlag. Du magst die Leute von der WG doch gerne. Back doch mal ein paar Muffins oder so was. Geht schnell und das bringst Du dann rauf. Einfach so.

Und, Ro, lass diesen Bob einfach Bob sein. Es gibt wirklich nichts mehr zu sagen, zu bereden. Das wird dann nur wieder endloses Rhabarber, Rhabarber und es ändert doch nichts.
Das Beste was Du tun kannst, ist ihm einfach normal zu begegnen, aber die ewigen Aussprachen von denen Du Dir Erleichterung versprichst, bringen doch nichts. Es ist nur momentan ein wenig Seele streicheln, weil Du mit ihm zusammen bist, ehe Du doch wieder ins Loch fällst. Der Mann ist nicht so wichtig wie Du ihn siehst. Er ist nichts für Dich, also trage das mit Würde. Es gehört zum Leben, dass man sich einseitig verliebt.

Geh nicht wegen Bob hin, sondern wegen der Mädels. Wenn Bob da ist, dann ist er halt da. Im Endeffekt wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Heißt, wenn man einen Anfang gemacht hast, ist der meist nicht so schlimm wie man es sich vorstellt. Es ist alles auch Trainingssache, aber zum Trainieren kommst Du nicht, weil Dich die permanenten Angstzustände blockieren.

Mit der Angst ist es so. Je mehr Nahrung sie bekommt, je mehr Du Dir schreckliche Dinge ausmalst, je ängstlicher Du vor Ablehnung wirst, desto mehr bläht sich die Angst auf. Du ernährst Deine Angst selbst und daher hat sie Besitz von Dir ergriffen. Aus diesem Strudel müsstest Du raus, aber das heißt eben auch, ein Risiko einzugehen.

Ein Risiko, dass es mal nicht so läuft wie Du Dir wünschst. Das gehört halt auch zum Leben. Lernen, Niederlagen einzustecken und trotzdem weiter zu machen, aber eben auch sich über Erfolge zu freuen.

Wenn Du in Deinem Loch blebst, kommt keiner, der Dich rausholt. Du musst begreifen, dass nur Du das ändern kannst.

Und lass Bob einfach Bob sein. So toll ist er nicht und das mit dem Kuss war unfair von ihm. Der ist nicht so golden wie Du ihn siehst.

Du arbeitest. Also schaffst Du das ja auch. Warum also diese ständige Angst, in die Du förmlich hinein galoppierst?

07.04.2022 15:41 • x 1 #740


Ro_Lina


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Zitat von Begonie:
Doch dann eine Verschlimmerung und die brennt sich dann ein im Unterbewusstsein und kann zu einem inneren Programm werden. Du wartest dann nur noch auf die sich selbst erfüllende Prophezeihung und dann kannst Du Dir sagen: es ist wie immer. Ich habe kein Glück. Ich nehme Anlauf, trau mich und dann erfahre ich wieder nur Abweisung.


Ja genau so meinte ich das.
Ich überwinde mich, bin mutig und dann passiert trotzdem wieder eine schmerzhafte Erfahrung

Zitat von Begonie:
Du magst die Leute von der WG doch gerne. Back doch mal ein paar Muffins oder so was. Geht schnell und das bringst Du dann rauf. Einfach so.


Ja so in etwa war meine Idee auch...dass ich die Mädels in den kommenden Tagen einfach mal frage ob ich auf ne Tasse Kaffee/Tee raufkommen darf (Muffins sind eine gute Idee, dann hab ich glaub noch eine Aufgabe). Dann wird es vermutlich auf ein kurze Begrüßung ggü. Bob hinaus laufen und dann sitz ich mit den Mädels in der Küche und Bob wird machen was er will.
Entweder er kommt dazu oder bleibt eben in seinem Zimmer, das ist garnicht wichtig eigentlich, der Panikmoment, also das Überwinden und Hoch gehen und ihm wieder ggü. stehen (und wenns nur für ein Hallo ist) sollte dann ja schon vorbei sein....

Zitat von Begonie:
Das Beste was Du tun kannst, ist ihm einfach normal zu begegnen, aber die ewigen Aussprachen von denen Du Dir Erleichterung versprichst, bringen doch nichts.


Ich möchte doch garkeine Aussprache?
Oder mit ihm alles wieder durchkauen oder Erklärungen oder sowas.
Entschuldigt falls das so rüber kam!

Ich möcht nur das wir wieder miteinander klar kommen und ich hoffe eben einfach das pegelt sich wieder ein, wenn ich 1-2 Mal vielleicht wieder bei der WG war und sich das wovor ich mich so fürchte ja hoffentlich nicht einstellt.

Wenn dann ein freundschaftliches Verhältnis draus werden kann, toll!
Wäre schön, schließlich mögen wir uns zwischenmenschlich ja eigentlich und harmonieren gut.
Vielleicht hätte es von Anfang an einfach eine Freundschaft bleiben sollen, aber das kann man je jetzt nicht mehr ändern.

Aber selbst wenns nur locker und oberflächlich bleibt, mir wäre wirklich nur wichtig dass wieder alles in Ordnung ist.
Auch wenn man dann mit allen anderen was zusammen macht (Spieleabend, etc.), dass man normal miteinander reden kann, vielleicht miteinander über was lachen kann, ohne das sich jemand schlecht damit fühlt.....

Zitat von Begonie:
Du arbeitest. Also schaffst Du das ja auch. Warum also diese ständige Angst, in die Du förmlich hinein galoppierst


Naja ich bin ja jetzt seit 8 Tagen in Quarantäne und ich glaub das hat viel dazu beigetragen dass ich in den wenigen Tagen psychisch so abgestützt bin
Zu viel Raum fürs Grübeln und das Verlieren in den Gedankenspiralen und meinen Ängsten

07.04.2022 16:25 • #741


Nostraventjo

Nostraventjo


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Darf ich dich was fragen, erträgst du es wenn Leute dich nicht mögen oder bist du jemand, der von möglichst allen Menschen gemocht werden möchte?

07.04.2022 17:36 • x 1 #742


Ro_Lina


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@Nostraventjo

Oh das ist eine knifflige Frage...ich glaube das hängt sehr davon hab wie meine Sympathie gegenüber der anderen Person aussieht.
Wenn ich jemanden selbst jetzt nicht so ins Herz geschlossen hab macht es mir kaum etwas aus, wenn die Person mich offensichtlich auch nicht mag.

Wenn ich jemanden echt gern hab, mich verbunden fühle, mich wohl fühle mit der Person usw. dann ist es für mich sehr schwer damit umzugehen, wenn diese Person mich (auf einmal) nicht (mehr) mag.

Das setzt dann sofort die Spirale in Gang aus Du bist wieder nicht gut genug, Warum mag mich denn niemand? usw.

Oder anders gesagt, bei Menschen die mir irgendwie Zugehörigkeit geben und wo ich mich fühle wie angekommen, da trifft es mich am härtesten wenn ich auf Ablehung stoße

07.04.2022 19:03 • #743


Begonie


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Zitat von Nostraventjo:
Darf ich dich was fragen, erträgst du es wenn Leute dich nicht mögen oder bist du jemand, der von möglichst allen Menschen gemocht werden möchte?

Ja, ich glaube Ro möchte möglichst von allen gemocht werden, weil sie immer hofft, dass das Trauma in ihr (ich bin es nicht wert geliebt und gemocht zu werden) sich endlich auflöst. Daher auch die panische Angst vor Ablehnung und Zurückweisung, die sie dann wieder in ihr Loch wirft.

Ein inneres Trauma ist eine ganz eigene Sache. Viele, wahrscheinlich alle Menschen haben ein inneres Trauma, in abgeschwächter Form könnte man es auch als innere Fehlstelle oder Defizit bezeichnen. Bei Ro ist es sicher ein Trauma, das sie erlitten hat.
Eine panische Angst vor Ablehnung verbunden mit einem sehr schlechten Selbstwertgefühl. Aber das gehört sowieso zusammen. Da wurde einiges bei ihr kaputt gemacht.
Ro muss aber begreifen, dass ihr ganz individuelles Trauma nur von ihr selbst aufgelöst werden kann. Wenn man sich immer vom Zuspruch der Mitmenschen abhängig macht, wird man zwangsläufig enttäuscht, weil die Mitmenschen nicht so agieren wie sie es in Ro's Augen sollten.

Quarantäne tut ein übriges, da kann man sich wunderbar im Kreis drehen und sich in eine - selbstverständlich - negative Gedankenspirale begeben, die dann wieder die entsprechenden Gefühle hervorruft. Gedanken bedingen Gefühle. Steigere ich mich in die Angst vor Ablehnung, fühle ich wieder Angst und Bedrohung. Oh Gott, was, wenn man mich nicht mag? Das halte ich nicht aus!

Doch, das hält man aus, aber mit 26 weiß man noch nicht, was man im Leben alles aushalten muss. Da kommen iwann noch ganz andere Dinge.

Ro müsste einen Weg finden, diese Ängste zu relativieren, weil sie dann nicht so mächtig sind. Ängste sind da. Ja, dann tue ich etwas, was sie klein hält. Und dann fühlt man ein Erfolgerlebnis, mit dem man sich wieder stärken kann. Da bin ich über meinen Schatten gesprungen, dann schaffe ich es auch ein weiteres Mal.

Ich hatte früher Angst davor, allein irgendwohin zu fahren. Ich wollte auf einen Kongress in einer fernen Stadt, die ich nicht kannte. Ich hatte Angst vor Überforderung, davor, dass ich mich mit der Tram oder dem Bus verfahren könnte, Angst davor, allein im Hotel zu sein. Was tat ich? Ich war feige und fragte einen Kollegen, wo er übernachtet, dass ich mich anhängen konnte. Weiter nicht schlimm, aber ich bat ihn ferner, mich am Bahnhof abzuholen, weil ich Angst vor dem unbekannten Weg hatte. Ich war ein Feigling. Nie wäre ich auf den Kongress gefahren, wenn ich nicht Jemandem zum Andocken gehabt hätte.

Jahre später nach einer unglücklich verlaufenen Beziehung, in der ich den Mann immer für seine Selbstständigkeit bewunderte, wurde mir bewusst, wie ängstlich ich war.
Ich ging z. B. auch nicht allein ins Theater. Weil ich da womöglich allein rumstehen würde und alle würden sich denken: Ach , die Arme, die hat ja niemanden und jetzt steht sie allein rum.

Alleine zu verreisen, war undenkbar. Viel zu viel Angst.

Nach dem Beziehungsaus wurde mir bewusst, wie mich meine Angst einschränkte. Und dann dachte ich mir, ich kann jetzt ewig so weiter machen, ich kann es aber auch mal versuchen.
Ich ging ins Theater, allein. Was geschah? Nichts, es tat nicht weh. Ich wurde auch nicht mitleidig beäugt. In der Pause holte ich mir meinen Prosecco und schaute mir die Leute an. Und dann fuhr ich nach Hause und dachte mir, wie blöd ich eigentlich war. Ich war mir immer selbst im Weg gestanden.
Ich ging wieder ins Theater und dann merkte ich, ich brauche niemanden an meiner Seite. Ja, ich will gar niemanden, weil mich das wieder abgelenkt hätte. Ich will nicht in der Pause Smalltalk mit einer Freundin machen. Ich will eigentlich allein sein und dabei blieb ich.

Dann kam ein Kongress in Berlin. Ausgerechnet Berlin. Tja, wie sollte ich das schaffen? Ich hätte nicht fahren müssen, aber da war die beständige innere Stimme, die mir sagte. Fahr dahin, trau Dich, sei nicht feige! Ich überlegte noch ein paar Tage und dann buchte ich den Kongress, ein Hotel und die Bahnfahrkarte.
Als ich dann los fuhr, war ich gar nicht mal aufgeregt. Ich dachte mir, wird schon. Und es wurde. Ich verfuhr mich nicht, ich verlief mich kaum. Der Kongress war super, abends hatte ich viel mit Kollegen vor, ich lernte neue Kollegen kennen. Und dann blieb ich noch zwei Tage allein in Berlin.
Ich fuhr glücklich nach Hause und dachte mir: Berlin war mein Freischwimmer!
Seither war ich öfters dort und es gefällt mir immer, weil man so viele verschiedene Dinge unternehmen kann. Und ich merkte, ich will das auch für mich allein machen, ohne Absprachen und Anpassung an Jemanden.

Ängste kann man überwinden, wenn man sie in Schach hält und vor allem genau das tut, was einem Angst macht. Psychologen tun doch nichts anderes. Sie konfrontieren Menschen mit ihren Ängsten, damit sie kleiner werden.

Diese inneren Ängste sind irrational und sie beruhen meist auf früheren Verletzungen, die nie geheilt wurden. Die spult man dann immer wieder ab, immer in der Hoffnung, dass die Verletzung dieses Mal sozusagen überschrieben und damit beseitigt wird.
Es sind dumme Ängste, weil sie einen grundlos blockieren.
Angst vor einer realen Gefahr ist wichtig und lebensnotwendig, aber die Ängste mit denen sich Ro herumschlägt, sind völlig überflüssig und unbegründet. Aber sie begreift es leider nicht und steigert sich stattdessen immer mehr rein.

07.04.2022 19:06 • x 2 #744


MissGeschick

MissGeschick


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Zitat von Ro_Lina:
mm dir noch ne Woche Zeit und dann triff dich wieder mal locker mit der WG, also mit allen, vorranging vielleicht mit den Mädels, vielleicht irgendwo draußen, damit es auch räumlich entspannt ist.
Dir wird es vielleicht die ersten 1-2 Mal nicht so gut damit gehen Bob zu sehen, aber dann merkst du sicher dass es nicht so schlimm ist wie dein Kopf es wich ausmalt und dann entspannt sich die ganze Situation auch wieder.
Dann wird die Angst ihm zufällig zu begegnen vergehen, dann fällt viel vom Druck und der Anspannung hab und du hast wieder Kapazitäten dich auf dich zu konzentrieren und mit dir selbst zu arbeiten.

Hallo @Ro_Lina ,
Wenn man dir genau das sagen würde, wÜrdest du nur aufzählen warum du das nicht kannst.

Du könntest dich mal fragen, wovor deine Angst dich schützt, was sie für dich tut? Was tätest du ohne deine Angst? Oder was glaubst du, täte ein erwachsener Mensch, in deiner Situation ohne Ängste?
Das Verharren in dieser hilflosen Situation, ist etwas, was dein Unterbewusstsein als sichere Zone interpretiert. Das ist dein Spielfeld. Da kennst du dich aus. Jemand, der nicht KANN, MUSS auch nicht.


Natürlich überwindest du dich, und machst trotzdem schlechte Erfahrungen. Life‘s a B*itch and then you die. Das geht jedem Erwachsenen so, immer. Man stolpert, man fällt, man lernt, man geht weiter.

Ich würde mich freuen, wenn du mal anschaust, warum du in dieser Haltung verharrst, in der du immer nur aus Defiziten bestehst. Welchen Schutz bietet dir das? Welche FUNKTION haben deine Ängste in deinem Leben?

Es ist schmerzhaft zu lesen, wir verzweifelt du kämpfst wenn man dir sagen will: DU MUSST WAS ANDERS MACHEN. Da kommen unglaubliche Kräfte auf in dir. Würdest du die doch nur verwenden um dich selbst zu überzeugen.


https://soulsweet.de/opferrolle-verlassen/

Ich freue mich, wenn du dir das mal
durchliest. Und reflektierst worin du dich da evtl wiedererkennst.

07.04.2022 19:33 • x 4 #745


Hansl

Hansl


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In
Zitat von Begonie:
Aber sie begreift es leider nicht und steigert sich stattdessen immer mehr rein.

Ich finde, sie hat sehr viel begriffen, mehr als einige andere hier.
Nur hat sie einen Dickschädel.
Und lässt es noch nicht zu sich zu öffnen, Input.
Es geht um um die Ursachen.
Daß sie nicht ihrer Mutter die Treue hält.
Und somit den Dämonen Tür und Tor öffnet.
Sie darf nicht glücklich sein.
Sie darf nicht sein wer sie ist.
Sie muß ein Kind sein.
Und für jedes Glücksgefühl muß sie weiter Mutter Rechenschaft ablegen.
Dann die Wut.
Das will kein Partner erleben.
Der Anfang liegt im loslassen.
Und sich selbst erkennen.
Seine Symptome zu erkennen wird wohl nicht reichen.
Und man muss sich auf andere einlassen können, die einem wirklich näher kommen.
Nicht nur diese, die man unter Kontrolle hat.

07.04.2022 19:49 • x 1 #746


Begonie


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Zitat von Hansl:
ch finde, sie hat sehr viel begriffen, mehr als einige andere hier.
Nur hat sie einen Dickschädel.
Und lässt es noch nicht zu sich zu öffnen, Input.


Es ist frustrierend zu lesen wie sehr sie sich gegen sämltiche Ratschläge sperrt. Sie baut sich ihre Sicherheitszone mit hohem Stacheldrahtzaun außen rum, in die kein Rat eindringt. In ihrer Zone spielt sie dann 1001 Gedanken durch und begibt sich in ihre innere Panik, die ihr dann wieder zusetzt.
Gleichzeitig ist sie aber schrecklich bedürfig und auf das Wohlwollen und Engegenkommen anderer Menschen angewiesen, wofür sie ihren Zaun wieder hinter sich lassen muss und dann wieder ungeschützt ist. Oh Gott, was, wenn der mich nicht mag? Wenn er mir die kalte Schulter zeigt? Was macht das mit mir?

Und dann läuft es nicht so wie sie es sich vorstellt, weil sie auf die Reaktion von Mitmenschen angewiesen ist. Und die kann unterschiedlich ausfallen. Von Freude, Entgegenkommen bis Distanzierung oder gar Zurückweisung ist theoretisch alles möglich. Und das macht ihr dann wieder Angst weil die Reaktion nicht programmierbar ist.

Dann ist das innere Programm wieder bestätigt. Wenn schon meine Mama mich nicht (genügend) geliebt hat, dann tut es auch kein anderer. Und dann kommt wieder der Gefühlsüberschlag und sie wird in einen Strudel aus Verletzung und Hilflosigkeit gerissen.

Es ist nichts schwerer für einen Menschen, seine Sicherheitszone und sein inneres Programm zu verlassen. Selbst junge Menschen kleben eisern an dem, was sie bereits kennen. Und bei Ro ist es leider nichts Gutes, was sie kennengelernt hat.

Gerne würde man ihr einen Tritt geben oder sie zur Tür der WG begleiten, aber das ist eben nicht möglich.

Ich habe die Erfahrung gemacht und ich war früher deutlich schüchterner und mutloser, dass es sich lohnt, Mut zu aktivieren und sich einfach mal was zu trauen, auch wenn es nur das Drücken einer Klingel ist.
Aber da ist Bob und was dann? Dann sage ich zu Bob freundlich hallo und begrüße die Mädels und sage, ich habe heute Kuchen für alle mitgebracht. Und schon ist die Situation entschärft und keiner muss mehr Angst haben.

Ro traut sich nicht zu, dass sie Situationen lenken und beeinflussen kann. Sie ist zu ängstlich und dann zieht sie sich wieder in ihren Bau zurück, der sie aber auch nicht glücklich macht, sondern alles Negative noch verstärkt.

Mein Rat: Das Kind muss an die frische Luft!

08.04.2022 11:30 • x 1 #747


Lalunia

Lalunia


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Vorab… ich hab nicht den ganzen Thread durchgelesen, also tut mir Leid falls dieser Vorschlag bereits genannt wurde.
Der Eingangspost hat mich berührt. Ich kann Deine Gefühle sehr gut verstehen liebe TE. Aus eigener Erfahrung. Da hilft bewusstes gegensteuern und mit dem Partner offen reden. Dafür muss Du aber verstehen was in Dir passiert und warum diese Gedankengänge bei Dir entstehen.
Ich empfehle Dir das Buch attached” von Amir Levine. Das hat mir die Augen geöffnet.

10.04.2022 14:50 • x 1 #748


Ro_Lina


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Entschuldigt dass ich nicht auf alles eingehen kann was ihr geschrieben habt....ich hab einfach keine Kraft dazu, es tut mir wirklicj leid

Hab grad ein Zitat gehört:

Das ist das Schwierigste:
Wenn man merkt dass man loslassen muss und nur darauf hoffen kann, dass der andere den Weg zurück zu dir findet.

Und wenn man an der Angst davor, dass der andere den Weg nicht finden wird oder finden will, förmlich kaputt geht?
Der Angst davor diesen Menschen wirklich und endgültig zu verlieren? Für immer.

Wie soll man damit umgehen?
Wie man das über Tage, Wochen, Monate aushalten ohne zu zerbrechen?

10.04.2022 15:46 • #749


alleswirdbesser

alleswirdbesser


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@Ro_Lina es wird keinen Weg zurück geben. So leid es mir tut, aber diesen Gedanken solltest du irgendwie wegbekommen samt Hoffnung. Und sobald du das hast, geht es dir wieder besser. Ich denke Bob hat sich ganz klar positioniert und das ist einfach die Tatsache, mit der du arbeiten solltest anstatt mit der Hoffnung zu leben und der Angst, dass diese umsonst ist.

Und nein, ich möchte dich mit meinen Worten nicht verletzen, ich würde dir vom Herzen wünschen, dass du abschließen kannst und wieder zur Ruhe kommst.

10.04.2022 15:54 • x 4 #750



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