Bina, Du siehst das wie ganz viele Frauen (leider) völlig falsch. Es geht nicht um Spielchen. Es geht auch nicht um Manipulation. Es geht um das ganz natürliche Bindungsverhalten von Männern und Frauen.
Frauen binden sich durch Nähe, Männer durch Distanz. Frauen laschen emotional ab, wenn sie Distanz schaffen zwischen dem Mann und sich. In dieser Distanz aber bauen Männer emotional auf. Eine Win-win-Situation, wenn das emotionale Verhältnis zwischen Mann und Frau gestört ist. Nur denken Frauen immer, Männer würden genauso an Gefühlen verlieren, wenn sie sich distanzieren, und "klammern" daher lieber, weil es das ist, was sie selbst sich wünschen würden. Der Mann wünscht sich aber unbewusst das genaue Gegenteil davon, auf ihn wirkt dieses Klammern wie schiere Verzweiflung, und das ist natürlich wenig anziehend.
Die zwischenzeitlichen Distanzierungen der Frau sorgen also in einem ungleichen Verhältnis - was bei einer Affäre ja quasi immer gegeben ist - für einen Ausgleich. Wenn die Frau feststellt, dass sie mehr Gefühle für ihn hat als umgekehrt, dass sie ihn mehr braucht als er sie, dass sie mehr von ihm will als umgekehrt, gibt es nur den einen Weg - Distanz.
Zum einen, um ihn - auf ganz natürliche Weise! - wieder zu mehr Nähe zu bewegen, zum anderen aber - und das ist viel wichtiger - für sich selbst! Statt sich also weiterhin auf den Mann zu fixieren und zum Klammeraffen zu werden - wieder auf sich selbst fokussieren und konzentrieren. Sich verstärkt um sich selbst kümmern, die Gedanken von ihm ab und zu sich selbst wenden.
Den Mann wird man dadurch nicht verlieren (was viele Frauen offenbar fürchten) - im Gegenteil. Er wird von selbst wieder näherkommen, wenn er die Distanzierung bemerkt. Spielchen sind es dann, wenn Du vorgibst, weniger Gefühle zu haben als Du tatsächlich hast. Das geht nie gut, das ist Quatsch, denn das kann man nicht vorspielen.
Es geht aber in Beziehungen nicht um Spielchen, sondern darum, das Gleichgewicht der gegenseitigen Gefühle wieder in richtige Bahnen zu lenken, wenn es zu Ungunsten des einen verrutscht ist. Also nicht weniger Gefühle vorzuspielen, sondern ganz einfach weniger Gefühle zu haben. Und eben durch diese Distanzierung dafür zu sorgen, dass man selbst emotional ablascht, damit man sich nicht mehr so hilflos, abhängig und gefangen fühlt und wieder emotional freier wird.
Du bist doch jetzt nur in diesem schrecklichen Zustand, weil Du genau das eben nicht gemacht hast. Du hast lieber stundenlang am Handy geklebt und auf einen "Online"-Status gestarrt, als irgendwas zu machen, das Dir gut tut, das Dir Spaß macht, das Dich im Leben weiterbringt, das Dir Kraft gibt. Und genau das ist der Fehler. Denn er hat das natürlich gespürt, Du hast ihm damit ja auch noch Sicherheit gegeben, dass Du "noch da" bist. Diese Sicherheit hätte er nicht gehabt, wenn Du Dich wirklich distanziert und um Dich und Dein Leben gekümmert hättest - wie es, mit Verlaub, doch auch gesund und richtig ist und was absolut nichts mit "Spielchen" zu tun hat.
Und der Haupteffekt wäre gewesen, dass Du jetzt nicht wie ein bedürftiges, abhängiges Etwas heulend im Bett liegst und trauerst, sondern dass Du nach wie vor ein ganz normales, gesundes, glückliches Leben hättest, mit oder ohne ihn. In dem Du Platz für ihn geschaffen hättest, wenn er das von sich aus gewollt hätte, das aber nicht wirklich schlechter wäre ohne ihn. Genau diese Ausstrahlung fehlt Dir jetzt, aber es ist genau diese Ausstrahlung, die ein Mann braucht, um sich zu einer Frau wirklich aus tiefstem Herzen hingezogen zu fühlen.