Zitat von Zugaste:Wenn jeder für sich selbst guckt in einer Beziehung, dass er glücklich ist, mit sich selbst und in der Partnerschaft, wenn man sich ohne den anderen wohl fühlt in seiner Haut und sich vom Partner lediglich "unterstützt" fühlt, wenn man im Gespräch bleibt, interessiert am anderen bleibt, ehrlich über seine Wünsche redet, sich und den anderen respektiert, dann sehe ich eine gute Chance lange zusammen zu sein!
Richtig?
Ich denke, Beziehungen sind so komplex, dass es da keine allgemeingültigen Weisheiten gibt. Man darf sie halt nicht einschleifen lassen, sie müssen lebendig bleiben, im Fluss. Sonst werden sie zu stehenden Gewässern, und die stinken und kippen irgendwann um. Und zu dieser Lebendigkeit müssen beide beitragen.
Ich habe z.B. gelernt, dass es sehr kontraproduktiv ist als Frau, zu viel für die Beziehung zu tun. Also der "Macher" zu sein in der Beziehung, denn dadurch zwingt man den Mann dazu, zur Prinzessin zu mutieren und folglich nur noch die Füße hochzulegen. Ich habe jahrelang meine Ehe "geführt", in jeder (!) Hinsicht. Jede noch so kleine und auch große Entscheidung lag bei mir, mein Ex-Mann hat mir sein ganzes Leben in die Hände gedrückt und gesagt: Mach mal, Du machst das schon.
Und ich hab gemacht und gemacht, bis ich irgendwann nicht mehr konnte und total erschöpft war und gar nicht wusste, wovon überhaupt. Meine "Klagen" diesbezüglich konnten bei ihm natürlich nur auf taube Ohren stoßen, er hätte ja gar nichts ändern KÖNNEN, solange ich zwar geklagt, aber trotzdem weiter "gemacht" habe. Ich hätte also einfach meine Arbeit einstellen müssen, und zwar komplett. Aber das wollte ich ja auch nicht, schließlich war mir ja auch daran gelegen, dass die Beziehung irgendwie noch funktioniert. Und so entstand bei uns u.a. ein böser Teufelskreis, der mich immer weiter erschöpft und ihn immer gleichgültiger hat werden lassen (weil "läuft" ja alles, und zwar ohne sein Zutun).
So hat also mein (aktives, männliches) Verhalten zu seinem (passiven, weiblichen) Verhalten geführt. Bewusst geworden ist mir das in meiner Affäre, übrigens
Da war es am Anfang noch umgekehrt - er war der "Mann", der Jäger, er hat gejagt, aber danach hat er sich total zurückgenommen, weil er ja die Beute erlegt hatte, und ich hab angefangen, wie eine Blöde zu "arbeiten". Bis ich merkte, dass er immer mehr zur Prinzessin wurde und ich immer mehr zum Jäger, und das fühlte sich natürlich total verdreht an. Also eigentlich hab ich in meiner Affäre meine Ehe "nachgespielt" von der Dynamik her

nur in 16 Monaten statt in 16 Jahren. Aber mit dem exakt gleichen Ergebnis, obwohl ich in der Affäre dann irgendwann mein Jagdverhalten wieder eingestellt und mich meinerseits komplett zurückgenommen habe. Und tatsächlich passierte ja auch sofort wieder was - aber das wollte ich dann halt nicht mehr.
Gelernt habe ich daraus - wenn die Frau in der Beziehung zum Mann wird, muss der Mann zur Frau werden. Geht gar nicht anders, das ist immer so. Und wenn frau das ändern will, hat sie nur eine einzige Chance - selbst wieder zur Frau werden. Auch wenn die "Übergangszeit" brutal ist, weil die Beziehung dann temporär zum totalen Erliegen kommt, weil ja erstmal keiner von beiden noch irgendwas macht. Der Mann braucht halt auch seine Zeit, um aus dem Dornröschenschlaf aufzuwachen und zu merken, dass er wieder gefordert ist, sonst ...

Das mal nur so als Beispiel, welche Mechanismen in ganz vielen Beziehungen eine große Rolle spielen. Ich habe sehr viele Freundinnen, die über genau dieses männliche Verhalten klagen, aber durch Nörgeln und Meckern ändert man es halt nicht, sondern verschlimmert man es nur noch.