Kaetzchen
Gast
Gleichzeitig ist es bei vielen doch auch gerade die Angst vor (emotionaler) Abhängigkeit, die einen überhaupt in eine Affäre treibt. Mich zum Beispiel
Und wenn die Abhängigkeit dann übermächtig wird und das gesunde Maß verlässt, bleibt man in einer ungesunden Verbindung, viel länger, als einem gut tut. Ob der Partner nun verheiratet ist, oder Alk oholiker, Dr süchtig, ein Narzisst, Borderliner, ein Schläger ... was auch immer, egal. Toxische Verbindungen gibt es ohne Ende. Und jede Affäre ist eine toxische Beziehung, sofern intensive Liebesgefühle im Spiel sind. Es ist halt nicht leicht, da rauszukommen. Und je mehr man von einer abhängigen Persönlichkeit in sich trägt, umso schlimmer wird es. Hier werden oft Muster aktiviert, die tief in einem vergraben waren und die in normalen, gesunden Beziehungen ja gar nicht erst ausbrechen.
Es ist nicht das, was man ist oder in sich trägt. Es ist die "Beziehung" an sich, die so gefährlich ist. Völlig normale, an sich bindungsfähige, gesunde Menschen geraten in solche Konstrukte und lernen sich plötzlich ganz neu kennen, weil in ihnen Dinge hervorgerufen werden durch die Konstellation, die sie so überhaupt nicht kannten von sich.
Das ist auch mir so gegangen, obwohl ich in all meinen Beziehungen immer die starke Überlegene war, immer die sehr viel Distanziertere, die, die weniger Nähe wollte und brauchte. In der Affäre habe ich zum ersten Mal diese andere Seite von mir gesehen - zum ersten Mal im Leben habe ich Verlustangst gehabt, ich kannte das überhaupt gar nicht, es war mir total fremd und es hat echt lange gedauert, bis ich das für mich als solche erkennen und einschätzen konnte. Das hatte aber nichts mit mir und meinen Unzulänglichkeiten zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit dem "System" Affäre. Angst ist ein verdammt starker Antrieb. Logisch, denn die Natur hat uns die Angst gegeben, um unser Leben zu schützen. Dabei unterscheidet mein inneres System aber nicht zwischen "normaler" Angst und "lebensbedrohlicher" Angst. Manche Ängste wirken da einfach lebensbedrohlich, obwohl sie das rational natürlich nicht sind. Es ist ein schwerer Kampf, da rauszukommen, wenn einen solche Ängste erstmal im Klammergriff haben.
Ich hab es auf meine Art gemacht, ich hab mich während der Affäre rausgekämpft, indem ich mich sehr rational und bewusst damit auseinandergesetzt habe und versucht habe, das ungesunde Machtverhältnis zu meinen Gunsten umzudrehen und gleichzeitig meinen Selbstwert wieder zu erhöhen, denn der hatte durch die Affäre gelitten. Damit ich als die "Überlegene" aus der Affäre aussteigen konnte, denn als Unterlegener kann man das nicht, es geht einfach nicht.
Und der Überlegene, und das ist ja das, was ich und viele andere hier den AM vorwerfen, tut es nicht, weil er eben egoistisch ist. Er wäre der einzige, der das rigoros beenden könnte (und müsste!). Dann könnte die AF, die Unterlegene, sich mit ihrem Liebeskummer abfinden und das Ganze verarbeiten, wie bei jeder normalen Trennung auch. Aber es sind ja die AM, die immer wieder ankommen, die jammern, die wehklagen, die sich anklammern, die nicht loslassen wollen. Obwohl sie es müssten und vor allem auch als einzige KÖNNTEN! Das ist doch die Crux an der Sache.
Bei Bina ist es etwas anders, da sind beide unterlegen, weil beide abhängig sind. Voneinander, und er auch noch von anderen Dingen (und vielleicht Personen). Da ist natürlich keine "einfache" Lösung möglich. Bina könnte eigentlich die Überlegene sein in ihrer Konstellation, sehr leicht sogar. Und ich sehe sie auch auf dem Weg dahin, weil sie sich jetzt emotional löst. Es geht langsam, aber es geht. Und das ist der erste und wichtigste Schritt. Und wenn sie auf diesem Weg jetzt gerade am Pfosten "Mein Ex ist ein Oberar... und ich bin stinksauer auf ihn" ist, dann ist sie da halt gerade. Der Pfosten steht wohl auf jedem Trennungsweg irgendwo rum, da gehen wir alle dran vorbei

