Ema
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Zitat von Santosha1951:Zitat von Ema:Nur eins:
Deinen sinngemäßen Satz, dass du ihm die Wahrheit nicht sagen kannst, weil er dir immer so vertraut...
Überdenk den nochmal. Bitte. Du musst ihn belügen, weil er dir vertraut!?
Darauf reagiere ich innerlich inzwischen echt allergisch. Daraus kann nichts Gutes erwachsen.
Ich verstehe kleine Lügen, um andere zu schützen.
Aber meistens schützt man doch vor allem sich selbst...
@Ema
Liebe Ema,
ich verstehe, dass du allergisch reagierst auf so einen Satz. Das würde ich auch genauso sehen, wenn ich nicht in so einer Situation leben müsste. Und natürlich schützt man sich auch selbst. Hab ja geschrieben, dass ich moralische Bedenken hatte.
Und ich kann sein Vertrauen nicht wissentlich missbrauchen.
Nur muss ich es mal so ausdrücken, dass nach so vielen Jahren mit schwerstbehinderten EPs, egal in welchem Alter, sehr häufig die gesunden Partner nochmal nach Jahren den Wunsch nach einer "normalen" Beziehung haben.
Ich habe das oft erlebt.
Mein Mann lebt jetzt 5 Jahre in einem Heim und ich habe dort viele Menschen kommen und gehen sehen und die dazugehörigen Partner kennengelernt. Viele Gespräche geführt.
Der älteste Herr, der seine schwerst demenzkranke Frau jeden Tag mehrere Jahre besucht hat, sie gefüttert und teilweise auch versorgt hat, war 84 Jahre alt, geistig total fit und hatte später eine eheähnliche Beziehung zu seiner Nachbarin. Der blühte wieder richtig auf.
Er war bis zum Tod seiner EF an ihrer Seite, nur sagte er ab und zu, ich bin einsam, meine Frau liebe ich, aber sie wird mir nie mehr die Partnerin sein, die mir meine Einsamkeit nimmt. Ich lebe noch, helfe, sreichele ihre Hand und bin immer da, nur fühle ich mich alleine und gehe kaputt daran.
Auch Freunde von uns, die mich öfter mal mit meinem AM sahen, hatten bei späteren vertraulichen Gesprächen volles Verständnis, dass in so einer Extremsituation "Notlügen" erlaubt sein müssen.
Mein Mann hatte MultHirninfarkte. Wenn ich ihm sagen würde, ich möchte eine offene Ehe, dann befürchte ich, dass er sich was antut, oder nochmal einen Schlaganfall bekommt und das war dann auch der "letzte". Den würde er nicht mehr überleben.
Das kann ich nicht verantworten.
Mein EM war meine große Liebe und ich weiß, dass er nie wieder der Mann sein wird, den ich kennenlernte. Ich war damals schon etwas älter, wir wollten den Rest unseres Lebens miteinander verbringen. Das ging fünf Jahre. Dann wurde er zum Pflegefall nun schon elf Jahre lang. Kann alleine nichts mehr machen. Wird immer auf fremde Hilfe angewiesen sein.
Wie kann ich meinem Mann erzählen, dass ich mich zweimal in der Woche mit einem anderen treffe. Der Unterschied von z.B.Demenzkranken zu meinem EM, ist der, dass sein Gehirn inzwischen durch intensives Training gut funktioniert und er alles mitbekommt.
Mir wäre ein anderes Leben auch lieber, aber da ist man machtlos.
Ja. Ich verstehe dich. Ich kann da nicht mitreden. Ich habe es einfach noch nie erlebt. Bin weit davon entfernt, über dich zu urteilen. Alles was ich sehe, ist dass du in einer extrem schwierigen Lage bist.
Mir tut das total leid. Vergiss, was ich gesagt habe. Ich kann da einfach nicht mitreden und das hätte ich vorhin eigentlich schon erkennen können.
Sorry.
Alles Liebe dir.



