Kaetzchen
Gast
Die AM genießen das natürlich - denn sehr sehr häufig haben sie genau diese Rolle in der Hauptbeziehung - und wollen deshalb so ungern loslassen. Es ist toll fürs Ego, wenn da jemand ist, der einen sooo sehr liebt. Sie wissen auch, dass sie sich genau das zerstören würden, wenn sie sich wirklich für die AF trennen, denn dann landen sie mit der in einer Beziehung und können dort diese Position des Überlegenen nicht halten. Dann passiert genau das, was vorher in der Hauptbeziehung auch passiert ist.
Es gibt nur einen einzigen Weg für Affären, egal mit welchem Ende - die AF muss in die Überlegenenposition kommen. Oder halt warten, bis was passiert (Affäre fliegt auf und der AM beendet sie konsequent), dass die Affäre beendet. Eine Liebe aus der absoluten Unterlegenenposition heraus tut immer weh. Es ist ja quasi wie permanenter Liebeskummer, nur dass man hier nicht einfach so abschließt, weil das Objekt der Begierde klar sagt: Danke, kein Interesse - das tut dann auch weh, aber nur eine Zeitlang und danach ist man wieder frei - sondern in einem Dauerzustand von Liebeskummer verharrt, und der wirkt auf das Gehirn wie eine Depression. Und diese Depression wird immer mal wieder kurz unterbrochen - wenn AM schreibt oder anruft, wenn es ein Treffen gibt, wenn es S. gibt ... jedes Mal feuert dann das Belohnungszentrum im Gehirn und durchbricht für kurze Zeit den Kummer. Wie eine Dr. eben, gleiche Wirkung. Je nachdem, wie lange die Wirkung anhält, fällt man danach jedes Mal (!) ein bisschen tiefer in den Kummer als vorher, bis dann die nächste Unterbrechung kommt und so weiter. Ein Teufelskreis.
Das alles hat man NICHT, wenn man selbst der Überlegene ist. Deshalb leiden die AM ja auch nicht so in ihren Affären. Sie würden genauso leiden, wenn sie die Unterlegenen wären. Und dann würden sie sich auch trennen, um ihr Leid zu beenden. Das passiert aber extrem selten, denn sie haben ja immer noch die EF, sind also meistens emotional nicht so bedürftig, wenn die Ehe noch nicht ganz am Ende ist, und sie schützen sich meistens selbst vor zu vielen Gefühlen. Also eine ganz ganz schlechte Ausgangsposition für die AF, zumal das Ganze auch noch davon abhängt, wie sich parallel die Hauptbeziehung entwickelt, denn in dieser müsste der AM dann auch erstmal in die Überlegenenrolle kommen (falls er da schon von Anfang an drin ist, ist es ein bisschen einfacher, den Fall gibt es auch, aber diese AM sind dann auch tatsächlich eher auf der Suche nach einem Sprungbrett als "nur" nach einer Affäre).
Wie kann man das drehen, dass man selbst in die Überlegenenposition kommt? Indem man deutlich weniger will als der AM. Beispiel: AF will eine Beziehung, AM will eigentlich nur die Affäre behalten. AF ist extrem unterlegen und hat auch keine Chance, aus dieser Position heraus zu ihrem Ziel zu kommen, es sei denn sie will keine Beziehung mehr mit dem AM und er will plötzlich eine mit ihr. Dann wäre sie nämlich die Überlegene.
Oder: AF will auch keine Affäre mehr, AM aber schon - AF wird zur Überlegenen und trennt sich. Allerdings sehr oft nur für kurze Zeit, bis der AM wieder andockt und AF sich doch noch mal zur Affäre überreden lässt. Dann wird sie wieder zur Unterlegenen, sofern ihr Beziehungswunsch weiterhin besteht.
Kann man sich zur Überlegenen entwickeln? Ja, kann man. Kostet Zeit, Geduld, Nerven und ganz viel Kraft. Man muss die eigenen Gefühle eben im Laufe der Zeit so stark reduzieren, dass man selbst deutlich weniger vom AM will als umgekehrt. Geht meistens nur durch Distanz - regelmäßige längere (!) Kontaktsperren immer mal zwischendurch helfen zum Beispiel. Kein selbst initiierter Kontakt mehr, sondern nur noch reagieren auf seinen Kontakt und das auch immer deutlich weniger und kürzer, als es von ihm kommt. Dem AM absolut keine Sicherheit mehr geben - nicht immer verfügbar sein, auch mal 2-3 Tage gar nicht antworten, Treffen absagen, auch gern kurzfristig, weil was dazwischen gekommen ist, das restliche Leben deutlich höher priorisieren als ihn ... also wenn der AM z.B. eine Affäre möchte, bei der man sich einmal pro Woche sieht, sollte man selbst maximal alle zwei Wochen ein Treffen zulassen und auch selbst nur so seltene Treffen wollen, weil man für mehr gar keine Zeit hat.
Sich verstärkt wieder um sich selbst und das eigene Leben kümmern. Freundeskreis ausbauen, neue Hobbys zulegen, eine berufliche Fortbildung machen, daten ... alles tun, um sowieso viel weniger Zeit zu haben für eine Affäre. Das eigene Leben wieder mit anderen Inhalten füllen und den Selbstwert aufwerten. Das, was man nach einer Trennung eben auch tun sollte. Wenn man das schon während der Affäre macht hilft es am Ende sehr, sich aus dieser unglückseligen "Beziehung" zu befreien, weil man nicht mehr so abhängig davon ist.
Es hilft auch, sich klarzumachen, dass man als Single (!) eigentlich gar nicht unterlegen sein muss. Der große Vorteil, den man als AF nämlich hat ist die Freiheit, die ihm ja genau fehlt. Und das sollte man den AM auch immer wieder spüren lassen. Nicht mehr so viele Details aus dem Alltag erzählen, ihn nicht mehr einbeziehen, keine Probleme mehr mit ihm besprechen (gibt ihm zu viel Bedeutung), immer mal ins reale Leben abtauchen und dabei den AM auch komplett außen vor lassen. Also Wellness-Wochenende mit den Freundinnen, in dieser Zeit 2-3 Tage null Kontakt, egal, wie viel er schreibt. Er sollte in solchen Phasen keine Rolle spielen, man sollte ihn einfach ausblenden. Machen die AM umgekehrt ja genauso
Statt selber zu Hause rumzusitzen und sich mit Kopfkino zu quälen (was macht er jetzt wohl gerade mit EF? Sitzen sie kuschelnd auf dem Sofa? Oder sind sie gar miteinander im Bett?), was Schönes für sich machen. Ohne ihn und ohne dabei an ihn zu denken. Solches Kopfkino immer gleich unterdrücken, wenn es kommt, und sich bewusst davon ablenken.
Durch diese Handlungen distanziert man sich auch mit der Zeit selbst emotional immer mehr, die Gefühle kühlen etwas ab, gleichzeitig zieht es den AM emotional stärker zu einem hin, sodass irgendwann tatsächlich eine Augenhöhe entstehen kann. KANN - denn Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der AM überhaupt Gefühle hat für die AF. Hat er gar keine oder nur sehr geringe, funktioniert das auch nicht, er wird sich dann wahrscheinlich selbst auch stärker distanzieren und die Affäre irgendwann auslaufen lassen (oder sich eine neue AF suchen, die ihm dann wieder treu ergeben ist, das ist dann eben so).
Ist also zumindest auch ein guter Test um zu schauen, ob AM überhaupt echte Gefühle hat
Ich hoffe, es kommt hier nicht wieder zu "Missverständnissen" wegen der Begrifflichkeiten (überlegen/unterlegen). Es geht hier ausschließlich um die Position innerhalb der Beziehung, nicht darum, ob einer hübscher, klüger, reicher oder sonst was ist als der andere, das spielt absolut keine Rolle dabei. Aber diese Rollen gibt es in jeder Beziehung zwischen zwei Menschen, und manchmal geraten sie in einen dauerhaften Schiefstand, z.B. in Affären, und dann wird die Beziehung sehr giftig und ungesund. Unterlegen ist immer der, der stärker an der Beziehung hängt, weil er sie mehr braucht, und der mehr liebt als der andere.
Dummerweise fühlt sich eine Liebe aus der Unterlegenenposition heraus viel größer an als eine Liebe auf Augenhöhe (also in einer normalen Beziehung) oder gar aus der Überlegenenposition. Das liegt daran, dass unsere Gefühle sich eben genau so verhalten - bin ich unterlegen, will also mehr von meinem Partner, als er mir geben will, schürt das meine Gefühle und sie verstärken sich. Bin ich überlegen und will weniger, kühlt das meine Gefühle ab, sie reduzieren sich. Das passiert immer und ganz automatisch. Und da wird schon klar, warum Affären in den meisten Fällen für die AF so schmerzhaft sind und für den AM nicht so sehr. Weil seine Gefühle sich gar nicht so stark entwickeln können, solange die AF so deutlich unterlegen ist
.Werde mir Deine Worte heute wohl noch ein paar mal zu Gemüte führen und versuchen zu verinnerlichen.
