Zitat von Aufgewacht:
Ich hatte auch mal eine kurze Affäre und der Mann war sehr ehrlich und klar zu mir und hat mir nicht in Aussicht gestellt, dass er wegen mir seine Ehefrau verlassen wird (das liest man hier in diesem Thread aber sehr oft).
Also es ginge schon denk ich man(n) muss halt Eier haben
Und da siehst Du den Unterschied - wenn der Mann diesbezüglich klar ist, wird die AF die Affäre über kurz oder lang beenden, weil sie "aufgibt". Wie bei Dir auch ja z.B. auch bei Dummda so geschehen, die Affäre ihres Mannes dauerte ja auch nur ein paar Wochen, weil er eben klar war und als die AF ihm ein Ultimatum stellen wollte, für ihn feststand, worauf er verzichten will.
Wenn dem Mann aber nun daran gelegen ist, die Affäre länger aufrechtzuerhalten (weil es ja auch bequemer ist, als sich eine neue AF zu suchen), kommt er ab einem gewissen Punkt ums Lügen nicht herum. Dann geht es eben los mit den leeren Versprechungen, Hoffnung machen usw., damit die AF bei der Stange bleibt
Wer ehrlich ist, wird halt nur eine kurze Affäre haben, aber keine, die mehrere Jahre überdauert. Sogar Frauen, die selbst in einer Ehe stecken und eine Affäre mit einem verheirateten Mann haben wünschen sich insgeheim, dass der Mann seine Frau für sie verlässt. Obwohl sie selbst gar nicht vorhaben, ihren Mann zu verlassen. Klingt seltsam, ist es auch. Habe ich aber andauernd und ständig so gelesen und gehört. Der unbewusste Wunsch, diesen Mann einer anderen "wegzunehmen", ist halt da. Blöderweise sogar dann, wenn man diesen Mann eigentlich für sich gar nicht haben wollen würde, wenn er frei wäre z.B. (ich weiß nicht, wie oft ich in Affärengeschichten gelesen/gehört habe: eigentlich war er gar nicht mein Typ, aber ...). Und je geringer die Hoffnung auf Erfolg, desto weniger motiviert ist die Frau, die Affäre weiterzuführen.
Das gilt wohl so in den allermeisten Fällen. Und so wird aus einem Mann, der eigentlich nur eine Affäre wollte, ein "Eiermann". Jedenfalls bis zu dem Punkt, an dem die AF entnervt aufgibt, die EF ihm draufkommt und Theater macht oder sonst was. Dann wird er ein bisschen um den Verlust trauern, schließlich hat ihm die AF ja auch viel gegeben, und nach einer gewissen Zeit wird er sich eine neue AF suchen und das Spiel beginnt von vorn.
Und ja, ich höre schon das Krähen "man muss ja nicht seinen Trieben nachgeben, man hat doch auch einen Verstand". Blabla. Natürlich haben wir das. Wir alle.
Aber wer noch nie wider die Vernunft irgendeinem Trieb nachgegeben hat, der hebe die Hand. Und begebe sich auf geradem Weg ins Paradies, ohne Fegefeuer. Es passiert halt, jedem von uns. Ob es nun eine Affäre ist, oder Alk., Dr., Diebstahl, irgendein anderes selbstschädigendes Verhalten - die meisten von uns haben in ihrem Leben mal einen Punkt, an dem sie einfach schwach sind. Unglücklich oder unzufrieden. Von geringem Selbstwert. Allein und einsam. Was auch immer.
Und was einen dann an so einem Punkt ereilt, ist manchmal Schicksal. Aus einer Position der Stärke heraus kann ich locker sagen: wer fremdgeht, ist ein schwaches Weichei. Wer sich auf eine Affäre einlässt, ist ein minderwertiger, unmoralischer und egoistischer Mensch. Wer sich betrügen lässt und trotzdem bleibt, ist sich selbst nichts wert und liebt sich selbst nicht genug. Wer Dr. nimmt, hat Selbstwertprobleme. Wer zum Alk. wird, hat nicht genug Resilienz. Und so weiter.
Stimmt alles, ist alles richtig. Hilft einem in dem Moment, in dem man "reingefallen" ist, weil man eben schwach war, nur wenig. Man muss dann erstmal raus da und anschließend schauen, was einen so geschwächt hat, dass einem das passieren konnte. Und dann daran arbeiten und dafür sorgen, dass das nie wieder passiert.
Der eine hat eine Affäre, der andere trinkt jeden Abend, wird zum Workaholic, spielsüchtig, beziehungssüchtig, s.süchtig, fernsehsüchtig oder was auch immer. Irgendwas ist doch fast überall, wenn man mal genau hinschaut. Wir Menschen neigen zu Realitätsflucht, und eine Affäre ist genau das. Sie ermöglicht uns, vor den tatsächlichen Problemen wegzulaufen, weil sie uns wie jede andere Sucht auch kurze Hochmomente beschert, und uns in den Tiefphasen (dem "Entzug") beschäftigt. Schließlich kreist jeder Gedanke um das unerreichbare Objekt der Begierde, wie die Gedanken des J.unkies auf Turkey um die nächste Spritze kreisen.
Und wir alle hier, die hier noch so rege schreiben und uns noch immer so stark damit beschäftigen, obwohl es längst vorbei ist, hängen immer noch drin. Weil wir uns lieber damit beschäftigen als mit den anderen, tatsächlichen Problemen in unserem Leben.