Kaetzchen
Gast
Ich fürchte, das ist ein großer Bestandteil der Verarbeitung einer Affäre. Und auch das, was einen im Nachhinein so lange daran kleben lässt. Irgendwie hofft man wohl, dass doch noch auf wundersame Weise rauskommt, dass man sich nicht so getäuscht hat. Damit man mit sich selbst wieder ins Reine kommen kann. Ich bin ja den umgekehrten Weg gegangen - mein Misstrauen war gewaltig, aber dann flüsterte manchmal so eine leise Stimme: und was, wenn doch was Wahres dran war an all dem, was er gesagt hat?
Also hab ich mir Gewissheit verschafft und ihn nachträglich für mich noch mal demontiert. Einfach um mein Misstrauen für mich noch mal zu bestätigen, dass ich damit völlig richtig gelegen habe und mein Bauchgefühl mich die ganze Zeit über nicht betrogen hat.
Allerdings stelle ich mir die Situation für eine EF noch viel schlimmer vor. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich jahrelang jemandem vertraut habe, ihn geliebt habe im sicheren Glauben, dass er mich auch liebt, und dann herausfinde, dass er mich womöglich jahrelang hintergangen hat ... danach wäre mein Vertrauen in mich selbst erst recht bis in die Grundfeste erschüttert. Vermutlich würde ich mich jahrelang damit quälen und mich ständig fragen, warum ich dies oder jenes nicht bemerkt habe und sämtliche Situationen der Beziehung im Geiste noch mal durchgehen, mit der Frage im Hinterkopf, ob die WA, die mal mitten in der Nacht kam, vielleicht von einer Geliebten stammte ...
Daher halte ich es inzwischen tatsächlich für gnädiger, wenn der Betrogene so einen Betrug gar nie erfährt. Ich bin meines Wissens noch nie betrogen worden, und ich möchte das auch weiterhin gern so glauben dürfen. Wie ich allerdings mit meinem heutigen Wissen jemals wieder einem Menschen so weit vertrauen können soll, entzieht sich noch absolut meiner Vorstellungskraft
Manchmal glaube ich, ich wäre lieber naiv geblieben. Das war irgendwie entspannter.
Am meisten zu knabbern hatte und habe ich an der Tatsache, dass ich mich bislang immer für einen durchaus liebenswerten Menschen gehalten habe. Tu ich auch heute noch, zum Teil jedenfalls, aber natürlich hat mein Ego eine ordentliche Klatsche gekriegt durch die Tatsache, dass ich eben für manche Menschen nicht liebenswert genug bin (oder so). Da helfe ich mir dann gerade einfach damit, zu denken, dass er meinen tatsächlichen Wert überhaupt nie erkannt oder gesehen hat, und das ist ja in erster Linie mal sein Problem und nicht meins