Ich bin mir meiner "Funktion" in der Affäre sehr bewusst. Und die "Funktion" meines AM für mich ist mir auch sehr bewusst. Die oberflächliche - da haben wir uns gegenseitig für die exakt gleichen Bedürfnisse benutzt, da unsere Ausgangssituation identisch war - aber auch die tief in mir liegende, die dazu führten, dass es ausgerechnet DIESER Mann sein "musste" und kein anderer. Uns zieht immer das an, was wir gerade im Moment brauchen, davon bin ich überzeugt.
Beziehungen sind ja dazu da, dass man an ihnen wächst. Dass einem ein anderer Mensch Seiten von sich zeigt, die man selbst nicht besitzt, oder die man besitzt, aber verabscheut und deshalb unterdrückt, oder Seiten, die man besitzt, aber noch entwickeln muss. Dass man selbst einem anderen Menschen den Spiegel hinhält, Konflikte erzeugt, die in der Paardynamik völlig einzigartig sind und deshalb zu Reibung und innerem Wachstum führen. Eine langjährige Beziehung bietet all das irgendwann nicht mehr, man hat sich ja schon aneinander aufgerieben, sich angepasst, angeglichen, es "läuft" halt. Man kennt sein Gegenüber, so glaubt man, bis ins Detail. Und doch ist da der Wunsch nach innerem Wachstum, nach Veränderung, vielleicht sogar nach weiterer Reifung. Und wie kann man das erreichen, ohne eine neue (enge) Beziehung mit jemandem einzugehen? Eine neue Freundschaft würde ja ähnliches bewirken, da fehlt dann halt die s. Komponente, deshalb "muss" es vielleicht manchmal die Affäre sein. Und wenn man diese im Nachhinein nutzt, kann man auch in der langjährigen Beziehung wieder aneinander wachsen.
Meine Würde habe ich für mein Empfinden nicht verloren. Ich wurde nicht belogen, ich hatte keine falschen Erwartungen, ich wusste, worauf ich mich einlasse, ich habe nicht gebettelt oder gezankt, keine Entscheidung verlangt oder forciert. Ich habe es einfach beendet, als mir die Beziehung nicht mehr das geben konnte, was ich brauchte. Somit hatte ich wohl "Glück im Unglück", denn meine Affäre war etwas anders als viele andere hier, es gab ja nie Zukunftsversprechen oder auch nur den Wunsch nach mehr, höchstens eine Illusion, geboren aus der Befriedigung lang vernachlässigter Wünsche und Sehnsüchte und dem Gedanken, es könnte "für immer" so sein.
Die Würde seiner Frau allerdings wurde nach meinem Empfinden durchaus beschädigt. Da sie aber nichts von der ganzen Sache weiß, ggf. nur etwas ahnt, hält der Schaden sich hoffentlich in Grenzen. Ich hätte mir gewünscht, dass auch er aus der Affäre mehr Nutzen gezogen hätte, für sich, denn das wäre eine gute Chance für ihn gewesen. Aber dazu ist er leider zu unreflektiert und wohl auch zu oberflächlich, was schade ist (im Gegensatz zu Dummdas Mann, der in meinen Augen genau richtig gehandelt hat). Für mich wiederum gut, denn es hat im Nachhinein meine Entscheidung gegen mehr als eine Affäre mit ihm noch mal bestärkt.
Meine jetzige "Beziehung" lehrt mich gerade, auf eine sehr unterhaltsame Weise, auch mal etwas Demut Männern gegenüber zu zeigen

und das ist neu für mich und wahrscheinlich eine Lernerfahrung, die ich gerade brauche. Und solange es so ist, genieße ich das und versuche, daran zu wachsen.