@Konrad
Ich glaube, man muß hier ja auch unterscheiden zwischen einer Naturwissenschaft, die sich auf Mechanistisches bezieht und die daher zumindest grundsätzlich auch zu exakten Ergebnissen kommen kann, und Wissenschaften, bei denen es ein umfassendes Wissen von Vornherein nie geben kann, sondern alles nur Hypothese, Behauptung, fallweise auch Dogma ist.
Die Entfernung des Mondes etwa kann man sehr genau messen, und da es hier auch keinerlei Grund gibt, etwas lediglich zu behaupten, kann man davon ausgehen, daß es damit auch seine Richtigkeit hat, selbst wenn nicht jeder persönlich diese Entfernung nachmessen kann (und zumindest einigermaßen genau könnte man sie, durch Triangulation, sogar selber berechnen).
Bei allem aber, wo es etwa um den Menschen, um das Leben, den Geist, die Psyche, um sehr komplexe und offene Systeme geht, wird man nie zu etwas gelangen, das man tatsächlich "Wissen" nennen könnte, also über das man eine zweifelsfreie Gewißheit haben könnte, die auch keine weiteren Fragen mehr offen läßt. Darüber können auch alle möglichen Studien nicht hinwegtäuschen, die eine These zwar vielleicht untermauern können, aber es nie zu einer Allgemeingültigkeit und Endgültigkeit bringen werden.
Mich erstaunt immer wieder, daß die Menschheit offenbar nie etwas lernt aus ihrer Geschichte und "Wissensgeschichte", also zu jeder Zeit unverdrossen glaubt, sie wisse zumindest schon fast alles. Und das, obwohl diese Geschichte des "Wissens" im Großen und Ganzen ein buntes Sammelsurium der sonderbarsten und kuriosesten Irrtümer ist. Und ich fürchte, die Hormontheorie, als alleinige Erklärung für ein bestimmtes Verhalten, wird sich hier nahtlos einreihen. Wie sehr vieles andere auch, das eben nicht-mechanistischer Natur ist.
Die heutige Wissenschaft macht es nicht anders als früher die Religion: sie versteht sich nicht nur als Erkenner der Wahrheit, sondern auch als Richter darüber. Was die Wissenschaft jeweils als die Wahrheit ausgibt, muß auch die Wahrheit sein, was ihr als unwahr erscheint, vielleicht, weil es ihr gerade nicht in den schulweisen Kram paßt, muß auch unwahr sein.
Es gibt eben diesen akademischen und intellektuellen Boulevard, der wichtig alles herausposaunt, von dem er sich ein zumindest kurzfristiges Aufglänzen verspricht. Aber ernst nehmen sollte man diese Aufplusterei nicht, um nicht dauernd auf irgendwelche falschen Fährten gelockt zu werden. Nicht umsonst hat man ja sein eigenes Hirn und macht seine eigenen Erfahrungen.
Und wenn Du meinst, das Wissen sei der Tod des Glaubens, dann weißt Du nicht, daß auch Wissen - wo es nicht um etwas Exaktes geht - nichts als Glauben ist. Die moderne Wissenschaft ist letztlich auch nichts anderes als eine moderne Form der Religion. Und der dogmatische Wissenschaftler ihr Pfarrerlein.
Vielleicht liegt das Problem daran, daß Dir, wie Du sagst, einfache Antworten reichen, die Du Dir angelesen hast. Das sei Dir natürlich unbenommen. Aber vielleicht wäre es da und dort auch sinnvoll, diese Antworten einmal von allen Seiten zu beleuchten, sie zu hinterfragen, sie anzuzweifeln - oder sich zumindest nicht gleich mit den erstbesten Antworten zufrieden zu geben. Vor allem nicht mit solchen, Dir die nicht hilfreich sind.
Wie gesagt, ich wüßte nicht, was es Dir bringen sollte zu "wissen", daß Deine Frau aufgrund hormoneller Entgleisungen dieses oder jenes gemacht hat. Oder wegen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Oder sonst etwas. Geht es lediglich darum, daß Du selber dadurch ungeschoren bleibst? Dem, daß man sich selber mit Schuld belastet, kann man auch einfacher und sinnvoller entgehen - nämlich indem man dieses Wort "Schuld" überhaupt grundsätzlich aus seinem Denken und Nachdenken streicht und das Leben und seine diversen Wankelmütigkeiten und Unberechenbarkeiten dann vielleicht etwas gründlicher versteht. Alles andere wäre nämlich so, als würde man sich fragen, wer oder was schuld daran ist, daß immer wieder dieser nervige Winter daherkommt

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Was ich jedenfalls bislang nicht ganz durchschaut habe (weil ich, wie gesagt, auch Deine Geschichte zu wenig kenne): Du bist doch ein sympathischer Mann, siehst - falls das Dein Foto ist - nicht schlecht aus, scheinst auch umgänglich zu sein usw.: Warum beschäftigst Du Dich dann (offenbar) noch immer so mit Deiner Ex und brichst nicht auf in eine andere Beziehung, wenn Du das möchtest? Das schiene mir doch wesentlich sinnvoller als noch 10 Jahre Usachenforschung bei der Ex zu betreiben.