Zitat von Brioche305:Und bei der Geschichte mit dem Sohn - da fällt mir dann noch ein, da ist der Mann in gewisser Weise eifersüchtig auf die Zuneigung, die der Sohn von ihr bekommt - er selbst geht relativ leer aus. Das wollte er sich bei dir holen. Aufmerksamkeit, beachtet werden, gesehen werden, begehrt werden. Dafür ist zuhause wohl kein Platz. Und auch wenn es mir leid tut, aber sowas wird dann auch gern mal mit Liebe verwechselt.

du hast ihm das gegeben, was er zuhause nicht oder nicht mehr bekommen hat.
Einverstanden.
Aber wieso wird das mit Liebe
verwechselt?
Aufmerksamkeit, gesehen und beachtet werden, begehrt werden - all das hat in meinem Verständnis tatsächlich eine Menge mit Liebe zu tun.
Zur Geschichte mit dem Sohn:
Genau das läuft nach meiner Beobachtung in vielen schlechten Beziehungen.
Das Phänomen nennt sich Triangulierung.
Mütter neigen dann dazu, den Sohn gewissermaßen in "Konkurrenz" zum Vater zu setzen, indem sie mehr oder minder subtil suggerieren, dieser sei der "bessere Mann", habe die besseren Eigenschaften und so weiter.
Männer neigen dazu, das gleiche mit der Tochter zu machen.
Dass sich das nicht nur auf die Elternbeziehung, sondern vor allem auch auf die Kinder (auch wenn sie schon erwachsen sind) fatal auswirkt, muss wohl nicht erwähnt werden?
Bei meinem Spezi machen das nach meiner Beobachtung alle beide: Er mit der Tochter, sie mit dem Sohn.
Beide (erwachsenen) Kinder haben ein katastrophales Beziehungsverhalten:
Der fast dreißigjährige Sohn hatte noch nie eine feste Beziehung und bekommt sein Leben nicht auf die Reihe. Macht Gelegenheitsjobs und wird vom Vater noch finanziell unterstützt.
Die Tochter neigt zu toxischen Beziehungen mit großen Ar sch l öch ern, musste letztes Jahr vom Vater wegen Gewalt ihres LG aus der bis dato gemeinsamen Wohnung gerettet werden und lebt seitdem - mit Mitte zwanzig - wieder im Elternhaus.
Sie hat wegen depressiver Episoden ihre berufliche Karriere nicht weiter verfolgen können und befindet sich jetzt in stationärer Behandlung.
Das sind beides ziemlich klassische Folgen von starken Triangulierungsversuchen der Eltern.
Triangulieren kann man übrigens zur Not auch mit einer Katze oder einem Hund.
Oder eben - mit einer Affäre!
Auch das ist nichts anderes.
Selbst wenn der Ehepartner gar nicht weiß, dass er in ein Dreieck und damit in Konkurrenz gesetzt wird, wirken doch (fast) dieselben Mechanismen: Es reicht, dass der Fremdgänger es weiß.
Er schafft sich damit einen emotionalen Rückhalt - und Alternativen. Das wirkt psychisch. Selbst dann, wenn er gar nicht vorhat, von dieser Alternative tatsächlich Gebrauch zu machen, schafft er sich so eine gewisse Stabilität.
Das gilt natürlich nicht für alle Affären. Aber für die hier typischen - mit dem monate- und jahrelangem Rumgeeier - ganz sicher.
Insofern ist auch klar, inwiefern eine Affäre die Ehe "rettet".
Das heißt nicht, dass die Ehe deswegen toll wird - aber sie wird erträglich.
So erträglich, dass keine wirklich drastische Maßnahme - Trennung - getroffen werden muss.
Daran sollten alle hier betroffenen Afs gelegentlich denken:
Indem man sich (klammernd) zur Verfügung stellt, erhöht man die Chance, dass der Am eine im Prinzip todgeweihte Ehe "rettet", indem er sie zumindest weiterhin erträglich findet.
Triangulierung ist aus psychologischer Sicht übrigens auch eine Art "Rache" am Partner - dafür nämlich, dass er einen nicht genug liebt und schätzt. Das läuft natürlich unbewusst.
Gleichzeitig springt das eigene schlechte Gewissen an - und das stärkt paradoxerweise wieder die Bindung zum Ursprungspartner.
Sobald man also merkt, dass jemand versucht, auf deine eigenen Kosten zu triangulieren, sollte man ganz schnell Maßnahmen ergreifen.
Und die heißen in dem Fall: Weggehen. Rausziehen. Nicht mitmachen. Nicht in Konkurrenz setzen lassen.
Dieses Spiel kann man SO nämlich nur verlieren.
(Im Grunde verlieren alle Beteiligten eines solchen Prozesses. Siehe Beispiel der Kinder. Aber das ist wieder ein anderes Thema).