Zitat von Gretchen:
Ein Buch was scheinbar über den einfachen Weg von Schuldzuweisungen hinweggeht.
Das ist mir sympathisch.
Einfache Schuldzuweisungen sind in meinen Augen genau das: Zu einfach.
Mit "Schuld" an sich habe ich auch so meine Probleme. Oft zumindest.
Diese ganzen Modelle von Weichei, Lappen, Feigling, Narzisst usw. überzeugen mich auch nicht so wirklich.
Natürlich kann da etwas dransein. Ist es oft auch. Das macht es ja so kompliziert.
Andererseits: Wenn mir ein Weichei, ein unentschlossener Lappen begegnet, ein wenig entschlusskräftiger Mensch, was hindert mich daran, das zu konstatieren, zu denken " Nö. Nix für mich", und meiner Wege zu gehen?
Normalerweise mache ich das ja auch so.
Normalerweise kriege ich ja schon die Krise, wenn irgendwelche Leute eine halbe Stunde und länger darüber beraten, ob man jetzt in Restaurant X oder Biergarten Y gehen sollte.
Dann denke ich immer: Wir könnten jetzt schon längst irgendwo bei einer kühlen Schorle irgendwo im Schatten hocken und das Leben genießen, statt darüber zu palavern, wo es sich am besten genießen lässt.
Was also hält mich?
Wenn schon nicht in meinen Taten, so doch in meinen Gedanken und Gefühlen?
Ja, ja. Ich weiß.
Hormoncocktails. Suchtähnliche Strukturen. Bla bla.
Sicher alles richtig.
Aber bei diesen Erklärungen bleibt für mich doch die Frage offen:
Wieso hat DIESER. Mensch in dieser speziellen Situation den ganzen Kram ausgelöst, während das so vielen anderen vor ihm nicht einmal im Ansatz gelungen ist?
Und da er kein Voodoo-Zauberer ist, ist es mir doch ein wenig zu billig, ihn da ganz alleine für verantwortlich zu machen.
Mangelnder Selbstwert: Jo. Gut möglich. Sehr gut möglich.
Und doch ist es vorher in ein paar Jahrzehnten niemandem gelungen, mich da so effektiv mit der Nase drauf zu stoßen.
Mich persönlich interessiert gar nicht so sehr die Frage "Wer ist schuld?", als vielmehr die Frage "Was zum Teufel ist denn da passiert?".