Zitat:Ich war heute beim Ex-EM, der renovierte gerade mit Töchterchen die Küche. Trank einen Kaffee mit den beiden. Und sagte zum Abschied eine Floskel aus unserer Ehe: "Tschau, familia!". Ist mir rausgerutscht. Und auf dem Weg zum Auto musste ich kurz weinen, weil ich ihn so gut kenne - wir keine Familie mehr sind, und es keinen Weg zurück gibt. Und es tut gut, das hier schreiben zu können. Selbst, wenn keiner was dazu sagt.
es sagt jemand was dazu

Obwohl Deine Worte so undramatisch daher kommen, trafen sie direkt in mein Herz und ein paar Tränchen kullerten. Wahrscheinlich Identifikation. Ich ticke da genau so wie Du. Zwar kann ich klare Cuts machen und trauere meine Zeit, aber da bleibt seit wenigen Jahren in mir immer etwas, das trotz Liebeskummer oder was auch immer es Trauriges sein mag, auch noch glücklich ist und viel Sinn im Leben sieht. Aber dennoch bin ich ein starkes Bindungstierchen. Auch wenn ich oder beide auf keinen Fall mehr zusammen sein wollen, die Verliebtheit und Sehnsucht weg ist usw., dann bleibt da etwas Verbundenes in mir, das einen leicht melancholischen Ton hat. Das habe ich sogar gegenüber meiner Jugendliebe- ist mein halbes Leben her. Und ihm geht es genau so. Wir hängen beileibe nicht aneinander, sehen uns auch nur noch zufällig, aber es ist da so ein seltsames Gefühl der Verbundenheit und Vertrautheit und die Bereitschaft füreinander da zu sein.
Zitat:Und wenn ich etwas gelernt habe: das menschliche Herz ist zäh. Es dauert Jahre, bis sich Dinge verändern. Es dauert mitunter Jahrzehnte, bis man jemanden vergisst. Und das ist auch gut so: Wir sind imgrunde liebende, treue Wesen, die nicht einfach so wandern, vom einen zum andern.
Ich denke, dass die eine Seite der Bindungsskala z.B. Narzissten sind. Die können sich umdrehen und eine neue Beziehung eingehen. Ich könnte das nichtmal dann, wenn ich mich schon in jemanden Neues verliebt habe. Brauche lange Zeit zum Abschied nehmen.
Die andere Seite sind dann vielleicht Menschen so wie Du es oben beschreibst. Ich vermute, dass ein gesundes Bindungsverhalten, bzw. Entbindungsverhalten

in der Mitte liegt. Und ich tendiere noch zu sehr zur einen Seite- das Alte festhalten, wenn auch nur in Gedanken, im Herzen. Meist frei von Sehnsucht oder Bitterkeit, aber seltsam verbunden.
Darum fand ich Gretels Worte
für mich persönlich sehr interessant. Ich staunte über den Gedankengang "Statt Küssen"

und dachte- ja, da kann was dran sein. Denn ich schreibe z.B. wie verrückt Tagebuch, wenn ich mich z.B. trenne oder andere schmerzhafte Dinge verarbeite. Jedes Detail muss raus. Und ich kann mir gut vorstellen, dass es tatsächlich einerseits vorübergehende Ersatzhandlung ist, andererseits aber auch Verarbeitung, denn sobald alles raus ist, bin ich dann auch emotional durch damit. Aber als Brückenersatzhandlung in eine neue Zeit ist es doch eigentlich gar nicht schlecht

Andererseits hat mich diese Ersatzhandlung immer konsequent vom Ex weggebracht. Mein Denken, Fühlen und Schreiben führte dazu, dass ich nicht mehr zurück wollte.