Zitat von Sankaty:
Die Lösung mit dem Hackbeil scheint mir recht drastisch, da ist es vielleicht doch besser, euch mit der ewig gleichen Frage zu kommen - wie haltet ihr euch vom schreiben ab?
Ich kann dir da nicht wirklich helfen, fürchte ich.
Bei mir war es eine Entscheidung, die ich eines Tages getroffen habe.
Sie hieß:
Ich melde mich nicht mehr. Komme, was wolle.
So einfach. Und ab dem Tag war es wirklich einfach. Ich tue es einfach nicht.
Der Entschluss dahinter hieß so ungefähr:
Ich sterbe lieber an Kummer und an Sehnsucht und an Schmerz, bevor ich mich melde (bisher lebe ich übrigens noch

). So ungefähr.
Und noch dahinter stand die Erkenntnis: Er hat mir nichts zu geben, was ich haben will.
Er hat keinen Platz für mich in seinem Leben. Keinen Platz, den ich haben will zumindest.
Er hatte ab und zu - wenn er sonst keine Verpflichtungen hatte - ein bisschen Zeit für mich.
Der große Rest war künstliche Nähe über WhatsApp. Eine Illusion von Nähe. Niemand ist da. Nur das Handy in der eigenen Hand.
Das war mir zu viel. Zu viel an Gefühlen, mit denen ich nicht wusste wohin. Zu viel an gefühlter Verbundenheit.
Und es war gleichzeitig viel zu wenig. Zu wenig an gemeinsam verbrachter Zeit. Zu wenig an gemeinsam verbrachtem Leben. Zu wenig an gemeinsam gelebter Liebe.
Mir wurde klar: Das bisschen Platz, das er in seinem Leben für mich hat, das reicht mir nicht.
Und der Platz gefiel mir nicht.
Vor allem die Heimlichkeit hat mich gequält.
Niemand durfte wissen, dass es mich gibt in seinem Leben. Ich war offiziell nicht da.
Sein Platz für mich war ein versteckter Platz.
Ich will mich aber nicht verstecken. Vor niemandem. Es war mir schon mit dreizehn zu doof, heimlich aufm Klo zu rauchen. Da hab ich es schon lieber offen gemacht und die Konsequenzen in Kauf genommen.
Und jetzt soll ich etwas verstecken, was mir noch viel wichtiger ist?
Denn das war er. Er war mir wichtig.
Nein. Dieser Platz in dunklen Ecken, den er für mich hatte, gefiel mir nicht. Er hat mich krank gemacht.
Und ich dachte: Dann lieber krank vor Kummer (das war ich ja ohnehin) aber im Licht.
Wozu also hätte ich mich melden sollen, nachdem ich ihm genau das gesagt hatte?
Wozu? Solange er keinen anderen Platz für mich findet, einen, an dem ich genug Licht und Luft zum Leben habe, gibt es nichts mehr zu sagen.
Er weiß das. Und ich weiß, dass er auch leidet.
Aber ich kann ihm nicht helfen und er mir auch nicht.
Vielleicht helfen dir diese Gedanken ja weiter?
Edit:
Ach so. Ja. Ich habe ihm all das in meinem letzten Brief geschrieben. Um ihm zu erklären, warum ich mich jetzt umdrehe und gehe.
Und danach habe ich weitergeschrieben. Ungefähr hundert Briefe an ihn. Oder mehr.
Keinen davon mit der Absicht, ihn abzuschicken (dabei blieb es auch).
In diesen Briefen habe ich ihm alles erzählt, was ich ihm nicht mehr sagen konnte. Über meinen Kummer, die Sehnsucht und die Liebe zu ihm.
Und ich habe alle Fragen gestellt, die ich ihm nicht mehr stellen konnte.
Auch das hat mir geholfen.