Zitat von hahawi:Setzt eine Affäre nicht expressis verbis voraus, das zumindest der verheiratete Part illoyal veranlagt sein muss, da es sonst erst gar nicht zur Affäre gekommen wäre?
Als Antwort darauf hier mal meine Zusammenfassung von
Gerti Sengers Buch "Schattenliebe. Nie mehr Zweite sein." Hab's in einer Nacht gelesen. Scheint auch so ein "Standardwerk" zu Affären zu sein. Mit Jelluschek tue ich mich schwer, da sein denken stark christlich geprägt ist und er als Theologe ein großses Interesse daran hat, dass Ehen TROTZ Affären halten. Ich denke aber, manchmal ist Veränderung ganz sinnvoll. Markt braucht Bewegung;-)
Ich fasse, für alle Leidensschwestern (und evtl Leidensbrüder) kurz das Buch von Gerti Senger zusammen:
1. Monogamie ist nicht biologisch verankert. Von 853 Kulturen weltweit schreiben nur 16 Prozent Monogamie vor. Jeder 2. Mann geht fremd. Laut Evolutionsbiologen soll das den Fortbestand der Gene sichern. Der eigene Samen soll weit gestreut werden. Es gibt einen Spermienwettbewerb.
2. Es gibt keine Liebe, sondern nur ein Gefühl der Liebe, das sich beim Menschen als einziges Lebewesen auf dieser Welt nur deshalb entwickelt hat, weil es ein evolutionärer Vorteil ist: Liebes- und bindungsfähige Menschen haben sich im Lauf der Evolution stärker vermehrt. Alles dreht sich um die Arterhaltung und Fortpflanzungserfolg. Deshalb macht Sex Spaß. Aber: Männer wollen einen Harem, Frauen einen Mann. Deshalb gehen so viele Männer zu Prost.. Dies hat für sie keine emotionale Bedeutung und ist laut Gerti Senger eine verantwortungsvolle Lösung für eine Ehe, in der es nur sexuell nicht klappt, denn diese Lösung gefährdet die Ehe nicht.
3. Frauen erwarten ob bewusst oder unbewusst eine Gegenleistung für eine sexuelle Beziehung zu einem Mann. Die Frauen im Bord. erwarten eine Bezahlung. Die Frauen im normalen Leben eine Beziehung. Aus diesem Grund beuten verheiratete Männer ihre Geliebten sexuell aus, indem sie ihnen eine Beziehung versprechen. Dieses Versprechen soll niemals eingelöst werden. Es ist alles nur Mimikry.
4. Warum wollen Frauen in über 90 Prozent der Fälle eine Beziehung mit einem Mann, mit dem sie regelmäßig Sex haben? Es liegt einzig und allein an den Hormonen. Bei den Frauen wird beim Sex Oxytocyn in sehr großen Mengen ausgeschüttet. Das Bindungshormon wird auch bei der Geburt und beim Stillen ausgeschüttet. Es soll eigentlich die Mutter an das Kind binden und ihre Fürsorge sicherstellen. Das ist die Hauptaufgabe dieses Hormons. Die Ausschüttung beim Sex soll als Nebenprodukt die Frau den Mann dazu bringen, ihn in eine Beziehung zu ziehen, damit er sich ggf mit um das gemeinsame Kind kümmern kann. Wie Frauen einen Mann am Besten in eine Beziehung ziehen, darüber gibt es eine umfangreiche evolutionspsychologische Ratgeber-Literatur. Die Lösung heißt in keinem Fall Liebe Der Nachteil dieser Oxytocyn-Ausschüttung: Frauen können idR keine reinen Sex-Affären führen. Selbst gebundene Frauen sind schnell bereit, sich für den Mann, mit dem sie erfüllenden Sex haben, aus der alten Beziehung zu lösen und sich neu zu binden.
5. Beim Mann wird Oxytocyn nur in sehr geringen Mengen beim Sex ausgeschüttet. Er wird in erster Linie durch Testosteron gesteuert. Das Testosteron schwächt die Wirkung des Oxytocyns noch einmal zusätzlich ab. Das Kampfhormon sorgt dafür, dass er sich zum einen die Frau mit dem höchsten sozialen Status (Schönheit, Jugend, Reichtum, Beliebtheit, Nutzwert für ihn etc pp) sichern will. Er empfindet nicht in dem Maße Liebe (als Synonym für Bindung) wie Frauen. Ihm geht es durch das Testosteron in erster Linie um Erfolg. Das Berufsleben ist für viele Männer Jagd und Kampf mit anderen Mitteln. Ihr Leben wird aufgrund der Hormone dominiert vom Jagdtrieb, Kampf, Eroberung, Sport etc pp. Sieg und Verlust dominiert ihre Denkweise. Liebe ist sekundär. Frauen können das idR nicht nachvollziehen.
6. Die AM befinden sich in einem Ambivalenzkonflikt. Schon weil sie entscheidungsschwach oder entscheidungsunwillig sind, haben sie sich auf eine Nebenbeziehung eingelassen. Nun werden sie in beiden Beziehungen von gleich starken, aber sich widersprechenden Wünschen erfasst. Durch die Ambivalenz entstehen Hormone, die eine Depression auslösen können.
7. Aufgrund des o.g. lässt sich subsumieren, dass Zurückweisung in Affären und Zweit- bzw Nebenbeziehungen für (meistens) die Frauen unvermeidlich sind. Diese Zurückweisungen werden zu Schmerzen und anderen körperlichen Symptomen führen, die sich auch hormonell nachweisen lassen. Weil Frauen diese Schmerzen natürlich vermeiden wollen, beginnt ein toxischer Kreislauf.
8. Die Frauen tappen in die folgenden Fallen:
Hoffnung (besonders tückisch, da Glaube, Liebe, Hoffnung hohe Werte in unserer christlich geprägten Kultur sind)
Trugschluss: wie im Wirtschaftsleben wird dem schlechten Geld oft gutes hinterhergeworfen, da man schon so viel investiert hat und das Investierte nicht verlieren will.
Abwehrmechanismen: Verdrängung, Rationalisierung, Projektion, Verleugnung
Selbstabwertung
Angst
Dankbarkeit
Schuldgefühle
Abschiedssex
Trostgedanken für AF: 1. Männer, die sich für ihre Nebenbeziehung nicht aus ihren Ehen lösen, werden zu 90 Prozent nicht mehr glücklich in der Ehe.
2. Insbesondere Männer, die in sehr langen (über 25 Jahre), aber nicht glücklichen Ehen verharren, haben eine ver-rückte Bindung an die Frau: sie nehmen die EF (unbewusst) als ihre eigene Mutter wahr. Empfindungen, die einmal der Mutter galten, verschieben sich auf die EF. Ein Treuebruch der Mutter ggü ist ausgeschlossen, Mutti darf aber belogen werden man darf schummeln. Aber man darf ihr keine Trennungsschmerzen zufügen. Obwohl diese Männer meistens wissen, dass die eine neue Frau besser zu ihnen passen würde, ist es ihnen aufgrund ihrer Schuldgefühle der EF ggu unmöglich, sich zu trennen. Diese Männer sagen oft: Es bricht mir das Herz, wenn meine EF wegen mir leiden und ich ihr weh tun müsste. Falls sie geht, wäre das für mich völlig ok. Aber ich kann nicht derjenige sein, der sie umbringt.
3. Zweidrittel der Affären werden zu echten Beziehungen. Die Geliebten kommen offiziell zusammen. Doch meistens beginnt der Kreislauf dann von Vorne.
10 befreiende Schritte aus der Nebenbeziehung:1. Selbstvertrauen gewinnen: Fehler sind Lernchancen
2. Entscheidungshilfen suchen: Bauchgehirn befragen, Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen, sich die Situation in 10 Jahren vorstellen,
3. Klärendes Gespräch zu einem möglichst frühen Zeitpunkt suchen, den AM festnageln auf die eigenen Bedürfnisse, keine Dauerdiskussion, sondern ein bis zwei sehr klare Gespräche und das Ergebnis dieser Gespräche akzeptieren
4. Stressimpfung: sich innerlich auf eine Trennung einstellen, bevor man getrennt ist und gewappnet sein
5. Sorgenmanagement: Sorgen und Liebe gehören oft zusammen, das merkt man schon als Kind, wenn die Eltern sich Sorgen um einen machen. Die Sorge der AF: werde ich jemals wieder so glücklich und einen passenden Mann finden? Wie gehe ich mit der Einsamkeit um? usw usf Wenn diese Gedanken gepaart sind mit einem selbstschädigenden Sorgenstil, können Depressionen entstehen. Selbstschädigender Sorgenstil: es wird besonders intensiv reagiert, Probleme werden auf das eigene Versagen zurückgeführt, Grübeln, Besorgnis wird überspielt und nicht offen gezeigt. Die Sorgen müssen entsorgt werden. Klagen hat eine kathartische Wirkung, das ist eine jahrtausendealte Weisheit in fast allen Völkern (es gibt Klagelieder, Klagemauer etc pp und heute gibt es dafür zB Internet-Selbsthilfe-Foren). Merke: Jammern tut gut, Grübeln ist schlecht.
Die Sorge aufschreiben und unterscheiden: was kann ich beeinflussen, was nicht. Was ist wahrscheinlich, was nicht. Lösungsprogramme für die beeinflussbaren und wahrschlichen Sorgen entwerfen.
Feste tägliche Sorgenzeiten (zweimal zehn Minuten) sollen verhindern, dass man ununterbrochen grübelt und Kontrolle über seine Gedanken bekommt.
6. Trostquellen erschließen: zB Freundschaften, soziales Engagement, Spiritualität, Sport
7. Aufarbeiten, was war: Therapie soll helfen, dass man in Zukunft besser lebt
8. Einsamkeit überwinden: Hobbys, Hunde, Familie
9. Humor: versuchen, das Absurde der Situation zu sehen, indem man sich selbst von Außen betrachtet. Lachen erzeugt Distanz.
10. Sich selbst verzeihen und mit sich selbst versöhnen. Die Seele schreit nach Wiedergutmachung und Gerechtigkeit für die erlittenen Demütigungen und Verletzungen. Bloß keine Versöhnungen mit dem AM nach dem Motto, alles schon ok, was du gemacht hast, vertragen wir uns und bleiben Freunde. Das wäre falsch e Toleranz. Stattdessen: Genugtuung durch Rache in Gedanken. Einsicht und Vorsicht. Glücklich sein WOLLEN.
Mit den befreienden Schritten kann ich was anfangen. Mit der Evolutionspsychologie tue ich mich aus schon zuvor einmal genannten Gründen schwer, auch wenn ich von der Biologie überzeugt bin. Doch was ist die Lösung? Oxytocynspritzen für Männer? Testosterontabletten für Frauen? Alles bleibt, wie es schon seit Anfang an der Menschheit war?