Zitat von Chilalla:Ganz was anderes, auf die Gefahr hin, dass es untergeht: Wann war für Euch persönlich der Moment, zu sagen: "Jetzt ist es genug"? Gab es so einen Moment? Wann kommt der?
Für mich gab es diesen Moment tatsächlich. Das war, als ich begriffen hatte, dass er sich jetzt an die Situation - also die Affäre, die eigentlich keine sein sollte - gewöhnt hat.
Anfangs sah es für mich so aus: Ich hatte mich fürchterlich verliebt und er (dachte ich) genauso.
Er kam damit sichtlich nicht zurecht. Es gab immer wieder Rückzüge von ihm. Über einige Tage oder Wochen. Und zwar schon bevor wir im Bett gelandet sind.
Er hat also keineswegs versucht, mich so schnell wie möglich in die Kiste zu kriegen.
Im Gegenteil. Er hat ziemlich mit sich gekämpft. Versucht, mich zu vergessen. Kam dann wieder an.
Nachdem wir nach einigen Monaten doch im Bett gelandet sind, hat er hinterher regelrecht so ausgesehen, als sei er dem Leibhaftigen begegnet. So etwas kann kein Mensch spielen.
Das hatte natürlich auch etwas Verletzendes für mich.
Aber ich habe es verstanden. Der Typ war verheiratet und offenbar in einem schweren Gewissenskonflikt.
Kurz danach hat er unseren Kontakt mal wieder auf Eis gelegt.
Unter all dem habe ich gelitten. Natürlich.
Aber eines Tages schien das umzuschlagen. Er schien aufgehört zu haben, mit sich zu kämpfen. Er schien aufgehört zu haben, nennenswerte Gewissensbisse zu haben.
Weder mir, noch seiner Frau gegenüber. Kurz: Ich bekam den Eindruck, dass er sich an die Situation mehr oder minder gewöhnt hat.
Er hatte sich daran gewöhnt, eine Affäre zu haben.
Das alles lief übrigens nonverbal. Er hat das nicht gesagt. Aber so habe ich es wahrgenommen und empfunden.
Und da wusste ich, dass ich es beenden muss.
Denn ich hätte mich niemals daran gewöhnt, seine Affäre zu sein.
Ich brauchte noch eine Weile - ein paar Wochen - um den Schritt zu gehen. Aber ich wusste für mich, dass ich ihn gehen muss und gehen werde.
Als ich soweit war, habe ich noch ein Abschiedsgespräch mit ihm geführt. Er wusste aber nicht, dass es ein solches war. Das wusste nur ich.
Da habe ich ihm im Wesentlichen die Frage gestellt: Was willst du von mir?
Darauf kam keine Antwort. Keine wirkliche.
Es kamen Ausweichmanöver.
Ich habe in diesem Gespräch vor allem darauf geachtet, was er nicht sagt.
Das wusste er natürlich nicht.
Daraufhin war es für mich klar:
Entweder, er weiß es selbst nicht oder er will genau das: Eine Affäre. (Ohne sich allerdings zu trauen, das in dieser Klarheit zu formulieren).
In beiden Fällen war mir mein Weg klar.
Nachdem er gegangen war habe ich noch ein paar Stunden nachgedacht und dann meinen Abschiedsbrief an ihn geschrieben.
Den habe ich am nächsten Tag abgeschickt.
Und das war's dann.