Hallo.
In diesem Strang ist es jetzt sehr ruhig gerade, möchte ich trotzdem meine Geschichte mitteilen. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen. Mir hilft es auf jeden Fall, soviel kann ich schon mal sagen. Ich habe hier von Seite eins an gelesen und ich muss sagen, dass mir die geschilderten Erlebnisse, die Erkenntnisse daraus und der Umgang damit unglaublich in der ersten akuten Zeit nach der Trennung von meinem AM sehr geholfen haben.
Die Trennung ist jetzt etwas mehr als zwei Monate her. Glücklicherweise lief das jetzt nicht so lang wie bei manchen anderen hier, trotzdem hat mich das eine Jahr unglaublich viel Kraft gekostet. Nach allem, was ich gelesen habe und nun weiß, hatten wir wohl einen ziemlich klassischen Verlauf.
Wir haben uns kennengelernt, ein paar Mal getroffen und beide wussten wir überhaupt nicht, wie wir mit dem, was da so schnell zwischen uns passiert ist, umgehen sollten. Nur hat keiner von uns beiden auch nur ansatzweise das Hirn eingeschaltet. Ich kam gerade aus einer ziemlich anstrengenden Beziehung und war froh mich daraus befreit zu haben und er war seit ein paar Jahren in einer festen Beziehung und dort (ja, ich weiß laber laber) nicht wirklich glücklich. Ich wusste somit, dass er gebunden ist und was soll sich sagen, es war mir zu Anfang total egal. Er bzw. wir taten mir/uns einfach gut und ich habe echt (blauäugig und auch echt naiv) gedacht, mal schauen wo das hinführt. Heute schäme ich mich vor mir selbst dafür, dass ich so dumm war und so wenig auf mich aufgepasst habe.
Nach ca. drei Monaten habe ich bemerkt, dass mir die Situation nicht mehr egal ist und ich viel mehr wollte. Diese ständigen Trennungen und das allein sein, taten mir auf einmal weh. Ich habe mich ihm ziemlich schnell offenbart und ich trau mich fast nicht es zu schreiben, aber er meinte dann für ihn wäre es genauso nur im Moment kommt er nicht raus. Im Herbst ziehen wir dann aber auf jeden Fall zusammen. Ich dachte damals ok, dann eben im Herbst, genug Zeit um alles zu regeln.
Tja was soll ich sagen, als es dann Herbst war, kam Weihnachten so plötzlich und dann ging es deswegen nicht. Er wollte niemanden aus seiner Familie ein Beziehungsdrama zu Weihnachten zumuten. Außerdem sei es ja nicht so schön, eine Beziehung im Herbst zu beenden, wenn die Tage so kurz und dunkel werden, das wäre doch im Frühjahr viel einfacher für seine LG. Schließlich war das mit ihr mal was ganz Großes. Und was tat ich? Ich hab mich echt hinten angestellt. Leute, ich hab den so geliebt, dass ich mich selbst so verraten habe, dass ich unter der Bedingung der Trennung noch zwei Monate die Füße still gehalten habe. Es ist nicht so, dass er nicht gewusst hat, dass es mir mit der ganzen Situation nicht mehr gut ging. Er meinte irgendwann von selbst, dass er die Situation völlig unterschätzt hat und ganz sicher weiß, dass er ein Leben mit mir möchte. Er möchte unsere Liebe auf keinen Fall noch einmal so riskieren. Ich habe in den zwei Monaten oft von ihm gehört, jetzt müsste ich nicht mehr lang warten, er wäre jetzt bald bei mir. Sogar noch eine Woche bevor er einziehen wollte, habe ich das von ihm gehört. Er hat es sogar mehrfach versprochen.
Das Ende habe ich oben schon geschrieben. Ich habe gegen mein Herz entschieden und ihn vernünftigerweise aus meinem Leben rausgeschmissen.
Heute weiß ich, dass ich es mit einem sehr entscheidungsschwachen Menschen zu tun habe, der es wohl schon sehr ernst meinte, solange er bei mir war, aber sobald die Tür hinter ihm zu viel, sofort sein altes Leben weiterlebte und das extrem beschützt hat. Er hat nicht nachhaltig eine Trennung forciert, hatte nie vor einzuziehen und hätte es eine Million mal lieber, wenn sich seine LG von ihm trennen würde. Dann wäre er zumindest nicht der Böse. Er meinte nach der Trennung auch, das, was wir miteinander vereinbart hätten, wäre nicht seine Zeitschiene gewesen.
Mir hats noch nie vorher so den Boden unter den Füßen weggezogen und ich habe noch nie geballt soviel Schmerz gefühlt, wie in dem Moment in den Tagen nach den Begreifen, was da abgegangen ist. Ich glaube mittlerweile zwar zu wissen, was meine Anteile an dem Ganzen sind, warum mir das passieren konnte. Allein ich weiß nicht, wie ich aus dem ständigen Gedankenkarussel herauskommen kann. Die Fragen sind immer die gleichen und hier schon oft diskutiert worden. Das für mich Schlimmste allerdings ist, dass ich jemanden so sehr geliebt habe, dass ich so vernebelt war und ihm felsenfest geglaubt habe. Ich scheine bisher gute Beziehungserfahrungen gemacht zu haben, dass der Gedanke, er könnte unaufrichtig sein oder mir und sich etwas vormachen, so was von überhaupt nicht in meinem Kopf war. Komisch auch, dass ich den Egoismus und die fehlende Empathie mir gegenüber nicht bemerkt habe. Ich wollte in wohl zu sehr, dass ich alle Warnsignale und schlechten Bauchgefühle so ziemlich ignoriert habe.
Ich habe mich komplett von ihm zurückgezogen und wünsche auch keinen Kontakt mehr. Mir gehts zwar nicht mehr so schlecht wie am Anfang der Trennung, aber ich bin immer noch in einer Art Ausnahmezustand. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen für immer ohne ihn zu sein, dabei war er eigentlich fast nie da. Dafür ist er immer noch sehr präsent. Viel zu präsent.
Was macht man mit dem Fünkchen Hoffnung, den er befeuert, weil er an der Trennung von der LG "auf jeden Fall" arbeiten möchte. Ich hätte ihn "geweckt" und er möchte sein Leben so nicht mehr weiterleben.
Ich setz mich nicht unter Druck mit Blockaden bei Whats up oder radikalen Lebensänderungen. Die Sucht Rauchen bin ich ja auch nicht "kalt" losgeworden, sondern ich habe mich in meinem Tempo entwöhnt.
Ist es tatsächlich so, dass die nur die Zeit alle Wunden heilt, man gar nicht viel tun kann und letztlich nur Geduld haben muss, dass sich das Herz beruhigt?