Zitat von Isely:Ähm. Sie war meine beste Freundin.
Ich kannte sie also, und das eben gut, auch wenn es für dich Übergriffig klingt. Nein.
Denn das war nie meine Absicht.
Das die beste Freundin eine Affäre mit dem eigenen Mann anfängt, ist sicher eine der schlimmeren Affärengeschichten, die so passieren können. Denn da wird ja nicht nur eine Vertrauensebene zerstört, sondern eine andere gleich noch mit dazu.
Sorry @Isely, aber ich kann meine Ausführungen von vorhin deshalb trotzdem nicht anders sehen. Es klingt nicht nur übergriffig, sondern das ist es auch ... trotzdem. Du hattest eine Beziehung zu Deiner Freundin und Dein Mann hatte auch eine. Beides sind aber unterschiedliche Beziehungen. Und auch wenn Du meintest, du hättest jedes Recht, Dich in die Abschiedskommunikation von ihm zu ihr einzumischen, bin ich der Meinung, Du hattest es nicht. Diese "Liebes"-beziehung hätte er allein klären müssen ... dürfen. Und auch wenn er sich dabei höchst stoffelig anstellt, dann ist das eben so. So ist er nun einmal. Deine Motive in allen Ehren, aber eigentlich geht es Dich nichts an, wie die beiden Abschied voneinander nehmen. Ich hätte auf die Bitte meines Ehemannes mit Verweigerung reagiert, hätte er mich gefragt: kann man das so schreiben? Von mir hätte es in etwa so eine Antwort darauf gegeben: Das musst Du selbst wissen.
Du @Isely hättest jedes Recht gehabt in eine eigene von ihm unabhängige Kommunikation mit Deiner ehemals besten Freundin zu treten und die Beziehung zu ihr zu klären.
Aber natürlich ist das neu entfachte "Wir" Gefühl der Ehepartner unheimlich stark und wird durch solche Aktionen gestärkt. Das versteh ich alles und es ist auch total ok. Nur bitte stellt es nicht als feinfühlig oder warmherzig oder ähnliches dar, denn das ist es überhaupt nicht. An die AF habt ihr, wenn überhaupt, nur vordergründig gedacht. Schau mal, wie Du über die AF redest: Du sagst, dass Du ihr gegenüber absolut feinfühlig und fair geblieben bist, sie wäre zu Dir im umgekehrten Fall so sicher nicht gewesen. Woher weisst Du das? Vielleicht hätte sie es ziemlich ähnlich gehandhabt wie Du? Sie war schliesslich mal Deine beste Freundin und abgesehen von dem absoluten Nogo, etwas mit dem Mann der besten Freundin anzufangen, habt ihr doch sicher viele Gemeinsamkeiten gehabt, oder nicht? Und wie schon mal gesagt, dreh es um und fühle ich Dich hinein. Hättest Du gern einen von dem Partner des geliebten Menschen beeinflussten Abschiedsbrief erhalten? Egal in welcher Konstellation ihr alle zueinander standet, das kann niemals eine Rechtfertigung dafür sein, sich in die intimsten 1:1 Beziehung einzumischen, die einen eigentlich wenig bis gar nichts angehen. So schmerzhaft diese Einsicht auch sein mag, aber für mich zeigt sich sich hier, wenn auch diffus und nicht unbedingt vordergründig, eine ziemliche Angst vor dem Kontrollverlust über die fragile und damals sicher auch verfahrene Situation.
Mal ganz davon abgesehen, bin ich als ehemalige AF sehr dankbar dafür, einen stoffeligen Abschiedsbrief erhalten zu haben. Das war ein ziemlicher Augenöffner für mich. Da stand nämlich nicht viel drin, obwohl es zwölf! handgeschriebene! Seiten waren. Dieser Brief war so leer, so leer muss unsere Beziehung gewesen sein, schliesslich handelte es sich bei dem Schreibenden um denselben Mann, mit dem ich ein Jahr meines Lebens ziemlich intensiv verbracht habe. Hätte jemand in dem Brief herumgepfuscht, dann wäre er vielleicht kein Augenöffner gewesen. Man darf doch eines nicht vergessen. In so einer intensiven Affäre hat man als AF kaum Gelegenheit, den Mann mit all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten kennenzulernen. Es ist doch immer alles toll und wunderbar. Wenn dann auch noch "Abschiedsbriefe" beeinflusst werden, ist es für eine AF noch schwieriger über den Mann hinweg zu kommen, weil selbst diese kleinen Hilfestellungen wegfallen und er dort besser wegkommt, als er es mit eigener Kraft hingekriegt hätte. Und wenn Du auch noch zugibst, dass er es hätte anders gemacht, bin ich noch überzeugter davon, dass Du Dich da besser hättest rausgehalten. Der von Euch praktizierte Weg der Beendigung der Affäre ist von allen hier geschilderten der, der aus meiner Sicht am wenigsten Allgemeingültigkeit besitzt.
Und mal Hand aufs Herz @Isely: so ein kleines bisschen Triumphgefühl wirst Du Dir nicht absprechen können, denn schliesslich hat niemand hier Dich darauf angesprochen, sondern Du hast das Thema ganz von selbst aufgebracht. Warum war Dir das wichtig zu betonen, dass Du kein so ein Gefühl verspürst? Es ist doch auch nicht verwerflich. Ich verurteile das nicht. Wahrscheinlich hätte ich sogar tief im Inneren ein ähnliches Gefühl verspürt. So ganz freisprechen wird sich wohl niemand von so einem Gefühl können. Man möchte doch auch nicht, selbst wenn man die Wahl hätte, mit dem "Verlierer" tauschen. Aber die Konsequenz ist, wenn auch unbewusst, eben auch, sich dann über die "Unterlegene" zu erheben und ihr über ihn in seinem Abschiedsbrief Dein Mitleid auszusprechen. Nicht seins, denn er hatte das, so unbegreiflich uns Frauen das erscheinen mag, offensichtlich ja nicht mal auf dem Schirm und somit war es ihm kein Bedürfnis, es zu äussern.
Nicht böse sein, aber das sind die Gedanken, die mir da so durch den Kopf gehen, wenn ich das lese.
Aber wie schon festgestellt, jede Affäre ist anders und so ist wohl auch jedes Affärenende anders. Und möglicherweise ist das der kleinste gemeinsame Nenner, den wir finden können. Das wäre zwar an Erkenntnis nicht viel, aber immerhin etwas.