Zitat von Grenzenlos:Ich genieße und hasse gleichzeitig jeden Tag, an dem wir uns nicht sehen. Verrückt, oder? Ein Leben ohne ihn kann ich mir nicht vorstellen, obwohl ich ja eigentlich ein Leben ohne ihn führe. Wie oft habe ich mich gefragt, ob ich meine Situation nicht einfach akzeptieren sollte, nicht mehr so viel darüber nachdenken, einfach die Momente mit ihm genießen. Und hoffen, dass die Gefühle irgendwann zu ihm aufhören. Ich vielleicht jemand anderen kennenlerne... Ist denn so etwas realistisch?
Was für Alternativen habe ich denn? Ich sehe ihn Tag für Tag auf Arbeit. Meinen Job werde ich nicht wechseln. Ich arbeite gerne hier und habe Verantwortung für ein haufen Leute... wie hält man unter diesen Bedingungen eine Trennung aus? Wie wird man nicht wieder "schwach"? Wie stellt man das denn nur an?
Hallo Grenzenlos,
beim Lesen Deiner Zeilen dachte ich: "sie ist noch nicht soweit". Jeder hat ein für sich ganz eigenes Level an Leidensfähigkeit und jeder hält schmerzhafte Situationen unterschiedlich lange aus. Und ich befürchte, dass der Zeitpunkt bei Dir einfach noch nicht wirklich da ist, so dass Du tief aus Dir heraus den Wunsch verspürst, diese Affäre zu beenden. Da sind dann auch die Fragestellungen nach dem Aushalten einer Trennung völlig verständlich, weil ohne einen gewissen Leidensdruck ist es freilich sehr schwer nicht rückfällig zu werden.
Ich möchte Dir raten, schau
Dir Dein Leben mal genauer an. Ich entnehme Deinen Zeilen, dass Du Dir ein Leben zwar ohne ihn nicht vorstellen kannst, aber das Leben, dass Du mit ihm führst, schmerzt Dich. Hmm... was fehlt Dir denn in Deinem Leben, dass Du Dich an etwas klammerst, was Dir doch eigentlich gar nicht gut tut?
Wäre ich an Deiner Stelle, würde ich da anfangen, um dann weitere Dinge zu beleuchten, wie:
Was möchte ich in meinem Leben wirklich?
Wen möchte ich in meinem Leben?
Was ist mir wirklich wichtig?
Was ist mir an mir und mit mir wichtig?
(Reihenfolge der Fragestellung ist willkürlich und hoch individuell)
Die Fragen müssen nicht für den ganzen Rest des Lebens beantwortet werden. Eine Betrachtung zum
Jetzt Zeitpunkt mit kleinem Ausblick für die nächsten Jahre reicht erst einmal.
Möglicherweise reift dann so langsam die tiefe und nachhaltige Einsicht, dass die Aufmerksamkeitsalmosen und die heimlichen Glücksmomente nicht so recht zu Deinen Antworten auf oben gestellte Fragen passen und dann ist es auf einmal viel leichter, diese Beziehung mit innerer Überzeugung zu verlassen oder ja, möglicherweise auch dass, dass Du weiter daran festhältst.
Wovon ich aber sehr abrate, ist, sich weiter so intensive Gedanken um ihn zu machen. Da ist soviel Spekulation, Hinhalterei, Rumeierei, Feigheit und was weiss ich noch dabei, dass einem schwindelig wird und am Ende ist man doch nicht schlauer. Ausserdem ist er alt genug und sollte die Sachen mit sich ausmache können. Kann er das nicht (so wie es hier aussieht) wäre das kein Mann, mit dem ich mir Patchwork mit vier Kindern vorstellen möchte. Ganz ehrlich.
Sollte es zu einer Trennung kommen, wünsche ich Dir, dass ihr das so hinbekommt, dass ihr trotzdem noch gut miteinander arbeiten könnt. Das stelle ich mir zwar schwierig vor, aber nicht unlösbar. Wenn er Dich so mag, wie Du schreibst, sollte ihm eigentlich sowohl daran gelegen sein, dass Du glücklich wirst, als auch dass ihr beide noch miteinander auskommt. Soweit die Theorie.
Wie das in der Praxis oftmals aussieht, dass kannst Du hier hundertfach nachlesen.
Sich zu "ent"täuschen" ist schwer, dauert lang, tut weh aber lohnt sich.
In diesem Sinn
Grüsse
Göttin