Zitat von frischgeföhnt:Zitat von Yonda:
Nein, natürlich nicht. Die ist noch da. Beendet habe ich das Gedankenkarussell um meinen Ex. Das meinte ich.
Das habe ich verstanden.
Aber verzweifelte Wut..
Ich finde den Begriff für mich ansprechend.
Was fühlst du da? Welche Gedanken und Fragen sind dann in dir?
Magst es sagen?
Ich versuche es. Den Begriff benutzte erst kürzlich meine Therapeutin: Was ich denn bezüglich der Trennung fühle, ob es Trauer oder verzweifelte Wut sei.
Nachdem der große Ablenker von meinen Befindlichkeiten nämlich das Gedankenkarussell um meinen Ex -- es wurde hier an anderer Stelle als "Er Er Er" sehr treffend bezeichnet -- nun nach zwei Jahren Verarbeitungsprozess nun endlich abgestellt ist, zeigt sich die verzweifelte Wut.
Dabei zeigt sich mir ganz klar, dass die Wut sich auf keine aktuelle Sache bezieht, sondern auf die Vergangenheit. Sie ist soz. eine Art Dinosaurier, der die letzte Eiszeit (Trennung) überlebt hat, keiner weiß genau wie, aber nun in meinem jetzigen Leben für permanente Unruhe und Ungemach sorgt. Und dieser Tyrannosaurus des Typs "Verzweifelte Wut" trampelt nun in meinem Vorgarten rum, macht die Rabatten platt und verscheucht mir zusätzlich noch die paarungswilligen Männchen, die ich mit meinen Sirenengesängen angelockt habe. (Sorry, ich bin ein Bilderdenker, da müsst ihr durch!)
Woraus nährt sich die Verzweifelte Wut?
- aus dem Gefühl, doch alles, wirklich alles getan zu haben, dass die Ehe wieder in Ordnung kommt. Jetzt bin ich schon so sehr auf ihn zugegangen, er (mein Ex) ist immer wieder nur einen Schritt weiter weggeflüchtet, er hat überhaupt nicht gewürdigt, was ich alles für ihn und uns getan habe, dabei hat er mich überhaupt nicht verstanden und hat sich zu allem Überfluss noch ne Neue gesucht, weil es ja so viel einfacher ist ... (merkt ihr was? Wieder angekommen beim -- "Er Er Er")
- Jetzt mal auf mich bezogen: Ich habe geleistet und die Belohnung blieb aus (keine Ehe, keine Liebe, keine Anerkennung). Ich fühle mich zurückgewiesen!
- daraus resultiert das Gefühl der Empörung
- das hat man, wenn man als Kind etwas versprochen bekommt und die Eltern es nicht einhalten, das ist ein kindliches Gefühl, aus der Kindheit
- die verzweifelte Wut erwächst aus der Empörung, weil ich die Entscheidungen, die Handlungen meines Ex nun hinnehmen muss. Sie entziehen sich meiner Kontrolle, ich kann nichts mehr tun, außer es hinzunehmen. So weit bin ich noch nicht. Innerlich renne ich dagegen noch an mit der Wut eines schreienden Kindes, dass nicht einsehen will, dass es die Welt nich formen kann wie den Sandkuchen im Sandkasten.
- Hinter dieser Kränkung steht die Frage an meinen Ex: "War ich dir denn nicht gut genug, dass du mich hast nicht gewollt?". Der immense Schmerz, den ich beim Schreiben dieser Frage fühle, sagt mir, das ist der Punkt. Einer davon.
- Meine eigene Antwort auf diese Frage lautet, dass diese Frage an sich schon falsch gestellt ist. Ich hole mir meine Deutungsmacht zurück, indem ich ihm, dem Ex, die Macht entziehe darüber zu urteilen, ob ich gut genug war für ihn. Ich frage mich nun selbst: Finde ich mich gut? Erstmal Stille innen drin. Dann kommt ein warmes Gefühl. Ja, ich finde mich gut. Echt jetzt, Wirklich wahr. Ich finde mich gut. Ich habe keine Ahnung, warum er das nicht so finden konnte, warum er nicht bei mir bleiben wollte. Ich habe wirklich keine Ahnung. Ich kann es nicht ändern, dass er mich nicht gut findet. Aber ich finde mich gut und ich kenne eine Menge Leute, die das auch so sehen, die mir das gern zeigen, dass sie mich mögen. Nur dieser eine Mann nicht. Komischer Typ, der findet mich nicht gut.
- Ich finde mich also selbst gut. Tief empfundenes Ja! Wo ist jetzt die verzweifelte Wut? Hallo Tyrannosaurus Wut, wo bist du? Hat sich vermutlich zum Aussterben in die Sümpfe des Vergessens verzogen. Hoffentlich kommt der nicht wieder!

- Wenn die verzweifelte Wut nun ein kindliches Gefühl ist, was haben wir denn als Kinder gemacht, wenn die beste Freundin/bester Freund nicht mehr mit einem spielen wollte? Geschrien, getobt, geheult, bei Muttern beschwert, sich trösten lassen, schmollend in der Ecke gesessen, sich dann irgendwann erhoben und sich jemand anderes zum Spielen gesucht.
Ich habe keine Eltern mehr. Muttern kann mich also nicht mehr trösten.
Aber ich bin ja schon groß, ich kann das selbst tun. Ich kann mir Hilfe holen (bei Freunden, Therapie, hier im Forum z.B. auch ...).
Das ist mein Weg.
Und ich möchte alle, die es gelesen haben, bitten, meine Worte mit Wohlwollen und Respekt zu betrachten und zu behandeln. Ich habe mich für meine Verhältnisse hier sehr weit geöffnet und euch an meinem Seelenleben teilhaben lassen. Ich möchte hier nicht lesen müssen, dass das nicht hilfreich sei, nichts zur Sache täte usw. Das empfände ich als sehr verletzend. Wertschätzung und Akzeptanz ist die Form von Unterstützung, die ich mir hier erhoffe.