Binaneu
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Zitat von kuddel7591:@ Binaneu
seit 16 Jahren kenne ich eine Alk., die kurze Zeit später einen fast anderthalbjähren
Aufenthalt in einer Entziehungsklinik antrat. Seit Antritt der Entziehung - Sept. 2003 - ist sie
trocken. Sie ist durch die Hölle gegangen, war sie zudem auch noch anderweitig erkrankt -
und zwar lebensbedrohlich. Die lebensbedrohliche Erkrankung hat sie überwunden -
ihre Alk. hat sie auch überwunden, doch damit ist NICHT die Alk.- Suchtgefahr als
Krankheit überwunden. Alk. ist eine chron. Erkrankung, mit der Gefahr verbunden,
permanent rückfällig werden zu können.
Durch die Therapien hat sie ein vollkommen anderes Verhalten angenommen, was den Erfolg
der Therapie aufrecht erhält. Diese Frau lebt in einem "ICH-ich-ich"-Verhalten, indem sie nur
auf sich fixiert ist, um nicht wieder rückfällig zu werden.
Ihr Lebensgefährte "lässt" sie. Er kommt damit gut klar. Er lässt sie an der langen Leine, weil
die Frau, die sehr viel Nähe möchte, nicht bedrängt/gedrängt/vereinnahmt werden will. Sie
nimmt sich ihre "Auszeiten" von ihrem Lebensgefährten, wie der Lebensgefährte seine Auszeiten
nimmt...mal nur für Stunden, mal für einen halben oder ganzen Tag - aber beide gehören zusammen, weil sie sich arrangiert haben.
Sie hat einen verantwortungsvollen Posten als stellv. Abteilungsleiterin in einer großen Firma
bekommen, nachdem sie sich über befristete Zeitverträge herangearbeitet hat. Zuvor war sie
wegen der Alk-Sucht - aber nicht nur deswegen - mehr als 10 Jahre arbeitslos.
Ihr "ich-ich-ich-ich"-Verhalten hat sie weiterhin. Es gibt ihr Stärke und Kraft, es so weit geschafft
zu haben. Ihr Lebensgefährte kommt- wie erwähnt - damit klar. Und - er muss sie immer wieder
"einfangen", aus dem "ich" ein "wir" zu machen. Gelingt das? NEIN. Sie unternehmen sehr viel
gemeinsam...aber der Tenor bleibt bei ihrem ICH-Verhalten. Ihr hilft es sehr - alle in ihrem Umfeld
haben z. T. massive Probleme damit.
Einzelfall? Ganz sicher! Wem nutzt das - IHR! Wer muss Kompromisse eingehen? Die "Anderen"!
Wer braucht permanent Unterstützung und Zuspruch? Sie! Es ist ein ständiges "Therapie-Verfahren", was mit der Beendigung der offiziellen Therapien nicht beendet war, sondern erst dann so richtig begann, als sie von der Leine der Entziehungstherapie frei kam....und diese "privaten" Therapien werden sie ihr Leben lang begleiten.
Diese Frau hat einen Weg beschritten, der ihr eröffnet wurde. Sie wollte diesen Weg gehen. Sie ist ihn gegangen - mit dem "ich-ich-ich-ich"-Verhalten 24 Std. am Tag, obwohl sie sich gut in ihr soziales Umfeld integriert hat.
Ja...es braucht erst den kapitalen Absturz in ihrer Alk-Karriere. Es brauchte erst die lebensbedrohliche Erkrankung. Es brauchte die Erkenntnis, dass sie anonyme Alk. war, der nicht anzusehen oder anzumerken war, dass sie Alk. war. Es braucht sehr viel Einfühlungs-vermögen für Außenstehende, was Alk./innen offenbar durch die Alk-Sucht verlernen und es daher vermutlich nicht zurückgeben (können).
Gedanken? Sie sind und müssen erlaubt (sein), wenn entsprechende Anzeichen einer Vorgeschichte bekannt sind/werden....
Danke Kuddel!
Ich habe in meinem Leben schon eine Schrift über Alk. verfasst.
Ist mir also Vieles nicht fremd.
Auch sonst, ist er nicht der erste Mensch gewesen, dem ich begegne, der damit zu tun hatte.
Wenn eins gaaar nicht unser Problem ist, dann seine Alk. und sein Sein damit heute.