Zitat von hanna111:
kaetzchen für mich klingt das oft auch sehr nach Kontrolle....verstehe aber vieles und kann es nachvollziehen. Aber ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass die Ratio manchmal hilft Dinge zu be-greifen, aber niemals eine solche Kraft hat das Herz und/oder Gefühl erreichen. Ich bin kein Esoteriker und das hat damit m.E. auch überhaupt nichts zu tun.
Ich habe fast 4 Jahre versucht über Ratio diese Affäre zu beenden bzw. abzuarbeiten. Hat Null funktioniert. Im Kopf war alles klar, logisch, verständlich und nachvollziehbar. Mein Herz schrie aber immer noch und innen fühlte mich zerstört, verwundet und kaputt. Das Schlimmste was ich mir angetan habe war, meine Gefühle mit der Ratio wegzudrücken.
Genau das ist nämlich der Schmerz.
Mich hat es enorm weitergebracht zu verstehen, dass ich wirklich damals keine Chance hatte diese Dinge zu vermeiden. Da war irgendwas, was mächtiger ist als ich....ein Sog, ein Magnet...was mich immer wieder dahin zog. Ich interpretierte das als "wir sind füreinander bestimmt".
Ich glaube heute, ja....wir waren das. Wir waren absolut füreinander bestimmt. Aber nicht so, wie ich es mir mal gewünscht hatte.
Aber genau an der Diskrepanz zwischen Gefühlen und Ratio habe ich gemerkt, dass es nicht richtig ist. Dass es nicht
wahr ist. In früheren Beziehungen hatte ich das Problem nämlich nie - da waren Gefühle und Ratio immer einig, da war alles leicht. Nur in dieser Affäre standen sich die zwei plötzlich konträr gegenüber, und da habe ich mich bewusst für die Ratio entschieden und eben dafür, mich nicht in meine Gefühle weiter reinfallen zu lassen, sondern dagegen anzugehen. Und das hat für mich funktioniert.
Der ganze Rahmen hätte alles andere für mich nicht hergegeben, das hätte sich dann wirklich so angefühlt, wie sehenden Auges in die laufende Kreissäge zu rennen. Und dafür tauge ich halt eindeutig nicht. Ich hätte ja nur auf seine Worte hören und sie glauben müssen, dann hätte ich mich vielleicht weiter in meine Gefühle fallen gelassen und das Ganze wäre genau so verlaufen, wie die meisten anderen Affären auch. Mir stand aber - zum Glück - mein absoluter Bindungsunwille und meine akute Beziehungsphobie zur Zeit im Weg. Schon allein deshalb war für mich an der Stelle nur ein Rückzug möglich, und dabei war es mir auch egal, wie ernst oder nicht ernst diese Worte gemeint waren, weil
ich nicht wollte.
Was passiert wäre, wenn er für mich tatsächlich der "Traummann" gewesen wäre, weiß ich ja selber auch nicht. Hab ich halt auch Glück gehabt, dass er das definitiv nicht ist, und das war mir von Anfang an klar, sonst hätte ich mich nicht auf die Affäre eingelassen.
Ich hatte zum Beispiel ein Erlebnis vor einem Jahr mit einem Kollegen, ebenfalls verheiratet, mit Kindern, den ich schon seit Jahren kenne und mir fast täglich schreibe, wir sind absolut auf einer Wellenlänge, haben auch schon gemeinsam zwei Bücher geschrieben, ich finde ihn auch durchaus attraktiv, wir können über alles reden und sind sehr vertraut miteinander. Er fing auch plötzlich damit an, nun, da ich ja getrennt sei, könnten wir ja auch mehr als nur Kollegen sein, er würde darüber schon seit Jahren nachdenken und so weiter. Und bei einem Treffen auf der Buchmesse machte er eindeutige Avancen. Ich habe mich da sofort zurückgezogen und auch den bisherigen intensiven Kontakt arg eingedämmt, bis er damit aufgehört hat und wieder "normal" kollegial war.
Wäre die Situation eine andere - ja, mit ihm könnte ich mir alles vorstellen. Wirklich alles, da passt einfach so vieles. Aber ich habe mich bewusst dagegen entschieden. Sonst hätte ich jetzt womöglich eine Affäre mit einem Mann, den ich wirklich lieben könnte, das weiß ich, und wäre ziemlich sicher todunglücklich damit. Ich habe mir weitergehende Gefühle also von Anfang an einfach nicht
erlaubt. Und das geht. Und ich bin nun wirklich nicht gerade die Heldin der Disziplin und Selbstkontrolle ... *flöt* im Gegenteil.