Kaetzchen
Gast
Zitat von Jule1973:Ja Kätzchen , irgendwie wahr ! Aber hat der betrüger sich nicht schon entschieden ? Ich für mich wollte das mein Mann sich entscheidet , ich wollte es ihm nicht so leicht machen ! Er wollte immer eine Entscheidung von mir : " wenn DU willst das ich gehe oder willst du das ich gehe ! "
Ich habe nur gesagt : tu was dein Herz dir sagt , die Entscheidung musst du selber treffen ! Ich muss meine auch selber treffen !
Ja, genau darin siehst Du Euren persönlichen Machtkampf, Jule! Er wollte Dir die "Macht" überlassen, damit wärest Du in die Überlegenen-Position gerutscht und hättest die Beziehung beenden können, was er ja offenbar nicht so wirklich wollte. Vielleicht wollte er auch, dass Du gehst, damit er sich nicht schuldig fühlen muss - auch die Variante gibt es. In dem Fall lässt ein Betrüger aber ja meistens die Affäre absichtlich auffliegen und "hofft", dass die Frau ihn daraufhin rauswirft. Hab ich auch schon so erfahren.
Du wolltest die Überlegenen-Position aber nicht, sondern Augenhöhe. Eine gemeinsame Entscheidung. Ob das jetzt richtig war in Eurem Fall, kann ich Dir nicht sagen, dazu weiß ich ja zu wenig über Euch und Eure Beziehung. Meiner Meinung nach kann eine Beziehung einen Betrug nur dann überstehen, wenn danach die Augenhöhe wiederhergestellt ist (die in aller Regel vor dem Betrug halt fehlte). Verschärft sich aber stattdessen die fehlende Augenhöhe noch, geht auch die Beziehung über kurz oder lang in die Hose.
Beispiel: Frau ist die stark Unterlegene in der Beziehung, klammert, ist eifersüchtig und mehr oder weniger abhängig von ihm. Er fühlt sich dadurch erdrückt, der Freiheit beraubt, zu verantwortlich für ihr Seelenheil. Eigentlich will er weg - als Überlegener - will aber niemanden verletzen und er liebt die Frau ja auch noch, nur nicht so sehr wie sie ihn. Also geht er fremd, um für sich Distanz zu schaffen. Das spürt die Frau, klammert noch mehr, wird noch abhängiger, womöglich sogar krank, ängstlich ... der Betrug fliegt auf und die Frau bleibt in ihrer Position, kämpft und bittet ihn, zu bleiben, wird anschließend misstrauisch, noch ängstlicher ... (ok, das ist jetzt mal ein Extrembeispiel). Das kann also nicht gutgehen, denn das eigentliche Problem bleibt ja bestehen bzw. verschärft es sich noch.
Würde die bisher unterlegene Frau durch den aufgeflogenen Betrug in die Überlegenenposition wechseln und ihre Macht nutzen, indem sie die Beziehung - wenn auch nur temporär - beendet und ihm damit klare Konsequenzen aufzeigt, vor allem, dass sie sehr wohl in der Lage ist, ohne ihn zu leben, würde das den Machtkampf genau anders entscheiden und er würde wieder anfangen, sie stärker zu lieben. Denn sie wäre ja "weg", und nichts schürt die Liebe so sehr wie der Verlust derselben, das wissen wir ja alle
Deshalb gehen Betrüger danach auch so selten zur AF, wenn sie verlassen wurden, weil sie ja dann ihre Frauen wieder stärker lieben und diese zurückhaben wollen.
In jedem Fall würde ich Betrogenen immer dazu raten, anschließend eine Paartherapie zu bemühen. Denn die eigentlichen Gründe hinter so einem Betrug findet man meistens nicht selber heraus. Die sitzen so tief und sind so eng im Beziehungsmuster verstrickt, dass ja sogar die "Profis" meist Monate brauchen, um den Kern rauszuarbeiten.