Zitat von frischgeföhnt:Das nennt sich Ambivalenzschaukel. .
Jede Entscheidung fühlt sich falsch an.
Also wird keine getroffen.
Ich sehe es wie Klingelkasten. Die Ehe ist für mich nach jahrelanger Affäre tot. Aber erstmal wird versucht alles aufrecht zu erhalten. Das ist nur verständlich.
Manchmal klappt es sogar.
Eine bewusste Entscheidung war das aber nicht.
Ich wusste nicht, dass man das Ambivalenzschaukel nennt...
Aber begriffen habe ich das Phänomen damals schon ziemlich gut, als unsere Beziehung noch lief. Ich habe ihm hunderttausend Briefe geschrieben, die ich alle nicht abgeschickt habe. Sie waren nur für mich. Um mein Gefühls- und Gedankenchaos zu ordnen. Ich musste irgendwohin damit. Mache ich immer noch. Kann schon Ordner damit füllen.
Ich wusste, er steht vor einer Entscheidung, dir er nicht treffen kann. Aus irgendeinem Grund. Und ich wusste, wenn er es nicht tut, würde ich es tun müssen. Den Unterschied habe ich darin gesehen, dass er eine Wahl zwischen zwei Optionen hat, die er beide irgendwie attraktiv findet, während ich die Wahl zwischen zwei Optionen habe, die ich beide garantiert
nicht will. Ich wollte auf keinen Fall weiter als seine Zweitfrau verharren, weil es mich total krank gemacht hat. Und der Gedanke, ihn zu verlieren, hat mich auch krank gemacht. Die Wahl zwischen Pest und Cholera also.
Irgendwie kam mir seine Lage leichter vor. Und ich habe ihn in diesem unabgeschickten Brief förmlich angefleht, diese Entscheidung endlich zu treffen. Nicht nur mir, sondern such ihm selbst zuliebe. Mit dem gleichen Argument, das Föhni benutzt. Dass nämlich eine Entscheidung, die man nicht trifft, auch eine Entscheidung ist. Aber dann ist es keine gute, keine starke Entscheidung, weil man sie nicht voll bewusst, sondern eher passiv durch ein Sichtreibenlassen gefällt hat.
Na ja. Ihr wisst, wie es ausgegangen ist. Und ich warte jetzt seit über zwei Monaten darauf, dass es mir durch die von mir getroffene Entscheidung irgendwann besser geht. Ist im Moment nämlich überhaupt nicht so ...