Pfeifchen
Mitglied
- Beiträge:
- 2904
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 5216
- Mitglied seit:
Ich weiß nicht, ob ich in dem Sinne traumatisiert bin, ich habe einen Coach, der aber kein Psychotherapeut ist und daher nichts diagnostiziert. Es tut aber gut, mit ihm Dinge aufzuarbeiten, und so geht das ganz gut.
Vielleicht kann ich hier mal mein Hirn sortieren.
Fakt ist aber, dass es Dinge gibt, die mich seit der Kindheit beschäftigen, und ich jetzt nach und nach erkenne, wie sehr mich das seitdem in meinem Handeln und fühlen, und überhaupt in meinem kompletten Verhalten prägt. Nun bröselt mir aber, seit der Exmann mich im Kinderzimmer betrogen hat, mein komplettes bisheriges Leben zusammen.
Ich habe mit knapp vier Jahren meinen Vater verloren. Das war von außen betrachtet und im Nachhinein irgendwie absehbar. Aber für mich damals als Kind war das absolut unverstänlich. Der ist in den Urlaub gefahren und sozusagen nicht wiedergekommen. Ich weiß nicht, was ich da gedacht und gefühlt habe. Aus jetziger Sicht nichts. Es war so, fertig aus. Meine Oma, mit der wir im Haus gelebt haben, war psychotisch - das ist auch mal diagnostiziert worden.
Dadurch habe ich mich verhalten, wie ich mich verhalten habe, habe mich gefühlsmäßig komplett zugemauert, eingeigelt, unsichtbar gemacht und war so gesehen unsichtbar und nicht angreifbar. Mauern kann ich. War ein bisschen eigenbrödlerisch. Musik war mein Tor zur Emotion, da hab ich mich reingestürtzt wie bekloppt, sodass ich sie jetzt beruflich mache.
Alles, worauf ich stolz war, Resilienz, mit Schicksalsschlägen gut klarzukommen, fällt mir jetzt auf die Füße. Ich bin gerade komplett nackig. Alles, was man mir sagt, was ich bin, sind antrainierte Verhaltensweisen, resultierend aus der Kindheit. Und nun entdecke ich davon die Nachteile, die ich mir immer weggeredet hab. Man sagt mir, ich habe so eine positive Ausstrahlung, bin besonnen usw.... ja, weil ich negative Sachen ausgeblendet habe, sie nicht haben wollte und sie teilweise einfach nicht wahrnehmen WOLLTE, aus Angst davor. Ich wollte keine Schmerzen spüren. Nur positive Dinge. Ich wollte nie "Umstände machen" und am liebsten unsichbar sein <-> "Du bist immer so schön unkompliziert".
Und so weiter.
Nach 30 Jahren öffnen sich hier Türen, die ich mit 4 Jahren zugemacht habe, und ich kann nicht steuern, ob ich die nicht vielleicht lieber nacheinander öffnen wollte, oder auch gar nicht. Nee, die werden aufgesprengt, und ich darf jetzt gucken, was ich damit mache. Allerdings gibt es nun Durchzug und alles wird durcheinander geweht.
So ist das. Wie gesagt, ob das nun Trauma ist oder was anderes, ist mir eigentlich gleich. Es gibt viele wesentlich schlimmere Schicksale und ich will mir nichts anmaßen. Trotzdem prägt es mich und belastet.