Zitat von Carbon: Selten wird zu Hause Gevatter Tod die Tür geöffnet, wenn er die Oma 93 Jahre alt, einlädt mit ihm zu kommen.
Also dazu erlaube ich mir nun doch noch etwas zu sagen, weil das Thema Tod ja auch eines ist, das die heutige Zeit so ganz aus dem Leben hinausgedrängt hat.
Früher, zu meinen Zeiten, war es üblich, dass Verstorbene drei Tage lange zu Hause aufgebahrt wurden. Das hatte den Hintersinn, dass man damals gedacht hat, die Seele brauche drei Tage, um sich ganz vom Körper zu lösen. Und in der Zeit sollte sie sozusagen noch in der gewohnten Umgebung sein und mit ihren Lieben vereint.
Mag es damit etwas auf sich haben oder Unsinn sein: Das war menschlich. Und vor allem war es auch für die Hinterbliebenen etwas ganz anderes. Man konnte sich wahrhaft verabschieden, die Leute haben oft auch noch mit dem Toten ganz normal geredet, ihnen etwas erzählt, vielleicht eine Geschichte vorgelesen, die sie geliebt haben usw., und all das hatte etwas geradezu Feierliches und auch Tröstliches an sich.
Zumindest einer hat auch immer die Totenwache gehalten, also auch nachts, und es war letztlich eine ganz besondere Zeit, also diese drei Tage, in der alle von diesem seltsamen Zauber des Todes berührt waren und sich auch der eigenen Endlichkeit so ganz bewusst geworden sind.
Heutzutage hingegen wird man ja mehr oder weniger nur schnellstmöglich entsorgt. Am besten: heute gestorben, morgen begraben.
Ich kann mir nicht helfen, aber dem Menschen scheint im Lauf der Zeit jeder Sinn für das Menschliche und auch das Unbegreifliche abhanden gekommen zu sein in seinem rationalen Übereifer.
Übrigens habe ich kürzlich diesbezüglich ein, wie ich finde, gutes Buch gelesen zu diesem Thema Tod: "Gespräche mit dem Tod". Einmal eine ganz andere Sichtweise, ja geradezu eine Liebesgeschichte, jedenfalls etwas Fröhliches und nicht Abgedunkeltes.
Und selber dachte ich mir ja schon immer: Welchen Wert hätte das Leben ohne den Tod? Dann würde die Beliebigkeit ja ins Unendliche hochschwappen.