Donnerstag
Gast
welch Wunder in diesem Forum, auch ich schreibe über eine Affäre. In dieser bin ich (m45) leider der Böse.
Im Vergleich mit anderen geht es bei mir noch nicht so lange, vor gut zwei Monaten begann es. Nach einer Woche abtasten war es dann aber soweit. Irgendwie bereue ich es, aber es fühlt sich auch unglaublich gut an. Klingt doof, aber so extrem geliebt habe ich mich selbst in den Anfangsjahren mit meiner Frau nicht gefühlt. Die wiederum liegen zwei Jahrzehnte zurück, ist aus der Erinnerung vielleicht etwas unfair zu vergleichen.
Konkret zu meiner Ehe: Wie so oft, wir haben uns als Paar schon länger auseinander gelebt, und das seit Anfang diesen Jahres noch stärker. Sowohl dafür, dass wir uns schon länger auseinander gelebt haben (bedingt durch meinen Charakter bzw Einstellungen von mir) als auch für das weitere Auseinanderleben dieses Jahr (bedingt durch meine Arbeit) liegt der Grund am ehesten bei mir. Für meine Frau war das OK, Hauptsache es geht der Familie bzw den Kindern (Grundschulalter) gut. Sah ich ja auch lange so.
Meiner Frau habe ich inzwischen alles erzählt, auch meine etwaigen Trennungsabsichten. Sie war überrascht und schockiert, versucht mich aber durchaus zu unterstützen, indem sie sagt sie versteht mich und indem sie alle Alltagsprobleme versucht von mir fern zu halten. Aber so unfair es ist, ich tendiere tatsächlich dazu mich von ihr zu trennen. Das liegt daran, dass wir zwar beide die Einschätzung haben, dass wir trotz allem eine grundsätzlich (scheinbar?) glückliche Zukunft als Familie hinbekommen, aber eben nicht mehr als echtes Paar. Und da hat sich in den letzten Wochen meine Sichtweise geändert, das kann ich nicht mehr gut finden.
Leider werden aber am meisten die Kinder leiden. Viele sagen ja, wenn die Ehe nur noch aus Streit besteht, dann ist es letztlich besser für die Kinder, wenn man sich trennt. Aber wir streiten uns fast nie, die Kinder ahnen ganz sicher nichts. Ich empfinde es daher als sehr egoistisch, sie so zu verletzen. Aber meine Gefühle dauerhaft zu unterdrücken kann doch auch nicht die Lösung sein.
Meine Entscheidung wird mir niemand abnehmen können. Auch gibt es noch andere Aspekte (ist es nur das frühe verliebt sein?). Aber vor allem zu den beiden beschriebenen Punkten würde mich Feedback interessieren: meine Frau benimmt sich vorbildlich und ich zerstöre ihren Wunsch nach gemeinsam alt werden, und wie sollte man das Wohl der Kinder in dieser Situation in die Entscheidung mit einbeziehen? Denn gerade wenn es für sie so überraschend kommt, sollen Kinder die Trennung der Eltern besonders schlecht verkraften.
Es wird bestimmt der Vorschlag der Paartherapie kommen. Wenn ich bei meiner Frau bleibe, ist das sicher ein guter Vorschlag. Aber in der Zeit habe ich meine Freundin verloren, und aktuell zieht es mich halt zu ihr. Deswegen geht es mir halt erstmal nur um diese Entscheidung, die ich kurzfristiger treffen will.
Vielen Dank für's Lesen und für das nicht komplett verurteilen.